Breitband: Netzbetreiber kündigen Praxistest von G.fast an

BreitbandNetzwerke
Breitband (Bild: Shutterstock / Ensuper)

Die Technologie G.fast basiert auf Kupferdoppeladern. Für den flächendeckenden Ausbau mit Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum hält sie der BREKO-Verband, in dem Telekom-Wettbewerber organisiert sind, daher nur für bedingt geeignet. Im Mittelpunkt des Tests steht die Erhöhung der Bandbreite über die Kupfer-Hausverkabelung.

Die im Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) organisierten Telekom-Wettbewerber wollen noch in diesem Jahr einen Praxistest der Übertragungstechnologie G.fast Angriff nehmen. Diese wurde von Alcatel-Lucent und Huawei entwickelt und basiert auf den meist schon vorhandenen Kupferdoppeladern – soll aber deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen.

Mit einer Mitte 2014 veröffentlichten Übersicht zeigt Alcatel-Lucent das aus seiner Sicht in G.fast steckende Potenzial auf (Grafik: Alcatel-Lucent).
Mit einer Mitte 2014 veröffentlichten Übersicht zeigte Alcatel-Lucent das aus seiner Sicht in G.fast steckende Potenzial auf (Grafik: Alcatel-Lucent).

Mitte 2013 hatte Alcatel-Lucent bekannt gegeben, dass damit im Feld bei weniger als 70 Metern Entfernung 1,1 GBit/s erreicht wurden, in Laborversuchen sogar 1,3 GBit/s. Bei einer Entfernung von 100 Metern überträgt die Technik unter idealen Bedingungen laut Alcatel-Lucent immerhin noch 700 MBit pro Sekunde, durchschnittlich könne im Feld mit 500 MBit pro Sekunde gerechnet werden. Die BREKO-Mitglieder wollen das nun zusammen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen in der Praxis überprüfen.

Die Deutsche Telekom hatte bereits im Februar Praxistests für G.fast geplant. Das bestätigte damals Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Deutschen Telekom, gegenüber der Wirtschaftswoche. Ziel seien Übertragungsraten von bis zu 500 MBit/s oder mehr.

Mitte Oktober hatte dann allerdings in Wien der Netzbetreiber A1 mit einem Test der Technologie begonnen. Er sieht sie als rasch implementierbare Brückentechnologie bis zur Einführung von “Glasfaser bis in die Wohnung”. A1 geht derzeit davon aus, dass sich in Wien rund 30.000 Gebäude mit mehr als 400.000 Haushalten für den Ausbau mit G.fast eignen. Mit einer der kommerziellen Verfügbarkeit des als Ultra-Breitband-Services bezeichneten Angebots ist jedoch auch dort erst 2016 zu rechnen.

Da G.fast sehr hohe Frequenzbereiche nutzt, ist es anfällig für Störeinflüsse. Daher muss mit Vectoring der Effekt des Übersprechens zwischen den verschiedenen Adern in einem Leitungsbündel minimiert werden. Die Technologie eignet sich daher nur für Strecken von maximal 250 Metern ab dem Einspeisepunkt. Entscheiden ist nun, wo dieser liegt – also ob am Hausanschluss oder einem speziellen Einspeisepunkt (dem sogenannten FTTdp – Fibre To The Distribution Point). Laut BREKO gibt es in Deutschland nur sehr wenige Distribution Points. Da diese für G.fast eigens errichtet werden müssten, geht ein Teil der Vorteile verloren. Unproblematisch ist es allerdings, G.fast zur Beschleunigung der Hausverkabelung zu nutzten.

Vergleich der Investitionskosten für unterschiedliche Breitbandtechnologien in einer Präsentation der Deutschen Telekom (Grafik: Deutsche Telekom)
Vergleich der Investitionskosten für unterschiedliche Breitbandtechnologien in einer Präsentation der Deutschen Telekom (Grafik: Deutsche Telekom).

BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers hält daher den Einsatz von G.fast per FTTdp für den flächendeckenden Ausbau mit schnellen Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum nur bedingt für sinnvoll. Dort sei es angebracht, die Glasfaser direkt bis in die Häuser zu verlegen. Aber: “Bis die Glasfaser direkt in jede Wohnung gelegt werden kann, stellt G.fast einen sinnvollen Weg dar, um Menschen und Unternehmen sehr hohe Bandbreiten zu wirtschaftlichen Konditionen zur Verfügung stellen zu können”, meint Albers.

Allerdings warnt der Verband davor, einzelnen Unternehmen exklusive Nutzungsrechte – etwa der Hausinfrastruktur – zur Verwendung des kommenden Standards einzuräumen. Technologiebedingt kann G.fast durch die Koppelung mit Vectoring immer nur von einem Unternehmen zwischen Einspeisepunkt und Endkunde eingesetzt werden. “Es muss von vorne herein sichergestellt werden, dass G.fast von allen Netzbetreibern zu fairen und chancengleichen Bedingungen eingesetzt werden kann. Quasi-Monopole darf es im Jahr 15 der TK-Liberalisierung nicht mehr geben”, sagt BREKO-Vizepräsident und Versatel-Chef Johannes Pruchnow in einer Pressemitteilung.


In Wien wurde von A1 auf Basis von Technologie von Alcatel-Lucent vor kurzem der nach Angaben der Projektpartner weltweit erste Kunde mit G.fast auf Basis von Kupferleitungen mit Datenraten von mehreren hundert MBit/s versorgt.


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