Karlsruher Wissenschaftler kündigen Online-Kurs gegen Prokrastination an

JobsKarriere
Karlsruher Wissenschaftler kündigen für August einen Online-Kurs gegen Prokrastination an (Screenshot: ITespresso bei Youtube).

Statt unangenehme oder kompliziert erscheinende Tätigkeiten sofort zu erledigen, beschäftigen viele Menschen sich lieber mit vermeintlich vordringlicheren Dingen. Das auch als Prokrastination bezeichnete Verhalten ist im Kleinen und im privaten Umfeld meist harmlos, kann aber als Gewohnheit und im Beruf schlimme Folgen haben. Ein Online-Kurs für besseres Selbst- und Zeitmanagement soll Abhilfe schaffen.

Wissenschaftler des Lehrstuhl für Angewandte Psychologie sowie des Fernstudienzentrums des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben einen videobasierenden Online-Kurs für besseres Selbst- und Zeitmanagement entwickelt. Er steht ab August auf der Plattform Iversity kostenlos zur Verfügung und soll Menschen helfen, sich mit dem Phänomen des Aufschiebens von wichtigen, aber tatsächlich oder auch nur vermeintlich schwierigen und unangenehmen Aufgaben – auch als Prokrastination bekannt – auseinanderzusetzen und es womöglich zu überwinden.

Karlsruher Wissenschaftler kündigen für August einen Online-Kurs gegen Prokrastination an (Screenshot: ITespresso bei Youtube).
Karlsruher Wissenschaftler kündigen für August einen Online-Kurs gegen Prokrastination an (Screenshot: ITespresso bei Youtube).

“Bei einigen Menschen nimmt das Aufschieben ein solches Ausmaß an, dass man von einem chronischen Verhalten sprechen kann; es entsteht ein erheblicher Leidensdruck und es drohen beträchtliche negative Folgen wie das Scheitern in Studium oder Beruf”, erklärt die Pädagogin Eliane Dominok, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Angewandte Psychologie des KIT, in einer Pressmitteilung. Allerdings erachteten sowohl Betroffene als auch deren Umfeld fortwährendes Aufschieben häufig einfach als Mangel an Selbstdisziplin oder sogar als Faulheit.

Dem widerspricht Dominok jedoch: “Tatsächlich handelt es sich um eine ernsthafte Arbeitsstörung und ein schwerwiegendes Problem der Selbstregulation.” Chronisches Aufschieben beeinträchtige das psychische Wohlbefinden und könne sogar zur Ursache für andere psychische Belastungen und Symptome werden. Und das Problem verstärkt sich durch den technologischen Wandel in der Arbeitswselt noch: “Im Arbeitsleben gibt es zunehmend einen größeren Freiraum seine Arbeit zu erledigen und damit mehr Gelegenheit sie aufzuschieben”, sagt die Pädagogin.

Studenten des KIT können bisher bereits in Präsenzkursen Strategien gegen das Aufschieben lernen. Aus der Tatsache, dass diese Seminare regelmäßig überbucht sind haben nun die Macher die Konsequenz gezogen: Mit dem erstmals angebotenen Online-Kurs “MOOCen gegen chronisches Aufschieben” können sowohl die Studierenden als auch interessierten Internetnutzer ihren Informationsbedarf zum Thema decken.

Der “Massive Open Online Course” (MOOC) gegen “Aufschieberitis” bietet Teilnehmer zusätzlich zur reinen Informationsvermittlung auch Unterstützung dabei, über das eigene Verhalten nachzudenken und es positiv zu verändern. Sie lernen etwa unterschiedliche Strategien kennen, die ihnen helfen, Ziele im Auge zu behalten, realistisch zu planen, pünktlich zu beginnen, ihren Arbeitsplatz ablenkungsarm zu gestalten und sich selbst zu motivieren.

Der Kurs beginnt am 11. August. Ab dann wird elf Wochen lang wöchentlich ein Kapitel freigeschaltet. Diese bestehen aus mehreren jeweils etwa fünf- bis zehnminütigen Lehrvideos, die durch Quizfragen, Grafiken und Beispiele ergänzt werden. Zwischen den Kursen bekommen die Teilnehmer Wochenaufgaben gestellt.

Online-Foren auf der Plattform Iversity ermöglichen Kommunikation und Austausch zwischen den Teilnehmern, anonymisierte Online-Befragungen zu Beginn und Ende des Kursangebots erlauben ihnen eine gründliche Auswertung hinsichtlich ihrer individuellen Ausprägung des Aufschiebeverhaltens und ermöglichen es ihnen, Verbesserungen von Symptomen empirisch nachzuweisen.



Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen