Open-Source-App sorgt für verschlüsselte und kostenfreie Telefonate mit dem iPhone

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Verschlüsselung (Bild: Shutterstock/Cousin_Avi)

Die von Android her bekannte freie Software Simlar ist jetzt auch für das iPhone erhältlich. Sie sendet Sprache als chiffrierte IP-Datenpakete von App zu App. Zwei Minuten Gesprächszeit entsprechen etwa 1 MByte Datenvolumen. Ob dies mit dem eigenen Mobilfunkanbieter funktioniert, hängt von dessen Geschäftsbedingungen ab.

Simlar verschlüsselt jetzt auch IP-Telefonate für das iPhone. Bisher gab es die App nur für Android-Nutzer. Die Open-Source-App Simlar fasst zwei schon vorhandene Programme der freien Entwickler-Community zusammen und setzt eine Benutzeroberfläche darüber: Die Software Linphone steht als offener Quellcode für die VoIP-Telefonie bereit, die Verschlüsselung nutzt das freie Protokoll ZRTP.

Simlar: verschlüsselte VoIP-Telephonie für iOS (Bild: Simlar.org)
Die bisher nur für Android erhältliche, Internet-Telefoniesoftware Simlar verschlüsselt jetzt auch unter iOS (Bild: Simlar.org).

Die Nutzer an beiden Enden des Gesprächs müssen jedoch online sein, denn die Gespräche laufen per VoIP über das Internet. “Im heimischen WLAN sind die Anrufe also gratis”, schreiben die Anbieter. Wer über Mobilfunkanbieter mit dem Internet verbunden ist, muss den Datenverkehr von den Flatrate-Kontingenten abziehen oder nach den Megabyte-Preisen der genutzten Telekommunikationsanbieter berechnen. Mit 1 MByte für zwei Minuten Gespräch ist der Traffic aber berechenbar.

Einige Mobilfunkanbieter, etwa Vodafone haben in ihre Mobiltelefonverträge bereits Internet-Telefonie und Peer-to-Peer-Verbindungen ausgeschlossen. Sie erkennen meist schon Massenanwendungen wie Skype und schalten sie sofort ab, sobald der Nutzer eine IP-Telefonverbindung aufbaut.

Andere VoIP-Anbieter versuchen die Sperren der Telefon-Provider zu umgehen. Der Schweizer Anbieter Telephoenix etwa versucht, mit seiner App Opustel für verschlüsseltes Telefonieren durch ungewöhnliche Protokolle zu “entkommen”. Gründer Loelinger: “Opustel nutzt nicht die üblichen Ports (5060) und statt UDP verwenden wir TLS TCP SIPS und eben chiffriert”. Welche Art von Datenverkehr das ist, könnten die Provider so nur schwer herausfnden. Er nennt zudem Möglichkeiten, wie der Nutzer auch trotz beschränkter Firmen-WLANs über 3G oder 4G verschlüsselt telefonieren kann. Für Opustel fällt jedoch eine monatliche Gebühr an.

Die ebenfalls in der Schweiz ansässige Firma Plouder senkt mit ihrer gleichnamigen App die Kosten auf andere Art: Sie leitet mit die VoIP-Daten als analogen Anruf gleich ins normale Telefonnetz und agiert dann wie ein traditioneller Callback-Anbieter. Vorteil: Das Gegenüber braucht keine App. Plouder konzentriert sich auf Auslandsanrufe.

Die Open-Source-Lösung Simlar bleibt von Anfang an bei der Sprachdatenübertragung zwischen zwei App-Nutzern – sie kann Sperren nicht umgehen, ist aber vollkommen kostenfrei, wenn es mit der gängigen Traffic-Berechnung funktioniert. Das müssten Nutzer der iOS-Version oder der Android-Variante ausprobieren.

Das Programm steht als freie Software unter der GNU GPLv2-Lizenz zur Verfügung. Der Quellcode wurde auf Github veröffentlicht.

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