Strategiewechsel: Samsungs Tizen konkurriert künftig gegen Android One

MobileMobile OSSmartphone
tizen logo (Logo: Samsung)

Noch in diesem Jahr soll ein erstes Tizen-Smartphone in Indien auf den Markt kommen. Ähnlich wie Android-One-Geräte soll es weniger als 100 Dollar kosten. Offiziell fokussiert sich Samsung mit Tizen in Zukunft auf “mittlere und untere Preislagen”.

Samsung hat eine neue Strategie für das hauseigene Mobilbetriebssystem Tizen vorgestellt. Ursprünglich wollte es mit dem OS seine Abhängigkeit von Googles Android verringern. Quellen von News.com zufolge kommt jedoch noch 2014 ein erstes Tizen-Smartphone in Indien auf den Markt, das weniger als 100 Dollar kosten soll. Somit positioniert Samsung Tizen gegen das auf Entwicklungsländer ausgerichtete Android One.

tizen logo (Logo: Samsung)

“Wir konzentrieren uns lediglich auf die mittleren und unteren Preislagen”, erklärte Taesoon Jun, Chief Architect für Tizen bei Samsung, letzte Woche im Gespräch mit News.com auf Samsungs Entwicklerkonferenz in San Francisco. Über Juns Kommentar hinaus wollte Samsung seine Pläne für Tizen jedoch nicht kommentieren.

Tizen könnte den Koreanern nun helfen, sich gegen die Konkurrenz chinesischer und indischer Smartphonehersteller zur Wehr zu setzen. Bislang hatte das Unternehmen die beiden Märkte primär mit älteren sowie mit günstigeren Komponenten ausgestatteten Geräten aus seinem eigenen Portfolio beliefert. Zunächst ging diese Strategie auch auf, sodass Samsung in China und Indien zum größten Smartphonehersteller aufstieg. Neue Anbieter wie Xiaomi in China und Micromax in Indien offerieren mittlerweile aber besser ausgestattete Geräte zu geringeren Preisen. Aus diesem Grund haben sie inzwischen auch Samsungs Position als Marktführer übernommen.

Bei der Präsentation seiner Bilanz für das dritte Quartal hatte Samsung zudem zugegeben, dass die schlechten Resultate in aufstrebenden Märkten wie Indien und China zu einem Gewinnrückgang von 74 Prozent beigetragen haben. Es kündigte für diese Regionen qualitativ hochwertigere Telefone zu wettbewerbsfähigen Preisen an.

Google hat allerdings ebenso die Bedeutung von Entwicklungsländern erkannt und daher im Juni die 100-Dollar-Smartphone-Plattform Android One vorgestellt. Ihr Referenzdesign sieht einen 4,5 Zoll großen Screen, einen SD-Card-Slot, Dual-SIM-Unterstützung und ein Radio vor. Zunächst sollen die Geräte in Indien, später aber auch in anderen Ländern verfügbar sein. Überdies setzt Google mit Android One auf eine einheitliche Benutzererfahrung, die sicherstellen soll, dass Anwender Googles Dienste auch verwenden.

Ursprünglich sollte mit dem Samsung Z im dritten Quartal in Russland das erste Tizen-Smartphone in den Handel kommen. Im Juli stoppte das Unternehmen dann aber sein Vorhaben mit der Begründung, es seien noch Verbesserungen am Tizen-Ökosystem erforderlich. Auch Samsungs erster Anlauf in Japan war gescheitert, nachdem im Januar Japans größter Mobilfunk-Provider NTT Docomo seine Pläne für ein von Samsung produziertes Tizen-Gerät auf Eis gelegt hatte.

Ob Samsung jetzt tatsächlich sein erstes Tizen-Smartphone in Indien offeriert, bleibt abzuwarten. Samsungs Partner sind von einem schnellen Erfolg des neuen Mobilbetriebssystems jedenfalls nicht überzeugt. “Jeder ist ein wenig skeptisch”, sagte ein Entwickler, der schon früher mit Samsung kooperiert hat. “Sie versuchen das schon seit einiger Zeit – aber ohne Erfolg. Und Android One wird eine starke Konkurrenz sein.”

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen