Google gliedert Datenbrille Glass in eigenständige Geschäftseinheit aus

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Google Glass (Bild: Sarah Tew/CNET)

Im Zuge der Maßnahme stellt es den Verkauf der Entwicklerversion seiner Augmented-Reality-Brille ein. Eine Version für Verbraucher ist nach wie vor geplant. Die Verantwortung für das Produkt übernimmt der früher bei Apple beschäftigte Tony Fadell. Wettbewerber, die sich auf Datenbrillen im professionellen Umfeld konzentriert haben, dürfte der Schritt freuen.

Google hat angekündigt den Verkauf der Entwicklerversion von Google Glass zum 19. Januar einzustellen. Man arbeite aber weiter an einem günstigen Modell der Augmented-Reality-Brille für Endverbraucher. Dass es an dem Projekt als solchem festhält zeigt auch, dass Glass zu einer eigenständigen Geschäftseinheit umfunktioniert wird. Sie wird künftig von Tony Fadell, einem früheren Apple-Manager, geleitet. Die bisherige Glass-Chefin Ivy Ross soll auch weiterhin das Tagesgeschäft leiten.

Google Glass (Bild: Sarah Tew/CNET)

Im November war Google-Gründer Sergey Brin zum ersten Mal seit etwa zwei Jahren ohne Glass in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Einige Beobachter nahmen dies gleich als Indiz für nachlassende Unterstützung des Projekts durch Googles Chefetage.

“Erste Versuche mit Glass haben den Boden bereitet und uns einen Eindruck gegeben, was für Verbraucher und Firmen wichtig ist”, erklärt Fadell, der als einer der Väter des iPod gilt. Nun wolle man daran arbeiten gemeinsam, die bisherigen Erkenntnisse in künftige Produkte einfließen zu lassen.

Die demnächst nun nicht mehr verfügbare “Explorer Edition” von Google Glass war nur in den USA angeboten worden. Sie kostete dort 1500 Dollar und stieß nicht überall auf Gegenliebe. Die nach vorne gerichtete Kamera sorgte sogar bei den diesbezüglich eher großzügigen Amerikanern offenbar für das Gefühl konstanter Überwachung. Google versuchte mit einigen Verhaltensempfehlungen für Nutzer sowie mit Bemühungen gegenzusteuern, die Brille unscheinbarer zu gestalten. Dennoch mehrten sich Berichte, wonach zum Beispiel Lokale das Tragen von Google Glass in ihren Räumlichkeiten untersagten.

Für Aufatmen sorgen dürfte der Schritt bei anderen Anbietern von Datenbrillen. Firmen wie Vuzix, Brother oder Ubimax bieten schon länger Augmented-Reality-Brillen für Profis, beispielsweise für den Einsatz bei Servicetechnikern und in der Logistik an. Da zählen weniger das schicke Design, sondern vielmehr eine robuste Bauweise und die Anbindung an Unternehmenssoftware, um durch den Einsatz der Datenbrillen Abläufe zu vereinfachen oder deren Dauer zu verkürzen. Bemühen in dieser Richtung mit Google Glass zu arbeiten gab es zwar schon, ob und wie sie aber nun unter den neuen Verhältnissen weitergeführt werden können, ist noch offen.

Schwer werden dürfte es dagegen nun bald für Anbieter wie Epson, GlassUp oder Sony, die sich ebenfalls an private Verbraucher richten. Bessere Chancen haben wahrscheinlich Firmen wie Oakley, die sich in Nischen einen Namen gemacht haben – Oakley zum beispiel bei Multimedia-Skibrillen. Aber auch die Anbieter im Profi-Bereich sollten sich nicht zu sicher fühlen. Wie das Beispiel des iPhone und später des iPad gezeigt hat, ist heutzutage Consumer-Technologie, der eigentlich wichtige Unternehmens-Features fehlen, dennoch in der Lage, erfolgreich in den Profibereich vorzudringen und sogar die dort etablierten Anbieter zu verdrängen.

Datenbrillen: Was es außer Google Glass sonst noch gibt

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Google Glass und andere Datenbrillen
Google-Mitbegründer Sergej Brin mit einem Prototypen der bekannten Datenbrille Glass (Bild: CBS Interactive)

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet]

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