Bedeutung deutscher Internet- und Sicherheitsdienste nimmt zu

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datenschutz-daten (Bild: Shutterstock/Bruce Rolff)

Die hiesigen Datenschutz- und Sicherheitsrichtlinien werden zum Vorbild, meint Markus Schaffrin, Sicherheitsexperte beim Branchenverband eco. Die deutsche Internetbranche profitiert von den umstrittenen Tätigkeiten der US-Behörden. Eine weitere Folge der NSA-Affäre fördert das Sicherheisbewusstsein der Online-Kunden.

Der aktuelle Report “Internetwirtschaft 2014” (PDF) des eco-Verbands gibt Einblicke in die Meinungen der IT-Experten zu aktuellen Sicherheitsdiskussionen und kommt zu dem Schluss:, dass deutsche Internetdienste und Sicherheitslösungen an Bedeutung gewinnen. Befragt wurden 170 Experten aus der IT-Branche.

Markus Schaffrin, eco-Verband
Markus Schaffrin vom eco-Verband sieht deutsche Internetanbieter im Aufwind.

Der Umfrage zufolge glauben 86 Prozent der deutschen IT-Experten, mit Daten auf amerikanischen Internet-Servern nicht sicher vor Zugriffen durch Geheimdienste zu sein. Schon daher werde die Bedeutung deutscher Internetdienste und Sicherheitslösungen in diesem Jahr stark zunehmen, verlautbart der eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. selbstbewusst.

Außerdem gehen 77 Prozent der Befragten von einer Bedeutungszunahme aus. 79 Prozent der IT-Experten sind der Meinung, dass das Bewusstsein für IT-Sicherheit und Schutzmaßnahmen in der deutschen Wirtschaft seit den jüngsten Überwachungsaffären stark angestiegen ist. Mit insgesamt 96 Prozent glauben nahezu alle Befragten, dass bei der Nutzung von US-Cloud-Diensten die Geheimdienste vollen Zugriff auf die Daten haben.

Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitgliederservices und Sicherheitsexperte im eco Verband, sieht deutsche Anbieter im Aufwind, denn “zuverlässige Dienstleister, die Schutzmaßnahmen bieten, um unbefugte Datenzugriffe Dritter zu verhindern oder zumindest zu erschweren”, seien gefragt. Das liegt Schaffrin zufolge vor allem an den weltweit strengsten rechtlichen Regelungen für den Datenschutz, denen deutsche Anbieter entsprechen müssen.

Aber keine Aussage einer Branchenlobby ohne passende Forderung: “Um langfristig international wettbewerbsfähig zu bleiben und sich vor Spionage zu schützen, braucht die europäische Wirtschaft einheitliche Datenschutz- und Sicherheitsrichtlinien”, so der Experte. Dies sehen laut eco-Report auch 77 Prozent der befragten IT-Experten so. Bisher sind noch keine europaweit einheitlichen Datenschutzregelungen festgelegt worden.

Einen Alleingang Deutschlands lehnen viele ab. Die von eco befragten IT-Leiter scheinen ein “Schlandnetz”, also ein rein deutsches Internet, in der Mehrzahl stark abzulehnen: 58 Prozent sehen in diesem gekapselten Ansatz “erheblichen Aufwand ohne nennenswerten Nutzen”. Offener scheint man hingegen dem so genannten Schengen-Routing gegenüber zu stehen. Insgesamt 51 Prozent sehen in diesem Ansatz eine “sinnvolle” Alternative.

Erst vor wenigen Wochen hatte das EU-Parlament den Entwurf einer Neuregelung beschlossen. Das hier vorgesehene europaweit einheitliche Datenschutzniveau scheint jedoch den kleinsten gemeinsamen Nenner zu wählen: Laut dieser Regelung darf kein Land schärfere Vorgaben machen. Dadurch könnten, sofern dieser Parlamentsbeschluss den Ministerrat passiert, die deutschen Datenschutzregeln aufgeweicht werden. Derzeit blockiert Deutschland dieses Regelwerk – wohl aber in erster Linie deshalb, weil Deutschland eine Ausnahme bei staatlichen Organisationen fordert.

Allerdings kommen auch aus der Wirtschaft immer wieder Forderungen nach einheitlichen europäischen Datenschutzregeln. So fordert etwa SAP eine Art Schengen für den Datenschutz. Die EU-Kommission schätzt, dass Unternehmen durch einheitliche Datenschutzstandards bis zu 2,3 Milliarden Euro einsparen könnten. In der eco-Befragung von 170 IT-Verantwortlichen stimmen 87 Prozent der Aussage zu, dass eine europaweite Regelung für Daten- und Spionageschutz nötig ist, um in diesem Wirtschaftsraum langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

[mit Material von Martin Schindler, silicon.de]

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