Studie begutachtet 3D-Druck aus ökologischen Gesichtspunkten

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Das Freiburger Öko-Institut hat sich im Auftrag der Fraktion “Die Grünen/Europäische Freie Allianz” im EU-Parlament mit dem Thema befasst. Positiv fallen die Einsparung von Ressourcen bei der Herstellung sowie reduzierte Lagerhaltung, Transportkosten und weniger Verpackungen ins Gewicht. Negativ wirkt sich die Dominanz von Kunststoff und Metall beim 3D-Druck aus.

Das Freiburger Öko-Institut hat im Auftrag der Fraktion “Die Grünen/Europäische Freie Allianz” im EU-Parlament Potenziale und Risiken von 3D-Druckern aus Umweltsicht beleuchtet. Das Fazit fällt durchwachsen aus: “In welchem Umfang künftig Potenziale ausgeschöpft bzw. Risiken für die Umwelt entstehen können, hängt dabei von den Anwendungen ab, für die die Technologie genutzt wird.”

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Die 3D-Drucker der irischen Firma Mcor nutzen Papier als Rohstoff – sind damit aber eine Ausnahme im Markt für 3D-Drucker (Bild: Mcor Technologies).

Die Experten loben, dass Produkte, die mit 3D-Druckern hergestellt werden, Ressourcen bei der Herstellung einsparen sowie den Aufwand für Lagerhaltung, Transportkosten und Verpackungen reduzieren können. Gleichzeitig kritisieren sie jedoch, dass zumindest heute hauptsächlich auf Kunststoffe und Metalle zurückgegriffen wird. Sie sehen die Gefahr, dass Ressourceneinsparungen durch die beschränkte Materialwahl und damit verstärkten Einsatz bestimmter Rohstoffe zunichte gemacht werden.

Beobachter erwarten für den Bereich 3D-Druck enorme Wachstumsraten. Die Anwendungsbereiche reichen über die derzeit noch oft im Mittelpunkt des Interesses stehenden privaten Basteleien weit hinaus – und gehen von der Produktion von Designerstücken bis zur Herstellung von medizinischen Produkten, Auto- und Flugzeugteilen.

“Trotz vieler erster praktischer Anwendungen mit der Technik sehen wir heute, dass sie noch in den Kinderschuhen steckt”, fasst Hartmut Stahl, Experte für Stoffstromanalysen am Öko-Institut und Autor der Studie zusammen. “Gerade bei der Bewertung des Umweltpotenzials für den Klima- und Ressourcenschutz sind noch viele Fragen offen.” Beispielsweise seien ein geringerer Materialverbrauch sowie Einsparungen beim Energieaufwand prinzipiell denkbar, jedoch nur wenn sie nicht durch gegenläufige Entwicklungen aufgehoben werden.

Die Freiburger Ökologie-Experten machen das an einem Beispiel deutlich: Würden zur Herstellung von Produkten, die vormals aus Holz oder anderen natürlichen Ressourcen bestanden, künftig Kunststoffe eingesetzt, hätte dies nachteilige Auswirkungen auf die Umweltbilanz – selbst, wenn es Energieeinsparungen beim Transport oder der Lagerhaltung konventioneller Erzeugnisse gäbe.

Außerdem sei auch vorstellbar, dass Produkte kürzer genutzt würden, wenn Konsumentinnen und Konsumenten problemlos selbst immer wieder neue Varianten „ausdrucken“ können. Dadurch könnten dann sogar mehr Materialien verbraucht, statt Ressourcen eingespart werden. Außerdem sehen die Autoren der Studie Probleme beim Recycling, insbesondere für komplexere 3D-Produkte, die verschiedene Materialien verbinden.

Dennoch sind Hartmut Stahl zufolge künftig Umweltvorteile durch Materialeinsparungen, bedingt durch materialsparendes Design und ressourceneffiziente Herstellung der Produkte, zu erwarten. Allerdings sei eine umfassende Bewertung, dringend nötig, um die Vorteile, die die 3D-Drucktechnologie für die Umwelt haben kann, besser beschreiben zu können und die Technologie entsprechend weiterzuentwickeln. Ihre bisherigen Erkenntnisse haben sie in einem kostenlos zum Download bereitstehenden PDF in englischer Sprache zusammengefasst.

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