Wie 3D-Druck den Durchbruch schafft

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3D-Drucker Cube

Es macht Spaß zu beobachten, wie sich der Markt für 3D-Drucker derzeit entwickelt. Wird noch an ein paar Stellschrauben gedreht, ist 3D-Druck bald reif für den Massenmarkt. Und damit sind nicht nur engagierte Bastler, sondern auch Anwender in Firmen gemeint.

3D-Drucker sind eine der Techniken, die es wert sind dass man sie dieses Jahr im Auge behält. Diese Aussage mag manchem aus früheren Jahren bekannt vorkommen – aber 2014 ist manches anders. Es sind nämlich nicht mehr nur vergleichsweise kleine, spezialisierte Firmen, die sich um den Markt bemühen, und zugegebnermaßen zwar ansehnlich Wachstumszahlen, aber eben auf niedrigem Niveau vorweisen können. Inzwischen dringen auch die Schwergewichte der IT-Branche in das Segment vor.

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Der NEO von German RepRAP ist für 799 Euro lieferbar. Für die breite Akzeptanz bei Privatkunden müssen Die Preise aber noch etwas sinken (Bild: German RepRap).

So hat zum Beispiel Dell Anfang des Jahres eine Vertriebsvereinbarung mit Stratasys – einem schon lange auch in Firmen etablierten Anbieter von 3D-Druckern – abgeschlossen und HP-Chefin Meg Whitman hat erst vor wenigen Tagen noch einmal bekräftigt, dass ihr Unternehmen noch 2014 wieder in den Markt für 3D-Drucker zurückkehren will. Als Grund nannte Whitman bei einer Analystenkonferenz, dass HP einige Probleme gelöst habe, die den Markt derzeit noch bremsen. Man darf gespannt sein, welche das sind.

Trotz der vielversprechenden Prognosen ist jedoch noch unklar, ob die Rahmenbedingungen stimmen, damit sich 3D-Drucker bei Privatkunden und Firmen durchsetzen können. Im ersten Schritt werden 3D-Drucker wohl ihren Weg in Unternehmen finden.

Firmen wie 3D Systems sind groß genug, um starke Partnerschaften mit Herstellern eingehen zu können. Stratasys, ein weiterer großer Player auf dem Markt, liefert innovative Technik und hat sich bei IT-Einkäufern bereits einen Namen gemacht.

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Adobe liefert mit seiner Creative Cloud inzwischen auch Möglichkeiten zur Nutzung von 3D-Druckern (Bild: Adobe).

Früher hat das Unternehmen seine an Firmen gerichteten Produkte über Hewlett-Packard vertrieben, heute werden die im vergangen Jahr zugekauften, kleineren und günstigeren Produkte von MakerBot über Dell vermarktet. Ein Anfang ist also gemacht.

Interessant ist auch der Ansatz des Büromaterialhändlers Staples und der irischen Firma Mcor Technologies, die im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern auf 3D-Drucker setzt, bei denen als Verbrauchsmaterial Papier zum Eisnatz kommt. Im vergangenen Jahr haben sie in der niederländischen Stadt Almere gemeinsam ein “Experience Center” für 3D-Drucktechnologie eröffnet. Verläuft das Pilotprojekt erfolgreich, kann man davon ausgehen, dass bald in vielen Staples-Niederlassungen 3D-Modelle ausgedruckt werden – mit ähnlichen Preismodellen, wie sie heute beim Druck von Broschüren in Copy Shops verwendet werden.

Wall-Street-Analysten sagen für die größten 3D-Drucker-Firmen auf dem Markt bis 2016 einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar voraus. Das ist etwa doppelt so viel, wie 2013 in dem Segment umgesetzt wurde. High-End-Systeme kosten etwa 1 Million Dollar das Stück und werden heute in der Produktion eingesetzt.

Aber wann wird 3D-Druck die breite Masse erreichen? Sind wir schon soweit? Und was braucht es, damit sich ein Ökosystem entwickelt? Bisher eignen sich 3D-Drucker zum einen für sehr große Unternehmen, zum anderen für Bastler. Bis der Durchbruch kommt, müssen sich noch ein paar Dinge ändern.

Katalysatoren für 3D-Druck in Unternehmen

  • Nachvollziehbare Geschichten: 3D-Druck wird schon heute in der Produktion eingesetzt. Andernfalls könnten Stratasys und 3D Systems zusammen keinen Umsatz von einer Milliarde Dollar vorweisen. Es stecken also schon viel Geld, Design und Fortschritt sowie Effizienz dahinter. Was es jetzt braucht, sind Erfolgsgeschichten. Stratasys hat aufgezeigt, was eine Firma namens Trex Bicicly aus seinem Objet500 Connex3 Color Multimaterial 3D Printer herausgeholt hat. Der Markt braucht mehr derartiger Fallstudien.
  • Partner für Integration und Implementierung. Für Unternehmenssoftware braucht es Berater und Integratoren wie IBM und Accenture. Man muss sich nicht gerade weit aus dem Fenster lehnen um zu sehen, dass 3D-Druck-Firmen ähnliche Hilfe brauchen werden. Heute ist 3D-Druck ein nettes Projekt in der Herstellung. Große Integratoren könnten anfangen damit, die Lieferkette aufzuräumen.

  • Neue, personalisierte Produkte. Eine Spezialanfertigung, zugeschnitten auf individuelle Bedürfnisse, die aber allen zur Verfügung steht, hätte in jedem Fall ihren Reiz. Wenn man in einer Sparte ein Produkt für 3D-Druck entwickelt und optimiert, würde die Konkurrenz dem Vorreiter umgehend hinterherrennen.
  • Aufbrechen alter Strukturen. 3D-Druck könnte es kleinen Firmen ermöglichen, so schnell zu produzieren, wie es große Unternehmen zum Teil heute schon tun. Wenn ein Start-up mit einem Hit daherkommt, braucht es seine Produktion weder nach China auszulagern, noch sich den Kopf über globale Lieferketten zu zerbrechen – und kann dem einen oder anderen Großunternehmen den Schneid abkaufen. Dann wäre 3D-Druck ein Muss für jede größere Firma.
  • Ein ernstzunehmendes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Verknüpft man 3D-Druck und seine Agilität, was den Bau von Prototypen angeht, mit Umsätzen, ist das eine gute Sache. Setzt man die Kosten, die man für die Herstellung älterer, schwer beziehbarer Teile in Zusammenhang mit dem, was man an Inventar sparen kann, ist das ebenfalls eine gute Sache. Noch gibt es keine belastbaren Zahlen, was das Sparpotenzial angeht, aber das dürfte sich bald ändern.
  • Große Namen. Vielleicht sehen manche 3D Systems und Stratasys schon als das neue Canon oder Hewlett-Packard. Trotzdem orientieren sich Einkäufer an bekannten Namen. Sollte HP allerdings wie angekündigt im Sommer in den Markt einsteigen – und kurz darauf eventuell ein paar Rivalen nachziehen, werden sich auch mehr Anwenderunternehmen für 3D-Druck interessieen.

Katalysatoren für 3D-Druck bei Privatkunden

  • Ein Software-Ökosystem. Adobe hat 3D-Modelle in seine Creative Cloud integriert, was kleinen Unternehmen und Kreativen entgegenkommt. Ein solches Ökosystem bräuchte es auch für Geschäftskunden.
  • Niedrigere Preise. 3D-Drucker werden sich in etwa der 400-Euro-Marke annähern müssen, um eine Option für Privatkunden zu werden. Um mit dem Preis so weit nach unten gehen zu können, braucht es Partner in der Größenordnung von HP oder Canon, um in den Markt zu kommen. Ähnliches gilt für die Materialkosten. Der Unterhalt eines 3D-Druckers darf nicht mehr andere Hobbys finanziell ausbremsen. Verbraucher müssen ihn vielmehr als ähnlich erschwinglich ansehen, wie den Fotodruck: Auch da gab es etablierte Strukturen – allerdings fand die Möglichkeit, schnell, qualitativ gut und unkompliziert Fotos zuhause oder nahezu überall auszudrucken, ausreichend Käufer.
  • Bekannte Namen. In den Privatkundenmarkt einzusteigen, wird für die Hersteller teuer. Es braucht also große Firmen, die das erforderliche´Marketingbudget aufbringen können, um 3D-Drucker auch der breiten Masse schmackhaft zu machen.

3D-Drucker

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Ungewöhnliche Objekte aus dem 3D-Drucker
Den bisher kleinsten, leichtesten und billigsten 3D-Drucker haben Mitarbeiter der TU Wien im Mai vorgestellt. Der Prototyp ist ungefähr so groß wie eine Milchpackung, wiegt 1,5 Kilogramm und kostet in der Herstellung 1200 Euro. Das gewünschte Objekt wird in einem kleinen Becken mit flüssigem Kunstharz erzeugt. Kunstharz wurde wegen seiner Eigenschaft gewählt, genau dort auszuhärten, wo es intensiv mit Licht bestrahlt wird. Beim "Druck" wird das Kunstharz Schicht für Schicht an den richtigen Stellen beleuchtet. Verhärtet eine Schicht, lässt sich die nächste anlagern. Dies wird so oft wiederholt, bis das Objekt vollständig ist. Auf diese Weise lassen sich, anders als bei Gussverfahren, auch komplizierte geometrische Objekte mit einer genau definierten inneren Struktur herstellen (Bild: TU Wien).

[mit Material von Larry Dignan, ZDNet.com]