Ionas Server: Open-Source-Cloud für daheim im Test

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Beim Ionas-Server wird die externe Festplatte per USB an den Mini-Rechner angeschlossen. Der Netzwerkanschluß stellt die Verbindung zum Router her (Bild: Ionas).

Im Zuge des NSA-Skandals und der Skepsis gegenüber Dropbox, Google, Apple & Co. finden immer mehr Anwender die Idee der privaten Cloud äußerst attraktiv. Auf diesen Zug springt die deutsche Firma Ionas auf und bietet mit dem “Ionas Server” ein interessantes Konzept für die Cloud zu Hause. ITespresso hat es sich genauer angeschaut.

Wer sich von den großen Cloud-Anbietern unabhängig machen, seine persönlichen Dateien, Kontakte und Termine aber dennoch zentral speichern möchte, um auch unterwegs per Notebook, Tablet oder Smartphone darauf zugreifen zu können, setzt auf eine private Cloud. Dafür gibt es verschiedene Lösungen wie einen Netzwerkspeicher (NAS) mit entsprechender Funktion oder etwa den beliebten Mini-PC Raspberry Pi mit der passenden Software einzurichten. Diese fungiert dann als Server, der verschiedene Dienste wie Dateiverwaltung, Adressbuch und Kalender für einen oder mehrere Nutzer zur Verfügung stellt – im Heimnetz und unterwegs.

Beim Ionas-Server wird die externe Festplatte per USB an den Mini-Rechner angeschlossen. Der Netzwerkanschluß stellt die Verbindung zum Router her (Bild: Ionas).
Beim Ionas-Server wird die externe Festplatte per USB an den Mini-Rechner angeschlossen. Der Netzwerkanschluß stellt die Verbindung zum Router her (Bild: Ionas).

Genau auf dieser Idee basiert der kürzlich vorgestellte Ionas Server des gleichnamigen Unternehmens aus Mainz. Die Entwickler nutzen als Hardware-Basis den populären Raspberry Pi B+. Auf einer Micro-SD-Karte, die quasi als Festplatte dient, ist die Server-Software vorinstalliert, die wiederum auf Raspbian basiert, einer leichtgewichtigen Linux-Distribution, die speziell für den Einsatz auf einem Raspberry konzipiert wurde. Vollständig wird das aber erst durch die bereits eingerichteten Dienste, die bestimmte Funktionen zur Verfügung stellen, die wir von Cloud-Anbietern kennen.

Da sind vor allem zwei Programme zu nennen, die in Python programmiert wurden: Seafile kümmert sich um die Bereitstellung eines Cloud-Speichers, die Verwaltung der Dateien und deren Synchronisation sowie der Benutzer und deren Zugriffsrechte. Clients gibt es für Windows, Mac OS, Linux, iOS und Android. Radicale wiederum organisiert Kontaktdaten und Termine nach dem CalDAV- beziehungsweise CardDAV-Standard.

Alle Daten landen dabei auf einer ein Terabyte großen USB-Festplatte von Western Digital, die zum Paket gehört. Elegant sieht die derzeitige Lösung allerdings noch nicht aus. Zwar steckt der Raspberry Pi bereits in einem Gehäuse und kommt nicht als nackte Platine, wie man ihn etwa im Online-Handel selber kaufen kann. Allerdings befestigt man die WD-Festplatte lediglich mit einem Klettverschluss an der Unterseite des Gehäuses. Das sieht schon sehr nach “selbstgebastelt” aus.

Neue Plattform in Gespräch

Der Anbieter möchte jedoch künftig die Hardware komplett in einem Gehäuse verstauen und eventuell sogar auf eine andere Plattform umsteigen. Man habe bereits ein Auge auf den Banana Pi geworfen, sagte uns ein Mitarbeiter. Dieser ist hardwaretechnisch etwas besser ausgestattet, brächte also mehr Leistungsreserven, um auch mehr Benutzer problemlos den parallelen Zugriff auf die Server-Dienste zu gestatten. Für die Zielgruppe – den versierten Heimanwender – ist aber auch ein Raspberry Pi in der Regel ausreichend.

Ionas-Server (Bild: Ionas)
Der Ionas Server im Einsatz: In der aktuellen Version ist die Festplatte unter dem Gehäuse befestigt und mit einem USB-Kabel angebunden (Bild: Ionas).

Bewährte Komponenten

Zunächst möchte sich Ionas aber auf die Weiterentwicklung der Software konzentrieren, was auch unserer Meinung nach derzeit die größte Baustelle ist. Der Server basiert komplett auf bewährter und vielfach eingesetzter Open-Source-Software, die neben Seafile und Radicale beispielsweise Mopidy (Musik-Server), MiniDLNA (DLNA-Server) sowie OpenVPN und ddclient für den sicheren Zugriff von außerhalb des eigenen Netzwerks umfasst. Diese funktionierte im Test auch weitgehend reibungslos und wie erwartet ohne größere Probleme – wenn sie denn einmal eingerichtet ist.

Erstklassiger Support

Und hier liegt gleichzeitig die Stärke von Ionas, aber auch das Problem. Wer das Server-Paket für 249 Euro kauft, erhält damit auch kostenfreien Support bei der Einrichtung. Die Hotline, die über eine normale Festnummer erreichbar ist, hat absolut nichts mit dem Call-Center-Ambiente zu tun, das man bei anderen Firmen vorfindet. Der Mitarbeiter, der uns beim Setup des Servers unterstützte beziehungsweise dieses übernahm, war nicht nur unglaublich freundlich, sondern vor allem absolut kompetent. Die Einrichtung aus der Ferne erfolgt dabei über eine Teamviewer-Sitzung, weil der Zugriff auf den Server nur aus dem Heimnetzwerk möglich ist.

Ein Fernzugriff wäre zu fehleranfällig (Router konfigurieren etc.) und könnte beim Nutzer das ungute Gefühl hinterlassen, dass der Anbieter auch ohne eigene Kontrolle auf den Server und vor allem die gespeicherten Daten zugreifen könnte. Daher hat man sich für die Teamviewer-Lösung entschieden, bei der der Support-Mitarbeiter den Rechner des Kunden fernsteuert. Soweit zu den Stärken dieser Methode.

Nutzerfreundlichkeit lässt noch zu wünschen übrig

Das Problem hierbei: Die anvisierte Zielgruppe sind Heimanwender, die sich selbst den Nachbau eines Ionas Servers (oder einer der ähnlichen Lösungen, die es zuhauf gibt) nicht zutrauen, aber dennoch eine private Cloud betreiben möchten. Diese Anwender könnten nach aktuellem Stand den Server gar nicht selber in Betrieb nehmen, obwohl er ja bereits so weit vorkonfiguriert ist, wie es geht.

Das Setup läuft derzeit noch komplett über die Linux-Konsole, ein grafisches User-Interface sucht man vergeblich. So startet und konfiguriert der Support-Mitarbeiter alle Dienste einzeln – sofern man sie den braucht.

Das neue Webinterface: So soll die kommende Benutzeroberfläche in der mobilen Version aussehen (Bild: Ionas Server).
Das neue Webinterface: So soll die kommende Benutzeroberfläche in der mobilen Version aussehen (Bild: Ionas Server).

Grafisches Nutzer-Interface in Arbeit

Die Entwickler setzen genau hier an und möchten bis Ende des ersten Quartals 2015 eine Web-Oberfläche anbieten, über die auch halbwegs ambitionierte Anwender die grundlegende Server-Konfiguration auf eigene Faust vornehmen können. Dazu gehören vor allen Dingen der Start und Stopp der einzelnen Dienste (Seafile, Radicale etc.) sowie die zentrale Einrichtung und Verwaltung der Benutzer per LDAP. Aktuell muss man etwa für Seafile und Radicale jeweils eigene Benutzerkonten anlegen. Auch die Konfiguration des DynDNS-Services sowie des OpenVPN-Servers sollen dann über ein grafisches Interface gelingen.

Zugriff von unterwegs

In Sachen DynDNS arbeitet Ionas mit dem Dienst SPDNS des Lüneburger Anbietes Securepoint zusammen, der für die kostenlose Einrichtung eines Kontos lediglich eine gültige E-Mail-Adresse verlangt – das ist angenehm datensparsam. Zusammen mit dem VPN-Dienst bauen Anwender auch von unterwegs etwa mit dem Smartphone eine sichere Verbindung zum Server auf und greifen so auch ohne statische IP-Adresse auf Seafile und Radicale zu.

Nur so kommt Dropbox-Feeling auf, denn schließlich will man auch außerhalb des eigenen Netzwerkes Dateien hoch- und runterladen beziehungsweise mit dem Rechner im Büro synchronisieren. Ähnliches gilt auch für Termine und Kontakte, die sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Tablet und allen PCs zur Verfügung stehen sollen.

Hardware-Tausch mit Hindernissen

Der Austausch der Festplatte, auf der sämtliche Daten der Nutzer liegen, denn auf der Micro-SD-Karte im Raspberry Pi ist lediglich das Betriebssystem samt Server-Software abgespeichert, ist nicht ohne weiteres möglich. Wird der Platz knapp und sind keine tiefergehenden Linux-Kenntnisse vorhanden, ist ein Anruf bei der Hotline nötig.

Denn das Dateisystem der Festplatte ist mittels ihrer UUID (Universally Unique Identifier) ins System eingebunden. Das hört sich auf den ersten Blick recht unflexibel an, hat aber einen Grund: So spart man sich die Konfiguration des genauen Speicherortes für jeden Dienst aufs Neue. Dank UUID weiß jeder Service, welches sein Verzeichnis ist und wo dieses liegt. Das ist eine Hürde weniger auf dem Weg zum anwenderfreundlichen Open-Source-Server. Die Vorkonfiguration ist übrigens auch ein Argument, warum Ionas das Linux-Image nicht als Download bereitstellt, sondern nur zusammen mit der Hardware ausliefert.

Server als Multimedia-Player

Die Multimedia-Lösungen Mopidy und MiniDLNA basieren auf Samba-Freigaben, der entsprechende Service gehört ebenfalls zur Grundausstattung des Ionas Servers. Über Netzwerkfreigaben kopiert der Anwender Musik- und Videodateien in die jeweiligen Verzeichnisse auf der Festplatte.

Für den Musikgenuss bietet der Ionas Server zudem einen Audioausgang, um einen Lautsprecher anzuschließen. Sogar Spotify oder Google Play Music lassen sich in Mopidy integrieren und damit nutzen. Allerdings geht auch hier wieder nichts ohne die Manipulation von Konfigurationsdateien über die Linux-Konsole. Über kurz oder lang sollen entsprechende Optionen in die grafische Oberfläche einfließen, wobei Mopidy und MiniDLNA wohl noch keine allzu hohe Priorität genießen.

Fazit

Die Entwickler verfolgen mit dem Ionas Server ein spannendes Konzept: Sie möchten Open-Source-Hard- und Software so miteinander kombinieren und verkaufen, dass interessierte Nutzer damit eine private Cloud aufbauen können. Der Preis mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, wenn man lediglich die Kosten für die einzelnen Komponenten (Raspberry Pi: ca. 30 Euro/Festplatte: ca. 60 Euro/Software: gratis) zusammenzählt

Aber die Entwicklungs- und insbesondere Support-Kosten rechtfertigen den Preis von 249 Euro – erst recht, wenn Ionas künftig an der Benutzerfreundlichkeit schraubt und dem Nutzer mehr Freiheiten in Sachen Konfiguration gibt, ohne die Kommandozeile bemühen zu müssen. Wir sind gespannt, wie gut ihnen das gelingt. Es ist nicht auszuschließen, dass wir uns das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anschauen werden.

Sicher: Technisch versierte Anwender legen einen Bastelnachmittag ein und bauen sich einen solchen Server selber und zu einem Bruchteil des Preises zusammen. Doch an diese Zielgruppe wendet sich der Anbieter auch gar nicht. Das sollte man bei der Bewertung im Hinterkopf behalten.

Bewertung

ITespresso Testurteil befriedigend

Ionas Server
Hersteller: Ionas
Internet: www.ionas-server.com
Preis: 249 Euro

Note: befriedigend (2,65)

Leistung (50 Prozent): gut
Funktionsumfang (30 Prozent): befriedigend
Bedienung (15 Prozent): ausreichend
Dokumentation (5 Prozent): befriedigend