Karlsruher Studenten machen Datensammler sichtbar

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Sechs Informatikstudenten des KIT haben ein Programm entwickelt, das ausgewählte Webseiten ansurft und den Weg der von dort an den Betreiber oder Dritte versandten Daten nachverfolgt. Anschließend wird auf einer Weltkarte dargestellt, wohin die Daten gehen. Das Tool könnte so zu bewussterer Webnutzung beitragen.

Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben eine Software entwickelt, die ermittelt und visuell darstellt, wo Organisationen und Firmen sitzen, die Daten sammeln und verwerten. Mit dem Programm lassen sich Webseiten durchsuchen, etwa die Liste der zuletzt auf dem eigenen Rechner aufgerufenen Webseiten oder die 100 in Deutschland meistbesuchten Webseiten. Es identifiziert, sammelt und analysiert dabei Drittanbieter und Dienste, die den Datenverkehr des Nutzers auskundschaften und beispielsweise für gezielte Werbeplatzierungen auswerten.

Das von sechs Karlsruher Studenten entwickelte Tool stellt den Weg der von Surfern eingesammelten Daten anschaulich dar (Grafik: KIT).
Das von sechs Karlsruher Studenten entwickelte Tool stellt den Weg der von Surfern eingesammelten Daten anschaulich dar (Grafik: KIT).

“Es ging darum, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie man beobachtet wird, wenn man im Netz surft”, sagt Sebastian Labitzke, einer der wissenschaftlichen Betreuer des Teams am KIT. An welche Händler und Anbieter wo in der Welt die Daten weitergereicht werden, führt die Entwicklung der sechs jungen Informatiker mit Markierungen auf einer Weltkarte anschaulich vor Augen.

Dabei wird zum Beispiel deutlich, dass die mit dem Prototyp der Software aufgerufenen Seiten Daten rund um den Globus schicken – in die Niederlande ebenso wie in die USA und nach Taiwan. Für die Nutzer kann dieses Wissen von Bedeutung sein: Schließlich gelten in den jeweiligen Staaten unterschiedliche Datenschutzgesetze.

“Die Arbeit lässt die sehr abstrakten Netzstrukturen sichtbar werden”, sagt Professor Hannes Hartenstein, an dessen Lehrstuhl Dezentrale Systeme und Netzdienste am Institut für Telematik (ITM) das Projekt stattfand. Der von den Studenten erarbeitete Prototyp sei in seinen Möglichkeiten erweiterbar und seiner Ansicht nach als nützliches und legales Werkzeug im Sinne des Datenschutzes denkbar. Im Augenblick steht es der Allgemeinheit noch nicht zur Verfügung. Wie das KIT auf Anfrage mitgeteilt hat, soll die Software aber “in Kürze” zum Download zur Verfügung stehen. ITespresso wird dann darüber berichten.

Update 18: Mai 23 Uhr 20: Inzwischen ist die Anwendung auf der Site des KIT zum Download verfügbar.

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