Desktop-Roboter, Hologramme und Geräte-Implantate im Büro der Zukunft

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Carsten Bruhn,Ricoh Europe

Wir haben schon die Techniken, müssen aber nur noch herausfinden, was wir für das Büro der Zukunft implementieren sollen. Das meint Carsten Bruhn, Executive Vice President für Commercial Operations bei Ricoh Europe. Im Expertenbeitrag erklärt er, wie er sich das genau vorstellt.

Das World Wide Web ist bereits 25 Jahre alt, und es ist mittlerweile fast nicht mehr zu verstehen, wie unser Arbeitsleben ohne Internet, E-Mail und vernetzte Systeme wäre. Wer hätte sich 1889 ein Gerät vorstellen können, das man in die Tasche stecken kann und das genutzt wird, um Nachrichten von Kollegen zu lesen, Dokumente mit weltweit verteilten Teams zu teilen und zu editieren und einen weltweiten Informationsreichtum zu allen möglichen Themen abzurufen?

Carsten Bruhn, Ricoh Europe
“Unternehmen müssen alte Technik wegwerfen und Innovationen annehmen”, meint Ricoh-Manager Carsten Bruhn.
Es ist unwahrscheinlich, dass etwas mit so gigantischen Folgen wie das Internet bald wieder geschieht. Aber welche technologischen Innovationen werden die nächsten 25 Jahre den Arbeitsplatz verändern?

Das interessierte auch Ricoh Europe, und daher befragte man Angestellte aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Branchen, unter anderem aus dem Bereich Finanzen, dem Gesundheitwesen, der Bildung und öffentlichen Einrichtungen – und fand dabei heraus, welche hochentwickelten Techniken die Art zu arbeiten drastisch ändern könnten.

Die Studie brachte einige interessante Aspekte zutage, wie sich Angestellte ihre weiter technisierten Arbeitsplätze künftig vorstellen. Demnach nimmt die Mehrheit bereitwillig Entwicklungen wie Augmented Reality, Roboter und Drohnen an.

Natürlich ist es schwieriger vorherzusagen, wie Unternehmen mit diesen Neuerungen umgehen. Doch bedenkt man, wie viele aufkommende Innovationen sich im Markt tummeln, werden einige sicher in der Lage sein, die Arbeitsweise im Geschäftsleben zu verändern.

Roboter und Künstliche Intelligenz

Robots + AI

Kognitive Maschinen, die den Turing-Test bestehen, standen schon lange als erster Schritt für kommerziele Anwendungen auf Basis von Maschinen-Intelligenz zur Debatte. Der Test prüft, ob ein Gerät so intelligente Entscheidungen wie ein Mensch treffen kann. Solche Technologien können mit Robotern zusammengeführt werden, um menschliche Tätigkeiten und menschliches Wissen zu erweitern.

So könnte etwa ein Doktor mit Hilfe eines virtuellen Assistenten Diagnosen und Behandlungs-Empfehlungen erstellen. Grundlage dafür ist das eingespeicherte Wissen aus Medizinbüchern und die Beobachtung, was Ärzte daraus schlussfolgern. Aus der KI entwickelt sich Kognitives Computing, das sprechen, lernen und agieren kann wie ein Mensch. Potenzielle Anwendungen am Arbeitsplatz können darauf aufbauen. So lassen sich etwa IT-Heldesks und Kundenservice vollkommen automatisieren.

Wearable Computing

Die Ära der intelligenten Accessoires beginnt gerade erst. Mobiltelefone und Tablets werden durch tragbare Techniken wie Smartwatches ersetzt. Mitterweile wurden Augmented-Reality-Brillen erfolgreich getestet, man redet bereits über “Smartrings” wie die ständig mit dem Netz verbundenen Fingerringe von Mota, und die Prognose der Analystin Mary Meeker, dass künftig zwei Drittel der Mobil-Anwendungen über “wearable devices” durchgeführt werden, ist nicht so weit hergeholt. Durch Nanotechnlogie könnten künftig Geräte implantiert werden und solche Tätigkeiten wie “Direct-to-brain Downloads” einläuten.

Hologramme

Obi Wan Kenobi Hologramm (Bild: Techweek Europe)

Schon in den Siebziger Jahren hatte Star Wars die Verwendung holografischer Nachrichten vorhergesehen. Die tatsächliche Nutzung ist nun verlockend nah an der Realität. Im britischen Ort Brent wurden 12.000 Pfund (über 15.000 Euro) in den virtuellen Assistenten “Shanice” investiert, der an der Rezeption sitzt. Auch, wenn dies noch kein echtes Hologramm ist, zeigt die Projektion schon jetzt, wie Arbeitsplätze von holografischen Assistenten profitieren können.

Wenn das mit einer fortgeschrittenen, interaktiven Oberfläche verbunden wird (wie sie derzeit in Enticklung ist), könnten Holografie und Augmented Reality gemeinsam dazu beitragen, dass zum Beispiel Kollegen von einem anderen Arbeitsplatz aus zusammen mit Dateneinblendungen so dargestellt werden. Erweiterte” Face-to-Face-Meetings wie Vorstandssitzungen könnten so stattfinden, ohne dass jemand seinen Arbeitsplatz verlassen muss.

Evolution des Büros

Die Entwicklung eines Büros, das mehr nach zuhause oder eher wie ein Urlaubsort aussieht – wie einige Technik-Start-ups dies schon praktizieren – wird als Konzept immer populärer. Manche Organisationen bauen jetzt schon Arbeitslätze so, dass Angestellte gerne mehr Zeit im Büro verbringen. Die Verbindung von Arbeits- mit Freizeit-Aktivitäten soll die Produktivtät erhöhen.

Die Idee des gemeinsamen Arbeitens könnte sich von der physischen zur digitalen Zusammenarbeit wandeln. Die zeitintensiven, langwierigen Arbeiten übernehmen die virtuellen Kollegen; “Wearables”, Hologramme und andere technische Fortschritte machen Arbeit zum Teil des normalen Lebens.

Am Ende wird der Arbeitsplatz der Zukunft vielleicht gar kein Büro mehr sein. Seit Eimbruch des neuen Jahrtausends haben bereits viele Menschen zu flexibleren und mobileren Arbeitsmodellen gefunden, was letztendlich zu einer Reduzierung des benötigten Büroraums führte.

Das zeigt, dass Organisationen ihre traditionellen Arbeitsmodelle prüfen und verändern müssen, um einen agileren Weg zur Einführung und Nutzung von digitalen Innovationen zu finden. Wichtige Teile des Veränderungspozesses sind die laufende Anpassung von Geschäftsprozessen und das Auswechseln alter Technik durch neue, fortgeschrittenere Systeme.

Der Autor

Carsten Bruhn arbeitet bei Ricoh Europe in London als Executive Vice President für Commercial Operations. Dieser Beitrag ist eine Übersetzung seines zuerst bei TechweekEurope erschienenen Artikels.