Vodafone probiert zur Kieler Woche erstmals in Europa LTE Broadcast aus

MobileMobilfunkNetzwerkeTelekommunikation
Vodafone erprobt auf der Kieler Woche LTE-Broadcast (Bild: Vodafone).

Zuschauer können damit Videos unmittelbar auf Smartphones und Tablets verfolgen. Ihnen stehen mehrere frei wählbare Kameraperspektiven zur Verfügung. Zur Übertragung ins “Sendezentrum” kommt LTE Time Division Duplexing (LTE TDD) zum Einsatz. In den USA wurde die Technik bereits beim Superbowl und dem Autorennen Indy500 erprobt.

Vodafone hat anlässlich der dieses Wochenende zu Ende gehenden Kieler Woche gemeinsam mit Partnern, darunter dem Netzwerkausrüster Huawei und dem Sailing Team Germany, LTE Broadcast erfolgreich erprobt. Der Netzbetreiber sieht sich damit als Vorreiter einer “neuen Ära für Video-Übertragung von großen Sport- und Musikereignissen auf Smartphones und Tablets.”

Vodafone erprobt auf der Kieler Woche LTE-Broadcast (Bild: Janina Schuster / Vodafone).
Vodafone erprobt auf der Kieler Woche LTE-Broadcast (Bild: Janina Schuster/Vodafone).

In Kiel können Besucher Video-Übertragungen der Segelregatta unmittelbar auf ihren Mobilgeräten verfolgen. Dazu stehen ihnen mehrere frei wählbare Kameraperspektiven zur Verfügung. Die im Rahmen des LTE Broadcast anfallenden Datenmengen rechnet ihnen Vodafone – in dem Fall zumindest – nicht auf das mobile Datenvolumen an.

Die Video-Signale werden zunächst über das Mobilfunknetz von Vodafone von den Booten und Schiffen an Land übertragen. Diese Übertragung erfolgt via LTE Time Division Duplexing (LTE TDD). LTE TDD unterscheidet sich von der gängigen Vorgehensweise dadurch, dass die Datenmengen nicht über verschiedene Frequenzen verteilt, sondern lediglich in einer Frequenz, dort allerdings zeitversetzt übertragen werden. Der Zeitversatz ist jedoch so gering, dass er für die Nutzer nicht wahrnehmbar ist, versichert Vodafone.

An Land sorgt LTE Broadcast – auch als “Evolved Multimedia Broadcast Multicast Service” (eMBMS) bezeichnet – für die Übertragung auf Smartphones und Tablets. Damit werden die Video-Daten von einer Sendestation zentral an – laut Vodafone – unbegrenzt viele Smartphones und Tablets verteilt. Der Nutzer benötigt ein entsprechendes LTE-Endgerät sowie die passende LTE Broadcast App. Die Übertragung ist so angelegt, dass die “normale” Netznutzung durch die Zuschauer nicht beeinträchtigt wird.

Bei LTE-Broadcast kann die von den Netzbetreibern bereits für LTE aufgebaute Netztechnik zum Einsatz kommen (Bild: Janina Schuster / Vodafone).
Bei LTE-Broadcast kann die von den netzbetreibern bereits für LTE aufgebaute Netztechnik zum Einsatz kommen (Bild: Janina Schuster/Vodafone).

Vodafone sieht mit diesem Ansatz neue Möglichkeiten für das Publikum zahlreicher Großveranstaltungen. Insbesondere sei der Einsatz von LTE Broadcast natürlich für Veranstaltungen attraktiv, bei denen sich der Zuschauer vor Ort generell schwer tut, Details des Geschehens wahrzunehmen oder einen Überblick zu behalten – neben einer Segelregatta eigneten sich etwa auch Mountainbike-Rennen, Ski-Abfahrten und diverse Veranstaltungen beim Motorsport.

Neben Vodafone und seinem Partner Huawei sehen auch andere Marktteilnehmer das Potenzial von LTE Broadcast. Beispielsweise hat Ericsson die Technik auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona demonstriert und bietet sie nun Netzbetreibern an. Ein erster Erfolg der Schweden war zusammen mit dem US-Netzbetreiber Verizon die Ausstattung des Autorennens Indy500 vergangenen Monat.

In einem von Qualcomm zur Verfügung gestellten Whitepaper nennt die Strategieberatung IGR als Vorteile von LTE Broadcast aus Sicht der Mobilfunkbetreiber, dass zum einen keinerlei Änderungen an kompatibler Hard- und Software in Consumer-Geräten, andererseits aber auch keine neue Hardware beim LTE-Netz des Betreibers erforderlich sei. Auch die vergleichbar einfach durchzurechnenden Geschäftsmodelle und Anwendungen sprächen für den Einsatz von LTE Broadcast.

Allerdings geben die Branchenexperten zu bedenken, dass der Mehrwert aus Sicht der Nutzer – und vielleicht auch der zusätzliche Betrag, den sie dann einmal zu zahlen bereit sind – noch nicht spezifiert ist. Qualcomm wiederum hat ein Interesse an LTE Broadcast, da es mit dem Snapdragon 800 einen dazu befähigten Prozessor und mit dem Qualcomm Gobi auch ein passendes LTE-Modem im Angebot hat. Informationen dazu gibt der Hersteller auch in einem englischsprachigen Video.

Das "Sendezentrum" für die Verteilung der per LTE TDD empfangenen Videosignale per LTE Broadcast (Bild: Janina Schuster / Vodafone).
Das “Sendezentrum” für die Verteilung der per LTE TDD empfangenen Videosignale per LTE Broadcast (Bild: Janina Schuster/Vodafone).

Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit der europäischen Technologie-Geschichte aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen