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Zuckerberg verteidigt Facebooks Geschäftsmodell und findet Apple zu teuer

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Für das Time Magazin hat Lev Grossman den Facebook-Gründer zu einem Termin nach Indien begleitet und im Facebook-Hauptquartier in Menlo Park gesprochen. Im Mittelpunkt des Artikels stehen Facebooks-Pläne mit Internet.org und für die Vernetzung der bisher ohne Internet auskommenden Menschen.

Im Rahmen eines umfangreichen Artikels im Time Magazine zitiert Autor Lev Grossman Mark Zuckerberg auch mit Aussagen, mit denen sich dieser gegen implizite Vorwürfe von Apple-CEO Tim Cook wehrt. In einem offenen Brief hatte dieser kostenlose Online-Angebote und deren Datensammelei angeprangert. Cook zufolge sind die Nutzer solcher Diente keine Kunden, sondern das Produkt. Ähnlich argumentiert auch das Soziale Netzwerk Ello, dass über kostenfreie Online-Dienste sagt: “Dort sind Sie das Produkt, dass gekauft und verkauft wird”. Ello verspricht seinen Nutzern dagegen Werbefreiheit und Datenautonomie.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg (Bild: James Martin/CNET).
Facebook-CEO Mark Zuckerberg (Bild: James Martin/CNET).

Von Grossman darauf angesprochen, erklärte Zuckerberg, dass seiner Ansicht nach das Geschäftsmodell, unabhängig davon, was für ethische Vorzüge es habe, sich einfach nicht im großen Stil aufziehen lasse. “Unsere Aufgabe ist es jeden auf der Welt zu vernetzen. Das schafft man nicht mit einem Dienst, für den man bezahlen muss.” Grossmans Einwurf, dass Nutzer bei Facebook mit ihrer Zeit und ihren persönlichen Informationen bezahlten, wurde nicht beantwortet, ein Facebook-Mitarbeiter sorgte dafür, dass das Thema gewechselt wurde.

Allerdings äußerste sich Zuckerberg zuvor noch zu den Aussagen von Tim Cook: Allein die Tatsache, dass dort die Nutzung von Dienten kostenpflichtig sei, bedeute noch lange nicht, dass Nutzer und Anbieter gleiche Ziele verfolgten. “Ich finde es frustrierend, dass viele Leute ein auf Werbung basierendes Geschäftsmodell zunehmend damit gleichsetzen, dass man sich nicht mehr im Einklang mit seinen Kunden befindet”, erklärt Zuckerberg.

Er halte diese Vorstellung für ausgesprochen lächerlich. Es sei doch keineswegs so, dass die Interessen von Kunden und Anbieter bei Apple übereinstimmten, nur weil man dort für die Dienste bezahle. Falls das der Fall wäre, so Zuckerberg, dann würde Apple seine Produkte deutlich günstiger anbieten.

Allerdings stehen diese Aussagen keinesfalls im Mittelpunkt des Time-Artikelss. Im Wesentlichen geht es darin vielmehr um Facebooks Plan, alle Menschen zu vernetzen. Derzeit seien von der Weltbevölkerung von rund 7,2 Milliarden etwa 2,9 Milliarden im Internet aktiv. Allerdings sei es ein Trugschluß davon auszugehen, dass die restlichen 4,3 Milliarden technisch keine Möglichkeit hätten, online zu gehen. Lediglich 15 Prozent der “Offliner” seien tatsächlich von Internetzugängen abgeschnitten – beim Rest seien andere Gründe dafür verantwortlich – etwa dass attraktive Anwendungen viel zu komplexe und damit teure Endgeräte und breitbandige Verbindungen voraussetzen oder dass Mobilfunktarife zu teuer sind.

Start-ups wie Ello, die Facebook mit einem kosetnpflichtigen, dafür werbefreiem Sozialen Netzwerk angreifen, hält Mark Zuckerberg für keine ernsthafte Bedrohung (Screenshot: ITespresso).
Start-ups wie Ello, die Facebook mit einem kosetnpflichtigen, dafür werbefreiem Sozialen Netzwerk angreifen, hält Mark Zuckerberg für keine ernsthafte Bedrohung (Screenshot: ITespresso).

Auch das Problem hält Zuckerberg für lösbar: “Wir haben herausgefunden, dass die Aufgabe, jedermann in der Welt mit einem grundlegenden Internetzugang zu versorgen, mehrere Milliarden Dollar kostet. Oder möglicherweise einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag. Mit den richtigen Innovationen ist das durchaus zu machen”, so Zuckerberg weiter.

Für die richtigen Innovationen soll unter anderem die Facebook-Initiative Internet.org sorgen, der auch Ericsson, Qualcomm, Nokia und Samsung angehören. Dabei wird zunächst eine Region in Augenschein genommen und geprüft, welche Inhalte Menschen dort bewegen könnten, ihre Online-Abstinenz aufzugeben. Diese Inhalte werden dann zusammengefasst, in der richtigen Sprache präsentiert und in eine schlanke App verpackt. Diese wiederum wird dann den dortigen Mobilfunkbetreibern angeboten, die sie kostenlos und ohne für die Datenübertragung Geld zu verlangen bereitstellen sollen.
Angefangen hat man damit bereits im Juli in Sambia, in Tansania folgte der Start im Oktober.

In Sambia vereint die App AccuWeather, Wikipedia, die Google-Suche, das Angebot einer Organsiation für Frauenrechte und Stellenangebote – und natürlich Facebook. “Ich sehe das ähnlich wie die Notrufnummer 911 in den USA”, erklärt Zuckerberg. “Man braucht keinen Datentarif, aber in einem Notfall, bei einem Brand oder einem Überfall kann man immer anrufen und erhält Zugang zu grundlegenden Diensten. Ich bin der Meinung, es sollte etwas Vergleichbares auch für das Internet geben”.

Das Internet ist wichtig für den freien Zugriff auf Informationen, die freie Meinungsäußerung und die wirtschaftliche Zukunft – das sagen in Europa und Nordamerika nur eine Minderheit, wie eine von Ipsos durchgeführte Untersuchung des Centre for International Governance Innovation (CIGI) zeigt (Grafik: Statista)
Das Internet ist wichtig für den freien Zugriff auf Informationen, die freie Meinungsäußerung und die wirtschaftliche Zukunft – das sagen in Europa und Nordamerika nur eine Minderheit, wie eine von Ipsos durchgeführte Untersuchung des Centre for International Governance Innovation (CIGI) zeigt. Ähnlich sehen es die Menschen in Asien und der Pazifikregion, wenngleich die wirtschaftliche Bedeutung hier von mehr Einwohnern hoch eingeschätzt wird (Grafik: Statista)

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Journalist, Chefredakteur von ITespresso.de. Sucht immer nach Möglichkeiten und Wegen, wie auch kleine Firmen vom rasanten Fortschritt in der IT profitieren können. Oder nach Geschäftsmodellen, die IT benutzen, um die Welt zu verbessern - wenigstens ein bisschen.

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