Symantec-Manager: Antivirussoftware hat sich überlebt

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Symantec (Grafik: Symantec)

Laut Brian Dye, Chef für Information Security bei Symantec, sind derartige Produkte technisch “zum Scheitern verurteilt”. Sie seien überdies “kein Verkaufsschlager” mehr. Noch tragen sie allerdings 40 Prozent zu Symantecs Umsatz bei. Durch die Stärkung anderer Bereiche soll sich das bald ändern.

Brian Dye, bei Symantec Chef für Information Security, hat in einem Interview mit dem Wall Street Journal Antivirenlösungen als “zum Scheitern verurteilt” bezeichnet. Ihm zufolge ist Sicherheitssoftware für Endgeräte zudem kein Verkaufsschlager mehr. Anbieter müssten sich der veränderten Situation anpassen.

Update 9. Mai 2014, 17 Uhr 28: Brian Dye hat in einem auf der Symantec-Hausmesse Vision 2014 in las vegas aufgenommenen Video die Aussagen in dem Artikel des Wall Street Journal inzwischen näher erläutert. Er sei falsch verstanden worden und erklärt, die Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Brian Dye, bei Symantec Chef für Information Security, hat Antivirenlösungen als "zum Scheitern verurteilt" bezeichnet.

Symantec werde dies mit Dienstleistungen tun. Derzeit baue man ein Notfallteam auf, das angegriffenen Unternehmen helfen soll, den Schaden zu minimieren. Binnen sechs Monaten sollen Seminare angeboten werden, in den Firmen lernen, zu erkennen, wann sie angegriffen wurden und warum. Außerdem entwickele Symantec Technologien, um ausgefeilter Angriffe, wie sie heute bei Firmen immer häufiger stattfinden, aufzuspüren und abzuwehren.

Dass sei dringend notwendig, da Antivirenprodukte heute lediglich noch 45 Prozent der Cyberattacken abfangen könnten, erklärte Dye dem Wirtschaftsblatt gegenüber. Das sei natürlich auch für Symantec ein Problem, das im dritten Quartal des laufenden Finanzjahrs (PDF) immerhin noch 40 Prozent des Umsatzes mit Antivirensoftware erwirtschaftet.

Der klassische Antivirus-Bereich, der bei Symantec in der Norton-Sparte zusammengefasst ist, spielt in dem Konzern schon länger eine untergeordnete Rolle. In den vergangenen Jahren hat er allerdings versucht, Wissen und Technologien aus dem Storage-Segment dazu zu nutzen, um Firmen umfassende Angebote zur Informationssicherheit zu unterbreiten. Die wurden aber von vielen als zu komplex empfunden, da vorab ein umfangreiche Kategorisierung von Daten erforderlich war. Außerdem mögen viele potenzielle Kunden befürchtet haben, sich mit solch einem Projekt eine nie endende Aufgabe ins Haus zu holen.

Symantec ringt bereits seit gut zwei Jahren um eine Neuausrichtung. Im Juli 2012 wurde der damalige CEO Enrique Salem nach drei Jahren an der Unternehmensspitze vom Aufsichtsrat entlassen. Seine Nachfolge trat der damalige Chairman Steve Bennett an. “In den vergangenen drei Jahren wurden zwar in vielen Bereichen Fortschritte erzielt, der Aufsichtsrat hat aber doch entschieden, dass ein CEO-Wechsel in Symantecs Interesse liegt”, begründete er den Schritt.

Im Januar 2013 legte Bennett dann sein Reformprogramm vor. Es sah Entlassungen und eine neue Firmenstruktur vor. Um die Anleger zu beruhigen, wurde außerdem eine Dividende ausgeschüttet und für eine Milliarde Dollar Aktien zurückgekauft. Mit der Neuordnung wollte Bennett Symantec auf zehn Schlüsselbereiche ausrichten und erhöhte die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen. Im Mittelpunkt der Bemühungen schienen die Bereiche Cloud und Mobile zu stehen. Bei letzterem war Symantec zwar mit der Übernahme von Altiris zwar schon früh dabei, hatte aber seitdem gegenüber neu auf den Markt drängenden Firmen wie dem inzwischen von VMware übernommenen Airwatch, MobileIron oder auch Firmen wie SAP, IBM und HP immer mehr an Boden verloren.

Offenbar brachte aber auch der CEO-Wechsel nicht den gewünschten Erfolg: Bennett wurde im März 2014 nach lediglich 20 Monaten an der Spitze des Unternehmen bereits wieder entlassen und seines Sitzes im Verwaltungsrat enthoben. Chairman Daniel Schulman erklärte in einer Pressemitteilung, dies sei “das Ergebnis eines fortlaufenden Beratungsprozesses” gewesen. “Wir müssen jetzt vorrangig eine Führungskraft finden, die die Güter und das Führungsteam unseres Unternehmens wirksam einsetzt, um Symantecs Produktinnovation und Wachstum auf die nächste Stufe zu heben.”

Den Aussagen von Dye zufolge scheinen dabei nun viele der klassischen Symantec-Bereiche nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Fraglich ist allerdings, ob es klug war, die für das Unternehmen als Umsatzbringer immer noch wichtigen Produkte quasi vorab abzukündigen. Schließlich sind für Käufer dieser Produkte zum einen Testergebnisse und zum anderen Vertrauen wichtig. Bei Tests liegt Symantec – eigenen Angaben zufolge oft aufgrund des Testdesigns – derzeit nicht ganz vorne, und Aussagen wie sie jetzt Dye gemacht hat, sind nicht geeignet, das Vertrauen der Kunden zu stärken.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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