Britischer Geheimdienst soll auch deutsche Firmen ausgespäht haben

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Der GCHQ hat offenbar Kunden und Technologien der deutschen Firmen Stellar, Cetel und IABG ausgespäht (Bild: Shutterstock/Brian A ).

Der GCHQ hat offenbar Kunden und Technologien deutscher Anbieter von satellitengestützten Kommunikationsdiensten ins Visier genommen. Wie “Der Spiegel” berichtet, liegen auch weitere Belege für Abhöraktionen gegen Bundeskanzlerin Merkel vor.

Der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) hat einem Bericht von Der Spiegel zufolge auch deutsche Unternehmen ausspioniert. Dabei sei es darum gegangen, “umfangreiches Wissen über zentrale Satelliten-IP-Diensteanbieter in Deutschland aufzubauen”. Betroffen sind demnach die Firmen Stellar, Cetel und IABG.

Der GCHQ hat offenbar Kunden und Technologien der deutschen Firmen Stellar, Cetel und IABG ausgespäht (Bild: Shutterstock/Brian A ).
Der GCHQ hat offenbar Kunden und Technologien der deutschen Firmen Stellar, Cetel und IABG ausgespäht (Bild: Shutterstock/Brian A ).

Stellar aus Hürth bei Köln betreibt unter anderem Bodenstationen und mietet Satellitenkapazitäten, um zum Beispiel Ölbohrstationen oder abgelegene Niederlassungen internationaler Konzerne und Organisationen mit Telefon- und Internetdiensten zu versorgen. Unter Berufung auf “geheime und undatierte” Unterlagen, berichtet “Der Spiegel”, dass der britische Geheimdienst durch Ausspähen der Firma den in “Deutschland vorbeifließenden Internetverkehr auskundschaften” wollte.

Dem GCHQ ging es allerdings nicht nur um die Überwachung des Datenverkehrs, sondern auch um Kunden der deutschen Firmen, ihre Zuliferer sowie künftige technische Entwicklungen. Zudem habe der Geheimdienst auch gezielt einzelne Mitarbeiter der Firmen überwacht – vor allem Ingenieure, heißt es in dem Artikel weiter.

Die von Edward Snowden stammenden Unterlagen beschreiben angeblich auch die Möglichkeiten der NSA zur “automatisierten, maschinellen Verarbeitung von gesammelten Informationen”. Dazu soll ein “Nymrod” genanntes System gehören, das Namen erkennen kann. Es habe rund 300 Einträge mit dem Namen “Merkel” geliefert, schreibt der Spiegel. Das US-Geheimgericht Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) habe der NSA am 7. März 2013 erlaubt, Ziele in Deutschland zu überwachen.

Ob die bei den deutschen Firmen abgeschöpften Informationen auch zur Industriespionage verwendet wurden, ist noch unklar. Die US-Regierung hatte den Vorwurf, die NSA gebe Erkenntnisse aus ihren Spähprogrammen weiter, um US-Firmen zu wirtschaftlichen Vorteilen zu verhelfen, stets zurückgewiesen. Präsident Obama untersagte Anfang des Jahres zudem den Einsatz der NSA-Programme, um US-Firmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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