Rocket Internet bestätigt Pläne für einen Börsengang

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Rocket Internet Logo (Bild: Rocket Internet)

Der Berliner Inkubator bestätigt damit die seit Wochen umlaufenden Gerüchte. Ihnen hatte Rocket Internet mit mehreren vorbereitenden Transaktionen immer wieder neue Nahrung gegeben – aber stets nicht kommentiert. Experten kritisieren, dass die Firma sich “nur” im Frankfurter Entry Standard notieren lassen will.

Rocket Internet hat nun bestätigt, noch in diesem Jahr den Gang an die Börse wagen zu wollen. Anders als bei dem ebenfalls von den Samwer-Brüdern gegründeten Internetkaufhaus Zalando, dass sie ebenfalls noch 2014 an die Börse bringen wollen, soll Rocket Internet jedoch nicht im Prime-Standard, sondern im unregulierten Frankfurter Entry Standard notiert werden.

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Ziel ist es, mit dem IPO rund 750 Millionen Euro einzusammeln. Dafür sollen rund 15 Prozent der Anteile platziert werden. Ähnlich sieht das auch beim geplanten Börsengang von Zalando aus. Möglicherweise könnte der Handel mit dem Papier in etwa vier Wochen starten. Der IPO von Zalando gilt als der größte Börsengang in Deutschland seit dem Platzen der New-Economy-Blase 2000. Rocket Internet spielt in etwa der gleichen Liga.

Treibende Kräfte bei Rocket Internet sind die drei Brüder Oliver, Alexander und Marc Samwer. Größter Anteilseigner ist mit 52,3 Prozent die Global Founders GmbH. Sie wurde im März 2013 von Oliver Samwer und der Lieferheld-Gründer Fabian Siegel gegründet. Daneben ist die schwedische Investment AB Kinnevik mit 18,1 Prozent engagiert, die auch an Zalando beteiligt ist.

Drittgrößter Anteilseigner ist die mit 10,4 Prozent United Internet. Und schließlich ist nach einer Art Tauschgeschäft, das vor kurzem abgewickelt wurde, auch Holtzbrinck Ventures mit 2,5 Prozent an Rocket Internet beteiligt. Das Unternehmen bekam im August für seine Anteile an mehreren Gründungen von Rocket Internet Anteile an dem Inkubator.

Rocket Internet ist eine Holding aus verschiedenen Internet-Unternehmen, die überwiegend im E-Commerce in unterschiedlichen Ländern aktiv sind – wobei das Unternehmen bewusst einen Bogen die USA und China macht. Das Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, funktionierende Business-Modelle zu identifizieren, dann mit Hilfe von internen Ressourcen und Know-How ein standardisiertes Unternehmen aufzubauen, und dieses schließlich zum Marktführer in den entsprechenden Marktsegmenten zu machen.

Dieses Vorgehen wurde kürzlich in der ZDF-Sendung Frontal21 heftig kritisiert. Dem Unternehemn wurde darin zu wenig Innovationskraft sowie in Märkten wie der Türkei und Afrika ein übermäßig aggressives Verhalten gegenüber Konkurrenten vorgeworfen. Außerdem kritisierte zum Beispiel Wirtschaftswissenschaftler Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen den damals nur gerüchteweise kursierenden Plan, das Unternehmen an den offen Markt zu bringen. Hickel bezeichnete ihn als ein “ganz schlechtes Beispiel dafür, auf seriöser Basis Kapital für das Unternehmen zu gewinnen”. Hickel weiter: “Gerade bei einem Unternehmen, dessen Geschäftsgeheimnis geradezu darin besteht, extrem geheimnisvoll zu sein, muss eigentlich gerade beim Börsengang mehr auf den Tisch gelegt werden.”

In einer vom Wall Street Journal erstellten Liste der höchstbewerteten Start-ups findet sich auf Platz acht mit Zalando auch ein deutsches Unternehmen. Der Modeversand wurde bei der letzten Finanzierungsrunde mit 4,9 Milliarden Dollar bewertet. Der zweite europäische Vertreter - Spotify - folgt mit einem geschätzten Wert von 4 Milliarden Dollar auf Platz 11 (Grafik: Statista).
In einer vom Wall Street Journal erstellten Liste der höchstbewerteten Start-ups findet sich auf Platz acht mit Zalando auch ein deutsches Unternehmen. Der Modeversand wurde bei der letzten Finanzierungsrunde mit 4,9 Milliarden Dollar bewertet. Der zweite europäische Vertreter – Spotify – folgt mit einem geschätzten Wert von 4 Milliarden Dollar auf Platz 11 (Grafik: Statista).

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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