Digitalisierung: Die Gunst der Stunde nutzen

Allgemein
Dirk Backofen Deutsche Telekom (Bild: Deutsche Telekom)

Ist Digitalisierung nur ein neues Schlagwort oder das Konzept für neue Geschäftsmodelle der Zukunft? Läuft die deutsche Wirtschaft Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten oder ist gerade das vorhandene Bewusstsein der Unzulänglichkeiten der Trumpf, mit dem das Spiel am Ende gewonnen wird? Telekom-Manager Dirk Backofen erklärt im Gastkommentar für ITespresso, was Digitaliseurng für ihn bedeutet und warum er zuversichtlich ist.

Die Lage ist eigentlich paradox: Immer wieder höre ich in Gesprächen, dem Mittelstand sei die Digitalisierung egal. Da werden Studien zitiert, nach denen zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland bei der Digitalisierung im eigenen Betrieb Nachholbedarf sehen. Ich will an der Zahl nicht zweifeln. Aber belegt sie nicht genau das Gegenteil der These vom sorglosen Mittelstand, dem die Digitalisierung egal ist?

Dirk Backofen Deutsche Telekom (Bild: Deutsche Telekom)
Dirk Backofen, der Autor dieses Gastkommentars für ITespresso.de, ist Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH (Bild Deutsche Telekom).

Offensichtlich beschäftigt sich die große Mehrheit der Unternehmen – nämlich eben diese zwei Drittel – ganz bewusst mit der eigenen digitalen Zukunft. Der Mittelstand hat die strategische Bedeutung von Digitalkompetenz also sehr wohl erkannt. Das muss auch so sein so, denn Fakt ist: Wer nicht digitalisiert, fällt irgendwann aus der Wertschöpfungskette heraus.

Wenn aber deutsche Unternehmen die Notwendigkeit zur Digitalisierung erkannt haben, stellt sich die entscheidende Frage: Warum haben sie dennoch Nachholbedarf, welche Hürden gibt es, und wie lassen diese sich abbauen?

Ich bin sicher: Vielen Firmen fällt es einfach schwer, den Begriff der Digitalisierung mit Leben zu füllen. Alle reden darüber, aber die Unternehmen wissen häufig nicht, was Digitalisierung konkret für ihr eigenes Geschäft bedeutet.

Dabei ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um die Digitalisierung voranzutreiben. Selten waren deutsche Unternehmen, vor allem Mittelständler, so erfolgreich. Die Bundesregierung hat die Konjunkturprognose 2015 gerade erst auf 1,5 Prozent erhöht. Vielerorts sind die Auftragsbücher voll und die Umsätze steigen. Unser Mittelstand und unsere 1300 Weltmarktführer stehen für höchste Qualität, Verlässlichkeit und Präzision. Diesen Vorsprung sollten Unternehmen nicht einbüßen – zumal sich durch die Digitalisierung neue Geschäftschancen eröffnen.

Was heißt das ganz konkret auf die Firmen-Ebene heruntergebrochen?

Mit Hilfe der Digitalisierung gestalten Unternehmen ihre Prozesse effektiver. Ein Beispiel: Häufig wollen Mitarbeiter ihre Daten und Anwendungen auch unterwegs auf Smartphone und Tablet dabei haben. Dies zu ermöglichen, könnte ein Anfang der Digitalisierung im Büro und im Außendienst sein. Damit stehen Kundeninformationen und Auftragsmodalitäten rund um die Uhr überall zur Verfügung.

Ähnlich die virtuelle Telefonanlage: Sie verbessert die Erreichbarkeit, und durch sie lassen sich Anfragen schneller beantworten. Mitarbeiter nehmen Gespräche per Mausklick am Bildschirm an.

Oder: Firmen wollen insgesamt flexibler agieren. Gleichzeitig stellen ihre Kunden hohe Anforderungen an die Datensicherheit. Das bindet Ressourcen. Die Lösung kommt aus der Cloud. Dienstleister übernehmen die Datenverantwortung, wenn Mittelständler ihre Server dorthin auslagern und so zum Beispiel Lastspitzen des Weihnachtsgeschäfts problemlos auffangen.

Digitalisierung kann aber noch mehr, als Prozesse effektiver gestalten. Dafür muss sie sich durch die Firmenstrategie ziehen wie ein roter Faden. So ergeben sich ganz neue Geschäftschancen. Etwa wenn Mittelständler Produktion, Vertrieb und Services mit digitalem Know-how verknüpfen.

Beispiel Online-Shop: Klar, der kostet zunächst einmal Geld. Das mag den einen oder anderen abschrecken, aber ein Online-Shop ist doch nicht nur ein zusätzlicher Verkaufskanal. Über einen Online-Shop tauschen sich Händler mit ihren Kunden aus, womöglich sogar im Beratungsgespräch während des Kaufs. So dient der digitalisierte Vertrieb auch dazu, den eigenen Anspruch des Mittelstands an mehr Kundennähe zu erfüllen.

Alle diese Beispiele zeigen: Die Digitalisierung ist für den Mittelstand unverzichtbar, weil sie hilft, ihn erfolgreich zu machen. Sie sichert seine Zukunft.

Denn genau die steht auf dem Spiel: Die deutsche Wirtschaft und ihre Unternehmen stehen am Scheideweg: ohne Digitalisierung weniger Fortschritt und kein Wachstum. Wir mögen die erste Hälfte der Digitalisierung an die USA und Asien verloren haben. Aber wir haben mit den günstigen Rahmenbedingungen der hiesigen Wirtschaft und dank eines starken Mittelstands jetzt die Chancen, ein neues, ein digitales Wirtschaftswunder zu gestalten. Wir sollten die Gunst der Stunde nutzen.

Umfrage

Industrie 4.0 ist eines der Trendthemen des Jahres 2015. Was halten Sie davon?

Ergebnisse

Loading ... Loading ...