Externer Speicher: Angelbird SSD2go Pocket im Test

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Angelbird SSD2go Pocket (Bild: Angelbird )

Als externe Speicher tun sich Solid State Drives noch schwer. Die Gründe dafür sind der hohe Preis und die vergleichsweise schlechte Performance. Der Anbieter Angelbird möchte diese Nachteile mit seiner SSD2go Pocket beseitigen. ITespresso hat die USB-SSD aus Österreich einem Test unterzogen.

Interne SSDs verhelfen fast jedem Computer zu einem echten Leistungssprung und setzen sich daher immer mehr durch. Als externe Speicher haben sie aber wegen des vergleichsweise hohen Preises und der im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten schlechten Performance noch wenig Freunde. Das Unternehmen Angelbird aus Lustenau in Österreich geht diese Probleme mit der USB-SSD SSD2go “Pocket” nun an.

Angelbird SSD2go Pocket (Bild: Angelbird)

Der Namenszusatz “Pocket” kommt nicht von ungefähr: Der externe Speicher misst gerade einmal 8,8 x 7 x 1 Zentimeter und wiegt lediglich 90 Gramm. Damit passt die SSD2go tatsächlich in jede Hosentasche. Noch überzeugender fanden wir im Test allerdings die Verarbeitung des Gehäuses, das den Transport in Aktentaschen, Rücksäcken und Koffern mühelos überstehen dürfte.

Sehr robuste Bauweise

Angelbird spricht in Bezug af das Gehäuse von “CNC-bearbeitetem Aluminium, das von Hand perlgestrahlt und hart eloxiert ist”. Was sich zunächst nach markigen Werbesprüchen anhört, sorgt tatsächlich für ein sehr robustes Äußeres. Hinzu kommt, dass eine SSD im Gegensatz zu einem herkömmlichen Laufwerk mit Magnetscheiben (HDD) generell weniger anfällig für Stöße, Stürze und dergleichen ist. Da der Flash-Speicher im Inneren ohne bewegliche Bauteile auskommt, kann ganz einfach weniger kaputt gehen.

Wem schon einmal eine Festplatte im laufenden Betrieb vom Schreibtisch gefallen ist, kann sicher ein Lied von Datenverlust singen. Diese Gefahr ist natürlich auch bei einer SSD nicht gebannt, aber doch deutlich kleiner. Das zeigt auch der Extremtest, den dieses Video auf YouTube zeigt. Mitarbeiter von Angelbird malträtieren darin ein Exemplar der SSD2go – dennoch bleiben die Daten auf dem Speicher lesbar.

Dazu passt auch der USB-Anschluss, der nicht direkt am Gehäuserand liegt, sondern leicht nach innen versetzt ist. Das bietet einen zusätzlichen Schutz für die freiliegenden Kontakte. Außerdem hat der Hersteller sich für eine USB-Buchse des Typs A und nicht für einen Micro-B-Anschluss entschieden, der bei vielen externen USB-3.0-Speichern zum Einsatz kommt. Der einfache Grund: Ein Typ-A-Stecker ist robuster gebaut und lässt sich im Schnitt viel öfter an- und abstecken, ohne Schaden zu nehmen. Eine separate Stromversorgung benötigt die SSD2go pocket nicht, sie wird über das mitgelieferte USB-Kabel versorgt, das mit rund 30 Zentimetern allerdings nicht besonders lang ist.

Angelbird SSD2go Pocket (Bild: Angelbird)

Langlebige Festplatte

Angelbird gibt eine mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (MTBF = Mean Time Between Failures) von zwei Millionen Stunden sowie einen TBW-Wert (Total Bytes Written) von 1048 Terabyte an. Anwender müssten die Festplatte also 2096-mal komplett mit Daten befüllen, um das Gerät zu verschleißen.

Bei diesen Angaben handelt es sich natürlich um geschätzte beziehungsweise statistisch ermittelte Werte, die aber im Vergleich extrem hoch sind – das spricht für die Haltbarkeit der SSD2go Pocket. Für die Verarbeitungsqualität spricht ebenso, dass der Hersteller einen Temperaturbereich von minus 20 bis plus 70 Grad Celsius angibt, in dem die SSD problemlos genutzt werden kann. Zudem sollen die abgespeicherten Daten zwischen minus 40 und plus 85 Grad Celsius unbeschädigt bleiben.

USB Attached SCSI sorgt für Leistung

Die SSD2go Pocket ist natürlich nicht die erste USB-SSD, allerdings eine der wenigen, die in Sachen Leistung annährend mit internen SSDs mithalten kann. In der Regel sind externe SSD-Speicher deutlich langsamer als ihre internen Kollegen, was vor allem am Interface liegt. Gegen SATA (intern) zieht USB 3.0 (extern) – oder besser gesagt: der USB-Controller – meist den Kürzeren. Wo SSDs an einem SATA-3-Anschluss Lese- und Schreibraten weit jenseits der 500 MByte/s erreichen, krebsen USB-SSDs oft bei maximal 300 MByte/s herum.

Nicht so das neue Modell von Angelbird. Die verwendeten Flash-Bausteine von Micron (16 Nanometer) und der 2246EN-Controller von Silicon Motion scheinen ein gutes Gespann abzugeben. Der eigentliche Grund für die gute Performance des Testgeräts (mehr dazu weiter unten) liegt allerdings im USB Attached SCSI (UAS), einem Protokoll, das im Vergleich zum Standardprotokoll von USB 3.0 (USB Mass Storage = UMS) einen wesentlich höheren Datendurchsatz erlaubt.

Technisch gesehen rückt eine USB-SSD damit näher an eine SATA-SSD heran . Nachteil: Sowohl Betriebssystem als auch Mainboard müssen UAS unterstützen, andernfalls kommt das alte USB-Protokoll zum Einsatz und die Übertragungsraten liegen bei den oben genannten Werten.

Testergebnisse

Den Test des 512-GByte-Modells mit dem Benchmark-Tool AS SSD führten wir sowohl unter Windows 8 mit UAS-Unterstützung als auch unter Windows 7 mit UMS-Protokoll aus. Das verdeutlicht die Unterschiede beider Protokolle. So kamen wir im UAS-Modus auf sequentielle Lese- und Schreibraten von 414 beziehungsweise 373 MByte/s, während es im UMS-Modus lediglich zu 241 respektive 202 MByte/s reichte.

Die übrigen Werte unterscheiden sich hingegen kaum voneinander. Sowohl mit als auch ohne UAS erreichte die SSD2go Pocket 4K-Lese- und Schreibraten von etwa 18 beziehungsweise 40 MByte/s und Zugriffszeiten von rund 0,1 Millisekunden (lesend und schreibend). Gerade die Ergebnisse beim sequentiellen Lesen und Schreiben zeigen deutlich die Unterschiede zwischen einer USB-SSD mit und ohne USB Attached SCSI. Gute interne SSDs liegen zwar nochmals je gut 100 MByte/s darüber, doch Mitteklassemodellen kommt dervTestkandidat schon recht nahe. Das gilt ebenso für Zugriffszeiten und die 4K-Lese- und Schreibraten, die einen praxisnahen Test simulieren. Zur Einordnung: Auch die Ergebnisse aus dem UMS-Test gehören mit zum Besten und liegen deutlich über denen herkömmlicher USB-Festplatten.

Weil die SSD2go Pocket trotz USB-Anschluss ähnlich flott unterwegs ist wie eine interne SSD, eignet sie sich auch bestens, um beispielsweise Programm oder gar Betriebssysteme von ihr zu starten – vorausgesetzt natürlich, der Anwender nutzt sie an einem Computer mit UAS-Unterstützung. Angelbird liefert mit System Reflection die Vollversion einer Backup-Software mit, die nicht nur Dateien, sondern auch das komplette Betriebssystem auf einer externen Festplatte sichert.

Fazit

Robust und wahnsinnig schnell – das sind die Argumente, die für die SSD2go Pocket von Angelbird sprechen. Dagegen spricht die Tatsache, dass man für die volle Performance einen Computer braucht, der das Protokoll USB Attached SCSI unterstützt. Erst damit erreicht die USB-SSD die volle Leistung. Allerdings ist sie auch mit dem Standardprotokoll an jedem USB-3.0-Port schon vergleichsweise schnell.

Die Kosten liegen mit rund 170, 240 und 400 Euro für die 128-, 256- und 512-GByte-Variante deutlich über denen von internen SSDs bzw. externen USB-HDDs. Das ist eben der Preis, den Nutzer für eine externe SSD mit derart hoher Performance und erstklassiger Verarbeitung zahlen müssen.

Testurteil SSD2go Pocket

ITespresso Testurteil sehr gut

Hersteller: Angelbird
Internet: www.angelbird.com
Preis: ca. 170 Euro (128 GByte), 240 Euro (256 GByte), 400 Euro (512 GByte)

Note: sehr gut (1,25)

Leistung (50 Prozent): sehr gut
Funktionsumfang (30 Prozent): sehr gut
Bedienung (15 Prozent): gut
Dokumentation (5 Prozent): befriedigend