Elster Online ist das umständlichste Online-Steuerprogramm

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Elster Online hat bei einem Usability-Test von Online-Steuersoftware am schlechtesten abgeschnitten.

Das hat ein von Usability-Experten aus Hannover durchgeführter Test ergeben. Die Hürden bei der Nutzung machen sich auch finanziell bemerkbar: Bei Nutzung der kostenpflichtigen, privaten Konkurrenz bekommen Steuerzahler tendenziell eine höhere Erstattung.

In einer wissenschaftlichen Vergleichsstudie von Online-Steuerprogrammen durch das Unternehmen Usability.de aus Hannover hat das staatliche Angebot Elster Online am schlechtesten abgeschnitten. Testsieger wurde das Angebot Smartsteuer.de, es bekam die Schulnote 1,8. Die Dienste Lohnsteuer kompakt (Schulnote 2,8) und Steuerfuchs (Schulnote 3,4) liegen aber ebenfalls noch deutlich vor Elster Online. Das Angebot der Finanzverwaltung landete mit der Schulnote 4,7 auf dem letzten Platz.

Elster Online hat bei einem Usability-Test von Online-Steuersoftware am schlechtesten abgeschnitten.
“Die Übertragung von Papierformularen ins Internet bringt keinen Vorteil für die Bürger”, erklärt Torsten Bartel von Usability.de (Bild: Shutterstock / Marco-Rullkoetter).

“Die Übertragung von Papierformularen ins Internet bringt keinen Vorteil für die Bürger”, erklärt Torsten Bartel, Gründer und Mitinhaber von Usability.de in einer Pressemitteilung. “Für die Akzeptanz der Programme entscheidend sind Benutzerführung, konkrete Hilfetexte und Tipps sowie eine innere Programmlogik. An der müssen viele Anbieter, vor allem aber Elster Online, dringend arbeiten”, so Bartel weiter.

Die Labortests wertete ein Team erfahrener Usability-Forscher aus. Sie stützten sich auf Aussagen während und Noten der Probanden nach den Tests. Bewertet wurden die Kategorien Effektivität, Effizienz, Zufriedenheit und Berechnung der Steuerrückerstattung. Die Probanden hatten in allen Programmen vereinfachte Steuerfälle zu bearbeiten und verfügten alle über Erfahrung mit Steuerprogrammen.

Während der Nutzung der Dienste wurden die Augenbewegungen der Testteilnehmer registriert sowie Video- und Audio-Dokumentation angefertigt, die später von Experten ausgewertet wurden. Details zur Methode erklärt das Unternehemn in der auf seiner Website kostenlos zum Download bereitstehenden Zusammenfassung.

Im Test konnten nur zwei der Anbieter überzeugen. Sie punkteten unter anderem mit richtigen Hinweisen auf Pauschalen und die Absetzbarkeit von Sonderausgaben sparen Geld. Unterm Strich überzeugten nur Smartsteuer.de und Lohnsteuer kompakt mit den eingebauten Tipps. Ebenfalls Smartsteuer.de und Steuerfuchs berechneten die per Steuerberater-Software ermittelte Steuerrückzahlung korrekt.

Während Elster Online kostenlos nutzbar ist, verlangt die private Konkurrenz Geld. Beim Testsieger Smartsteuer.de sind es 14,95 Euro. Bei Steuerfuchs können Nutzer die Daten ohne Anmeldung, anonym und kostenlos eingeben und berechnen. Erst wenn sie sich zur Abgabe der Steuererklärung mit dem Angebot entscheiden, werden ihre persönlichen Daten abgefragt und ebenfalls 14,95 Euro fällig.

Bei Lohnsteuer kompakt gibt es vier Preisststufen – von kostenlos bis 34,99 Euro. Das Erstellen einer Steuererklärung samt Ausdruck und Abgabe per Elster kostet dort mit 14,99 Euro vergleichbar viel wie bei den Wettbewerbern. “Die Kosten von 15 Euro rechnen sich für jeden, der auch ohne Vorbildung seine Einkommensteuer mit einem Online- Steuerprogramm ans Finanzamt sendet”, empfiehlt Usability-Experte Bartel.

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