Smart Home: Verbraucher haben noch erhebliche Sicherheitsbedenken

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Verbraucher haben noch erhebliche Sicherheitsbedenken beim Smart Home (Bild: Shutterstock / Vladru)

Der Sicherheitsanbieter Fortinet hat Hauseigentümer aus elf Ländern zu Connected Home und dem Internet of Things befragt. Den Umfrageergebnissen zufolge sind deutsche Verbraucher zwar grundsätzlich bereit, für die erforderliche Technik zu bezahlen, sehen aber Probleme bei Sicherheit und Datenschutz. Außerdem ist ihnen ein Großteil der Angebote noch zu teuer.

Hausbesitzer sind am Connected Home sehr interessiert und erwarten in diesem Bereich in den nächsten fünf Jahren rasche Fortschritte – zeigen sich aber in Hinblick auf Datenschutz, Sicherheit und Preispunkten derzeit noch skeptisch, so das Gesamtergebnis einer im Juni 2014 abgeschlossenen Umfrage und über 1800 technisch versierten Hauseigentümern in elf Ländern im Auftrag des Sichereheitsanbieters Fortinet. 61 Prozent der Befragten glaubt, dass das das vernetzte Zuhause, in dem Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik mit dem Internet verbunden sind, in den nächsten fünf Jahren “sehr wahrscheinlich” Einzug halten wird. Während allerdings in China der Wert in dieser Kategorie bei 85 Prozent liegt, sind es in Deutschland nur 57 Prozent.

Verbraucher haben beim Connected Home noch erhebliche Sicherheitsbedenken (Bild: Shutterstock/Vladru).

Im weltweiten Durchschnitt liegen deutsche Umfrageteilnehmer dagegen erstaunlicherweise bei den Sicherheitsbedenken: Mit 70 Prozent gab ein nahezu ebenso hoher Anteil wie bei den weltweit Befragten (69 Prozent) an, sie seien “sehr besorgt” oder “etwas besorgt”. Gefahren für die eigene Privatsphäre durch das Connected Home sieht mit 55 Prozent ein etwas kleinerer Anteil der Befragten. In dieser Hinsicht sind die Umfrageteilnehmer in Indien (63 Prozent) am misstrauischsten, in Deutschland teilten 51 Prozent der Befragten diese Ansicht.

Sofern sie herausfinden würden, dass ein vernetztes Heimgerät heimlich Informationen über sie sammelt und weitergibt würden in Deutschland 61 Prozent der Befragten. “sofort Konsequenzen ziehen”. Allerdings wären gut 35 Prozent der Befragten bereit, Personen oder Organisationen die Erlaubnis zu erteilen, von den vernetzten Hausgeräten gesammelte Daten zu nutzen. Aus Sicht vieler Betreiber dürfte dieser Anteil dennoch viel zu gering sein: Schließlich hoffen zum Beispiel die Energieversorger ja, ihre Kapazitäten und die Steuerung ihrer Netze durch Informationen aus den Haushalten zu optimieren. Falls dabei aber nur gut ein Drittel der Haushalte mitmacht, dürfte dies nicht in vollem Umfang gelingen.

Gerätehersteller oder Internetdienstleister, die ebenfalls in dem Feld mitspielen wollen, können ihre Pläne dagegen schon wieder in die Tonne treten – oder müssen noch viel Überzeugungsarbeit bei den Verbrauchern leisten: Derzeit wollen jedenfalls nur 17 Prozent der in Deutschland Befragten dieser Gruppe Zugriff auf Geräte im vernetzten Heim erlauben. Dass den Umgang mit den Daten der Staat regeln sollte, fordern weltweit 41 Prozent der Befragten, in Deutschland sind dagegen nur 26 Prozent dafür.

Widersprüchlich wird es dann bei der Frage, wer die Systemsicherheit gewährleisten soll. Nach Ansicht von 54 Prozent der in Deutschland Befragten sind die Gerätehersteller in der Sicherheitsverantwortung, lediglich 25 Prozent sehen die Verantwortung bei sich selbst. Nicht nachgegangen ist die Umfrage der Frage, wie die Hersteller ohne Zugriff auf die Geräte für die Sicherheit sorgen sollen – womöglich auch deshalb, weil natürlich Fortinet hier einen ausgezeichneten Einsatzzweck für seine Netzwerksicherheitsprodukte sieht.

"Lass meinen Router in Ruhe, aber sorge für dessen Sicherheit" - so die widersprüchliche Einstellung vieler Verbraucher beim Thema Sicherheit im Connected Home (Bild: Shutterstock / Zsolt Biczo).
“Lass meinen Router in Ruhe, aber sorge für dessen Sicherheit” – so die widersprüchliche Einstellung vieler Verbraucher beim Thema Sicherheit im Connected Home (Bild: Shutterstock/Zsolt Biczo).

Insgesamt korrespondiert dieses Ergebnis aber mit Erfahrungswerten, die Hersteller von DSL-Routern haben. In der Diskussion um die 2013 und im Frühjahr 2014 entdeckten Sicherheitslücken in ihren Routern kristallisierte sich als Problem heraus, dass es für derartige Router keine automatischen Updates gibt oder Nutzer sich zumindest in ihre Router einloggen müssten, um die Aktualisierungen anzuwenden.

Viele Anwender behandeln dagegen ihren WLAN-Router als ein Gerät, das nach der Ersteinrichtung keiner Wartung mehr bedarf- oder hüten sich es anzufassen, um nicht die mühsam hergestellte, funktionierende Netzanbindung zu gefährden. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich manche Hersteller bei der Entwicklung von Patches für entdeckte Schwachstellen sehr viel Zeit lassen.

Grundsätzlich sind in Deutschland 43 Prozent der im Auftrag von Fortinet zum Connected Home Befragten der Ansicht, dass der Router gegen Angriffe sein immun oder eine eigene Form von Schutz bieten sollte. Etwa ebenso viele sehen allerdings den Internetanbieter in der Pflicht, Sicherheit zu gewährleisten. Auch hier bleibt wiederum die Frage, wie er das tun soll ohne sich sonst in die Kommunikation einzumischen oder auf Geräte beim Nutzer zuzugreifen unbeantwortet.

Für einen neuen WLAN-Router, der für vernetzte Geräte ausgelegt ist, sind 40 Prozent der Hauseigentümer auch bereit, extra zu bezahlen. Weitere 47 Prozent könnte es sich vorstellen, sind sich aber nicht sicher, ob sie zusätzlich Geld dafür ausgeben wollen. Und 49 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer wären breit, mehr für Internetdienste zu bezahlen, damit vernetzte Geräte bei ihnen Zuhause funktionieren. Allerdings stehen bei der Frage, welche Faktoren sich auf die Kaufentscheidungen für vernetzte Heimgeräte auswirken, in allen Ländern “Preis” vor “Funktionalität” und “Herstellermarke”.

Die Studie wurde von GMI, ein Geschäftsbereich von Lightspeed Research im Auftrag von Fortinet durchgeführt. Befragt wurden dazu Hauseigentümern im Alter von 20 bis 50 Jahren mit “wesentlicher Technologieerfahrung”. Die Teilnehmer stammten neben Deutschland auch aus Australien, China, Frankreich, Indien, Italien, Malaysia, Südafrika, Thailand, Großbritannien und den USA.

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