Neuer Standard verabschiedet: G.fast soll bis zu 1 GBit/s über Telefonleitungen ermöglichen

BreitbandNetzwerke
Breitbandanschluss (Bild: Shutterstock/Georgii Shipin)

Seine Befürworter sehen G.fast als kostengünstige Alternative zur Anbindung von Häusern oder Wohneinheiten per Glasfaser. Erste Praxistests sind bereits vor der Verabschiedung des Standards angelaufen. Kommerziell verfügbar sein wird er aber wohl nicht vor Ende 2015.

Die Internationale Fernmeldeunion (International Telecommunication Union, ITU) hat den Standard G.fast jetzt offiziell verabschiedet. Mit ihm sollen sich auf kurze Entfernungen DSL-Übertragungsraten zwischen 150 MBit/s und 1 GBit/s über herkömmliche Kupfer-Telefonleitungen erreichen lassen. Er wurde von Alcatel-Lucent und Huawei entwickelt, die ihn als Nachfolger von VDSL2 vermarkten.

G.fast soll bis zu 1 GBit/s über Telefonleitungen ermöglichen (Bild: Shutterstock/Georgii Shipin)

Die ITU sieht G.fast als kostengünstige Alternative zu Fiber to the Home (FTTH). Die für Fiber-to-the-Building- (FTTB) und Fiber-to-the-Distribution-Point-Netze (FTTdp) ausgelegte Übertragungstechnik kombiniert Elemente von Glasfaser und DSL. In 400 Metern Entfernung von einem Einspeisepunkt liefert G.fast der Spezifikation zufolge noch “Glasfaser-ähnliche Geschwindigkeiten”. Service-Provider könnten damit den Breitbandausbau günstiger betreiben.

Die Entwicklung des Standards G.fast wurde mit dem Broadband Forum koordiniert. Diese entwickelt derzeit noch eine Test-Suite und ein Zertifizierungsprogramm für G.fast-Systeme. Eine Versuchsphase ist für Mitte 2015 geplant. Erste zertifizierte G.fast-Implementierungen werden Ende 2015 erwartet.

Die Deutsche Telekom hatte bereits im Februar Praxistests für G.fast angekündigt. Wie Technikchef Bruno Jacobfeuerborn damals gegenüber der Wirtschaftswoche sagte, rechnen man mit Übertragungsraten von bis zu 500 MBit/s oder mehr. Die im Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) organisierten Wettbewerber der Deutschen Telekom, zogen Ende Oktober nach. Sie überprüfen derzeit in Praxistest zusammen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) die von Alcatel-Lucent bei eigenen Tests erzielten Geschwindigkeiten.

Diese Mitte 2014 von Alcatel-Lucent veröffentlichte Tabelle gibt eine Übersicht über das Potenzial von G.fast (Grafik: Alcatel-Lucent).
Diese Mitte 2014 von Alcatel-Lucent veröffentlichte Tabelle gibt eine Übersicht über das Potenzial von G.fast (Grafik: Alcatel-Lucent).

Der österreichische Netzbetreiber A1 hat schon Mitte Oktober in Wien mit einem Test von G.fast begonnen. Er sieht sie als rasch implementierbare Brückentechnologie bis zur Einführung von “Glasfaser bis in die Wohnung”. Derzeit geht A1 davon aus, dass sich in Wien rund 30.000 Gebäude mit mehr als 400.000 Haushalten für den Ausbau mit G.fast eignen. Mit der kommerziellen Verfügbarkeit des als Ultra-Breitband-Services bezeichneten Angebots ist dort jedoch erst 2016 zu rechnen.

G.fast nutzt sehr hohe Frequenzbereiche und ist daher anfällig für Störeinflüsse. Mittels Vectoring soll daher der Effekt des Übersprechens zwischen den Adern in einem Leitungsbündel minimiert werden. Die Technologie eignet sich daher nur für Strecken bis zu maximal 250 Meter ab dem Einspeisepunkt. Entscheidend ist, ob dieser am Hausanschluss oder einem speziellen Verteilerpunkt liegt. Dem Breko zufolge gibt es in Deutschland nur sehr wenige geeignete Verteilerpunkte. Da weitere für G.fast eigens errichtet werden müssten, geht ein Teil der Vorteile verloren.

Unproblematisch und daher vielversprechend ist es allerdings, G.fast gerade in größeren Wohnanlagen zur Beschleunigung der Hausverkabelung zu nutzen. Allerdings warnt der Breko davor, einzelnen Unternehmen exklusive Nutzungsrechte – etwa der Hausinfrastruktur – zur Verwendung des nun verabschiedeten Standards einzuräumen. Technologiebedingt kann G.fast durch die Koppelung mit Vectoring immer nur von einem Unternehmen zwischen Einspeisepunkt und Endkunde eingesetzt werden.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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