Amazon Marketplace: Kunde von Händler auf 70.000 Euro verklagt

E-CommerceMarketing
amazon-icon_800 (Logo: Amazon)

Grund ist eine schlechte Bewertung durch den Kunden. Zusammen mit einer Beschwerde bei Amazon soll sie die Sperrung des Verkäuferkontos bewirkt haben. Der Händler fordert daher nun Ersatz für den Einnahmenausfall in Höhe von 39.000 Euro.

Wie die Augsburger Allgemeine Zeitung meldet, soll ein Streit um eine negative Amazon-Bewertung in Kürze vor Gericht ausgefochten werden. Demzufolge wurde ein Kunde von einem Händler aufgrund seiner am 3. Juli 2013 abgegebenen Bewertung auf 70.000 Euro Schadensersatz verklagt. Im Juni wird das Landgericht Augsburg den Fall verhandeln.

amazon-icon_800

Ein Fliegenschutzgitter im Wert von 22,51 Euro war der Zeitung zufolge Ausgangspunkt des Streits. Der Kunde aus Großaitingen im Kreis Augsburg hatte es Ende Juni 2013 bei dem Händler im Amazon Marketplace bestellt. Lieferung und Zustellung verliefen noch problemlos. Allerdings funktionierte das Zuschneiden des Schutzgitters nach Kundenangaben nicht so, wie in der Anleitung beschrieben.

Aus diesem Grund rief er den Händler an, um sich zu beschweren. Über den weiteren Verlauf gibt es allerdings widersprüchliche Angaben. Laut Darstellung des Kunden sei der Händler am Telefon “richtig unverschämt” gewesen und habe keinerlei Hilfe angeboten. Der Händler selbst weist diese Anschuldigungen zurück und behauptet seinerseits, der Kunde habe einfach nicht verstanden, wie das Schutzgitter zu befestigen sei.

Daraufhin gab der Käufer auf Amazon seine Bewertung ab, die die Augsburger Allgemeine Zeitung wortgetreu zitiert: “Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das positive. In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen das ist falsch. Damit wird das ganze zu kurz! Die Ware selbst macht guten Stabilen Eindruck, Der Verkäufer nie wieder!”

Anschließend forderte der Händler den Kunden per Mail auf, die Bewertung entweder zu löschen oder zu ändern. Sonst werde er Anzeige erstatten. Durch diese Drohung sah sich der Kunde offenbar veranlasst, den Verkäufer bei Amazon zu melden, woraufhin der Online-Versandhändler dessen Konto inklusive des Guthabens von 13.000 Euro sperrte.

Nach Erhalt einer Abmahnung einschließlich der geforderten Unterlassungserklärung erklärte sich der Käufer letztendlich bereit, die Bewertung doch zu löschen. Allerdings weigerte er sich, die geforderten Anwaltskosten in Höhe von 800 Euro zu begleichen. Schließlich kam es im Herbst 2013 zu einer Klage auf Schadensersatz in Höhe von 70.000 Euro, der ein gescheitertes Schlichtungsverfahren vorausging.

Der Händler begründet seine Klage damit, dass er ohne die Kontosperrung bis heute etwa 39.000 Euro hätte erwirtschaften können. Unter anderem diesen Schaden müsse der Beklagte ihm nun ersetzen und überdies die Anwaltskosten übernehmen. Hinzu kämen “weitere Schäden” in Höhe von geschätzten 20.000 Euro.

Fraglich an der Sache ist, ob die Bewertung und Beschwerde genau dieses einen Käufers Amazon veranlasst hat, das Verkäuferkonto des Händlers zu sperren. Der Anwalt des Beklagten sieht aus diesem Grund vor Gericht gute Erfolgschancen für seinen Mandanten. Gegenüber der Zeitung merkte er zudem an: “Würde der Kläger mit seinen Forderungen durchkommen, hätte das Folgen für das komplette System der Bewertungen im Internet.”

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen