Adwords-Anzeigen locken Google-Nutzer auf Betrüger-Website

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Datenklau (Bild: Shutterstock)

Im deutschsprachigen Raum platzierte Anzeigen werben unter anderem für extrem günstige Festplatten. Eine Bestellung auf der beworbenen Website, die Nutzer mit einem gefälschten Impressum täuscht, führt nicht zur Lieferung der Ware, sondern dem Verlust der Kreditkartendaten. Amazon und Ebay haben dem Treiben auf ihren Marktplätzen Einhalt geboten, Google reagiert schwerfälliger.

Ein offensichtlicher Betrugsversuch über eine bei Google Adwords geschaltete Anzeige sorgt derzeit für massenhaften Datenklau bei Online-Nutzern. Außerdem wurde das Geschäft und der Ruf eines IT-Dienstleisters aus dem Münchner Norden, dessen Namen die Betrüger für ihre Zwecke missbrauchten, erheblich geschädigt.

Website beste-externe-festplatten.com (Screenshot: ITespresso)

Laut Lars Krause, Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens, lockt die fragliche Anzeige Google-Nutzer über die Suchergebnisseite auf eine augenscheinlich gefälschte Website mit der URL www-beste-externe-festplatte.com. Dort werden Name, Adresse und Geschäftsführer des betroffenen Unternehmens im Impressum angeführt. Auf der Webpräsenz selbst heißt es, Anwender könnten dort unter anderem externe Festplatten zu Niedrigstpreisen bestellen. “Versucht ein Kunde auf dieser dubiosen Website, Ware zu bestellen, erhält er statt dieser entweder gar kein Produkt oder allenfalls eine billige Micro-SD-Karte”, erklärt Krause.

Dafür würden jedoch die Kreditkartendaten des Betroffenen abgefischt. Einige Kunden seien stutzig geworden und hätten sich daraufhin direkt an sein Unternehmen gewandt. Krause rechnet insgesamt mit rund 1000 geschädigten Nutzern, da die Zahlungen zwar nicht immer veranlasst, die Kreditkartendaten jedoch immer übermittelt worden seien. Betroffenen Nutzern rät er daher, unverzüglich die Kreditkarte sperren zu lassen und Strafanzeige zu stellen.

Eine Anfrage über den Whois-Dienst hinsichtlich der Internet-Domain und IP-Adresse hinter der Fake-Website hat Krause zufolge ergeben, dass gleich mehrere solcher fragwürdigen Domains auf einen chinesischen Anbieter namens Li Peng in Kanada registriert wurden, der diese über ein britisches Unternehmen bestellt und wiederum in der Türkei gehostet haben soll.

Als sich Krause an Google wandte, stieß er dort eigenen Angaben zufolge auf taube Ohren: “Google sieht keinen Bedarf, irgendetwas zu unternehmen. Für uns als betroffenes Unternehmen stellt sich nun die Frage, ob sie sich damit nicht ebenso strafbar machen”, sagt Krause.

Allerdings sei es trotz zahlreicher Bemühungen schwierig gewesen, überhaupt einen konkreten Ansprechpartner bei Google zu finden: “Es ist so gut wie unmöglich, jemanden bei Google zu erreichen. “Ein solches Verhalten eines gewinnerzielenden Unternehmens, das auch noch Geld für solche Anzeigen erhält, ist für unser Unternehmen mehr als geschäftsschädigend”, so Krause weiter.

Auch auf Anfrage von ITespresso gibt sich Google bedeckt: “Grundsätzlich äußert sich Google zu Einzelfällen nicht – aber selbstverständlich sind betrügerische Aktivitäten über Adwords nicht im Einklang mit Googles Richtlinien. Derlei Aktivitäten können Nutzer über unser Feedback-Formular zu Adwords-Anzeigen melden”, erklärt ein Sprecher des Internetkonzerns.

Das geschädigte Unternehmen ersuchte offenbar nicht nur Google vergeblich um Hilfe. Laut Krause hat die Staatsanwaltschaft ein laufendes Ermittlungsverfahren inzwischen eingestellt. Sie sieht offenbar- – wie übrigens in fast der Hälfte der Fälle von Internetkriminalität – aufgrund der komplexen Sachlage, die das Eingreifen von Ermittlungsbehörden udn Justiz aus mehreren Ländern erforderlich machen würde, wenig Chancen auf Erfolg.

Die Adwords-Anzeige fand sich nicht nur auf Googles Suchergebnisseite, sondern Krause zufolge auch bei Ebay, der Preissuchmaschine Idealo und Amazon. Ebay sei sehr entgegenkommend gewesen und habe die Anzeige unverzüglich von seiner Website genommen. Ebenso kooperativ soll sich auch Idealo gezeigt haben. Lediglich Amazon habe sich anfangs noch geweigert und willigte erst nach Androhung rechtlicher Schritte ein, die Anzeige ebenfalls zu löschen.

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