Google droht Kartellverfahren wegen Android

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Android Logo (Bild: Google)

Die EU will einen möglichen Missbrauch von Googles Vormachtstellung im Mobilbetriebssystemmarkt untersuchen. Bereits zum dritten Mal erhalten Partner des Suchmaschinenkonzerns Fragebögen. Nun sammelt die EU Informationen über Googles Vorgaben ab dem Jahr 2007.

Offenbar bereitet die Europäische Kommission ein neues Ermittlungsverfahren gegen Google vor. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Verfahren soll sich gegen Googles Geschäftspraktiken in Bezug auf sein Mobilbetriebssystem Android richten. Demnach will die EU eine Untersuchung beginnen, ob der Internetkonzern den Marktanteil von Android von 80 Prozent nutzt, um die Verbreitung seiner Dienste wie Maps zu erhöhen.

Android One: Google zeigt Plattform für ein 100-Dollar-SmartphoneDie Grundlagen für ein weiteres Kartellverfahren könnte den Quellen von Reuters zufolge der neue Wettbewerbskommissar schaffen. Dieser tritt sein Amt im November an. Die EU habe in den vergangenen Wochen erneut Fragebögen an Unternehmen versandt, um weitere Details über Googles Verträge mit seinen Partnern zu erhalten. Dies hatte sie bereits 2011 und 2013 getan.

Unter anderem will die EU von den Firmen wissen, ob und inwieweit Google vorschreibt, bestimmte Apps, Produkte oder Dienste, die mit Angeboten des Konzerns im Wettbewerb stehen, auf ihren Geräten nicht vorzuinstallieren. Als Beispiele nennt Reuters die Suchmaschine, den App Store und die Kartenanwendung Maps. Der Agentur liegt ein Fragebogen vor.

Die angesprochenen Firmen sollen nun E-Mails, Faxe, Brief, Telefonnotizen und Besprechungsprotokolle ab dem Jahr 2007 vorlegen, die sich auf Absprachen mit Google beziehen. Reuters vermutet, dass die EU prüfen will, ob Googles Vorgehen langfristig geplant war. Die Partner hätten bis Anfang September Zeit, die rund 40 Fragen zu beantworten.

Die Open-Source-Version von Android steht Gerätehersteller jederzeit zur Verfügung. Allerdings müssen sie für die Verwendung der aktuellsten Android-Version einen Vertrag unterzeichnen, der sie zur Installation einer Mindestzahl von Google-Diensten verpflichte, berichtet Reuters unter Berufung auf einen ehemaligen Google Manager.

“Jeder kann Android ohne Google nutzen und jeder kann Google ohne Android nutzen”, heißt es in einer Stellungnahme des Internetkonzerns. “Die US-Federal Trade Commission und die koreanische Fair Trade Commission haben Googles Android-Verträge detailliert geprüft und keine rechtlichen Bedenken festgestellt.”

Google und die EU hatten sich im Februar auf eine vorläufige Einigung im Streit um seine Stellung im Suchmarkt geeinigt. Die Konkurrenten des Konzerns kritisierten diese aber heftig. Medienberichten zufolge könnte der Nachfolger von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia die Untersuchung wieder aufnehmen und einige der im Februar vereinbarten Bedingungen revidieren.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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