CeBIT: Londoner Start-up Viewsy gewinnt CODE_n14 Award

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Es gehört zu den 50 Start-ups aus 17 Ländern, die im Rahmen des Wettbewerbs Geschäftsmodelle rund um das Thema Big Data in Halle 16 auf der CeBIT vorstellen. Das Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro bekommen die Engländer für einen Ansatz, Ladengeschäften mithilfe von WLAN mehr Einblick in das Kundenverhalten zu verschaffen.

Viewsy hat den mit 30.000 Euro dotierten gewinnt CODE_n14 Award gewonnen. Er wurde im Rahmen des gleichnamigen Wettbewerbs vergeben, der dieses Jahr unter dem Motto steht “Driving the Data Revolution”, an dem insgesamt 450 Bewerber aus 60 Ländern teilgenommen haben. Neben dem Gewinner aus London standen der Jury zufolge noch AutoGrid Systems aus Kalifornien, Sablono aus Berlin und Cosinuss aus München in der engeren Auswahl.

CODE_n14-Awardverleihung
Oliver Frese (CeBIT), Olaf Riedel (EY), Odera Ume-Ezeoke (Viewsy), Chika Mbonu (Viewsy), Khadra Sufi (Moderator), Ulrich Dietz (CEO der GFT Group und Initiator von CODE_n) bei der Übergabe des Awards in Hannover (Bild: GFT Group).

“All unsere Finalisten geben dem Zukunftsthema Big Data mit ihrem Geschäftsmodell eine eigene, spannende Note. Mit Viewsy prämieren wir ein junges Unternehmen, das eindrucksvoll zeigt, wie man mit einer technologisch ausgereiften Lösung große Datenmengen sicher, intelligent und profitabel nutzen kann”, erklärt Ulrich Dietz, Initiator von CODE_n.

Mit Viewsy bekommt nicht nur ein junges Unternehmen aus dem CeBIT-Partnerland Großbritannien den Preis, sondern auch eines, das ein dieses Jahr stark in den Vordergrund rückendes Thema bearbeitet. Die Lösung der Londoner gibt Einzelhändlern die Möglichkeit, das Verhalten ihrer Kunden besser zu verstehen, indem sie sich die Tatsache zu Nutze machen, dass immer mehr davon ein Smartphone mit aktivem WLAN in der Tasche tragen. Rückschlüsse auf die Identität einzelner Personen erlaubt Viewsy dabei bewusst nicht, sondern erfasst sämtliche Daten anonymisiert. Und wer beim Einkaufen nicht analysiert werden möchte, braucht nur die WLAN-Verbindung seines Smartphones auszuschalten.

Für den Ansatz ist aber den Einzelne nicht wichtig, es geht vielmehr darum zu sehen, wie das Ladengeschäft bei der Mehrheit der Kunden ankommt. Dabei lassen sich Fragen danach beantworten, wie lange sie durchschnittlich im Laden verweilen, welche Bereiche sie besonders häufig frequentieren oder wie regelmäßig sie das Geschäft besuchen. Dazu werden etwa die gelaufenen Wegstrecken gemessen, mithilfe statistischer Methoden interpretiert und so Verhaltensmuster begreifbar gemacht. Dem Ladenbetreiber ist dann zum Beispiel möglich, welche Produkte an welcher Position im Laden am besten platziert sind.

In der Jury waren neben CODE_n Initiator Ulrich Dietz (GFT Group) Klaas Bollhöfer (The Unbelievable Machine Company), Designer Murat Günak, Professor Dietmar Harhoff (Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb), Bindi Karia (Silicon Valley Bank), Tobias Kiessling (intelliAD Media), Carsten Knop (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Professor Norbert Pohlmann (Institut für Internet-Sicherheit, Westfälische Hochschule), Dr. Krystian Pracz (EY) und Jens-Uwe Sauer (Seedmatch) vertreten.

Szenarien, wie sie nun Viewsy nutzt, propagieren seit kurzem auch die Anbieter von WLAN-Produkten, vor allem Firmen wie Ruckus Wireless und Lancom, die durch neue Technologien die Grundlage dafür geschaffen haben. Vermarktete wird dies als Teil des Konzeptes Hotspot 2.0, das auf einem neuen Authentifizierungsstandard beruht und sich voraussichtlich im Laufe des Jahrs auch in vielen deutschen Städten ausbreiten wird.

Die Hardwareanbieter sehen das WLAN im Laden aber nicht nur als Grundlage für Nutzeranalysen, sondern weisen auch auf den Wunsch vieler Kunden hin, dieses während des Einkaufs nutzen zu können. Dabei werden sie zum Beispiel von der im Februar vorgelegten PwC Multichannel-Studie 2013 unterstützt.

In-Store-Technologien PwC-Multichannel-Studie 2013

Der Erhebung zufolge ist das Smartphone für viele Verbraucher inzwischen auch beim Einkaufsbummel zum geschätzten Helfer geworden: 44 Prozent der Befragten nutzen ihr Mobilgerät zum Preisvergleich im Laden. Rund ein Drittel holt mittels des Mobilgeräts zusätzliche Informationen zu den angebotenen Produkten ein, und knapp 20 Prozent suchen mit dem Smartphone ein bestimmtes Geschäft oder die nächstgelegene Filiale einer bestimmten Kette auf.

“Einerseits bringen die Mobilgeräte maximale Preistransparenz, von der tendenziell günstigere Anbieter profitieren. Andererseits können die stationären Händler das Einkaufserlebnis durch intelligente Verknüpfung mit den Möglichkeiten des Mobile-Web deutlich aufwerten. Beispielsweise lassen sich über QR-Codes technische Daten, Anwendungshinweise oder Videos zum Produkt im Regal direkt auf das Smartphone schicken”, weist Gerd Bovensiepen, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, den Einzelhandel auf Möglichkeiten hin, den Trend zu seinen Gunsten zu nutzen.

Ein Ansatzpunkt dafür ergibt sich auch aus der Umfrage: Demnach würden es 29 Prozent der Befragten begrüßen, wenn sie vom Mobilgerät aus im Geschäft den Warenbestand in anderen Filialen oder im Webshop des besuchten Anbieters abrufen könnten. Dafür, aber nicht nur dafür regt jeder fünfte Befragte auch ein leicht zugängliches WLAN im Ladengeschäft an.



Ulrich Dietz, CEO der GFT Group und Initiator von CODE_n im Interview zu Big Data und dem Start-up-Wettbewerb.

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