BBC will Liste mit von Google aus den Suchtreffern gelöschten Links veröffentlichen

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Der britische Fernsehsender will sie in den kommenden Wochen auf seiner Website zugänglich machen. Ihm zufolge hat Google aufgrund von Anträgen dort erwähnter Personen 46 Links zu Berichten der BBC aus den Ergebnislisten entfernt. Die BBC kritisiert das derzeitige Verfahren und fordert eine formelle Einspruchsmöglichkeit der Website-Betreiber.

Die BBC will auf ihrer Website eine Liste mit Links zu Artikeln veröffentlichen, die von Google aufgrund des EuGH-Urteils vom Mai aus den Trefferlisten seiner Suche entfernt wurden. Das kündigte David Jordan, Editorial Policy Head bei der BBC, auf einer Veranstaltung von Google an. Die Liste soll zudem bei Bedarf regelmäßig aktualisiert werden.

Die BBC will eine Liste mit den von Google aus den Suchtreffern gelöschten Links veröffentlichen (Bild: Shutterstock / Sergign).

Mit der Liste will die BBC nach eigenen Angaben das öffentliche “Recht auf Erinnern” betonen. Bisher löschte Google in Europa 46 BBC-Artikel in seinen Suchresultaten, teilt der britische Fernsehsender mit. Google informiert Betreiber einer von einer Löschung betroffenen Website. Die BBC will die zugehörigen Artikel aber nicht neu veröffentlichen und in der Liste auch keine Informationen über Antragsteller aufführen.

Jordan zufolge sind einige Löschentscheidungen strittig. Er nannte einen Beitrag über einen Gerichtsprozess gegen Mitglieder der als terroristisch eingestuften Real Irish Republican Army als Beispiel. Zwei der Beklagten seien später verurteilt worden, der Bericht aber nicht mehr in Googles Suchresultaten enthalten. “Es erscheint uns schwierig, dies angesichts des öffentlichen Interesses zu rechtfertigen”, sagte Jordan.

Er forderte daher auch ein formelles Einspruchsverfahren. Google müsse betroffenen Websites zudem mehr Informationen zur Verfügung stellen, darunter die Identität des Antragstellers – allerdings unter der Auflage, diese Information vertraulich zu behandeln. Derzeit müssen Antragsteller eine Kopie eines Lichtbildausweises zur Verfügung stellen, um einen Missbrauch zu vermeiden.

Im Mai hatte der Europäische Gerichtshof der Klage eines spanischen Nutzers stattgegeben. Google und andere Suchmaschinen in Europa müssen seitdem unter bestimmten Umständen personenbezogene Ergebnisse löschen. Nutzer können beispielsweise die Entfernung von Links zu irrelevanten und falschen Informationen über sie verlangen.

Google veranstaltet derzeit in mehreren europäischen Großstädten Anhörungen, um mit Experten und generell Interessierten über die Umsetzung des EuGH-Urteils zu diskutieren. Dem Treffen in London gingen Veranstaltungen in Rom, Paris, Warschau und Berlin voraus. Die letzte Anhörung findet am 4. November in Brüssel statt.

Mitte Oktober hatte Google mitgeteilt, dass seit dem 29. Mai 144.954 Löschanträge eingegangen seien. Sie betreffen insgesamt 497.695 Webadressen. Die meisten Ersuchen erhielt Google aus Frankreich (28.912), gefolgt von Deutschland (24.979) und Großbritannien (18.304). Europaweit kam der Internetkonzern eigenen Angaben zufolge in 41,8 Prozent der vollständig bearbeiteten Fälle den Anträgen nach und entfernte damit 170.706 URLs aus seinen Suchresultaten.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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