Amazon lässt sich vorausschauende Belieferung patentieren

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Das US-Patent 8.615.473 hat den Titel “Methode und System zum antizipatorischen Paketversand”. Ziel ist es, die Lieferzeit zu verkürzen. Um vorherzusagen, was Kunden kaufen werden, analysiert der Online-Händler unter anderem den Inhalt des Warenkorbs und die bisher getätigten Bestellungen.

Im vergangenen Monat hat Amazon das US-Patent 8.615.473 genehmigt bekommen. Es trägt den Titel “Methode und [ein] System zum antizipatorischen Paketversand” trägt. Damit will der Online-Händler im Wesentlichen künftig Ware an Kunden versenden, noch bevor dieser sie überhaupt bestellt hat. So sollen kürzere Lieferzeiten erreicht werden.

Antizipatorischer Paketversand durch Amazon nach US-Patent 8.615.473
Die Grafik zeigt potenzielle Zustellwege für den “antizipatorischen Paketversand” (Bild: Amazon).

Grund für die antizipatorischen Überlegungen ist laut Wall Street Journal die Tatsache, dass Verzögerungen zwischen der Bestellung und dem Empfang der Produkte “Kunden davon abbringen könnten, Waren bei Online-Händlern zu kaufen.” So wird es der Tageszeitung zufolge in dem Patent erläutert, das im August 2012 eingereicht wurde.

Aus diesem Grund plant Amazon, die Ware im Voraus zu verpacken und in die Richtung der Kunden in einer bestimmten Region zu verschicken, wenn der Online-Versandhändler der Ansicht ist, dass diese ein Produkt zwar noch nicht bestellt haben, aber dennoch kaufen wollen. Die Pakete könnten daraufhin in Versandzentren in der Nähe oder aber auf Lieferwagen darauf warten, dass die entsprechende Bestellung eingeht.

Der Patentbeschreibung zufolge könnte Amazon bereits im Vorhinein Informationen wie Straße oder Postleitzahl in die Paketaufkleber eintragen und die fehlenden Daten noch während des Transports komplettieren. So sei in großen Wohnkomplexen eine “spekulative Lieferung ohne Empfängerinformationen an eine physische Adresse, an der es mehrere Mieter gibt, möglich.”

Um feststellen zu können, welche Produkte sich für einen antizipierten Versand eignen, will der Online-Händler das Kaufverhalten seiner Kunden umfassend auswerten. Eine solche Analyse soll beispielsweise vergangene Bestellungen, die Suche nach gewissen Produkten, die Inhalte des Warenkorbs oder aber Rücksendungen mit einbeziehen. Selbst die Zeitspanne, in der der Mauszeiger auf einem bestimmten Produkt verweilt, kann erfasst werden.

Sollte sich die errechnete Bestellprognose als falsch erweisen, erwägt Amazon, die Produkte dennoch zu versenden – und zwar als Präsent für denjenigen Kunden, der die Ware zwar nicht bestellt, aber laut Auswertung seiner Daten mutmaßlich Interesse daran haben könnte. Sinnvoll wäre eine solche Überlegung etwa dann, wenn die Kosten für die Rücksendung oder Umleitung des Pakets den Betrag für dessen Zustellung übertreffen. “Das Paket als Werbegeschenk an den betreffenden Kunden auszuliefern, könnte dazu dienen, dessen Gunst zu gewinnen”, heißt es in dem Patent.

“Amazon scheint sich seinen umfangreichen Datenbestand zu Nutze machen zu zu wollen”, sagte Forrrester-Research-Analyst Sucharita Mulpuru dem Wall Street Journal. “Basierend auf all den Dingen, die es über seine Kunden weiß, könnte es die Nachfrage auf Grundlage verschiedener Faktoren vorhersagen.”

Nach Angaben Amazons ist der antizipatorische Versand primär für Produkte wie Bücher angedacht, welche die Kunden möglichst bereits am Tag ihrer Erscheinung haben wollen. Aktuell ist allerdings noch nicht abzusehen, ob der Online-Händler die Pläne tatsächlich umsetzen wird. Eine Sprecherin der Firma wollte sich gegenüber dem Wall Street Journal jedenfalls nicht zu dem Vorhaben äußern.

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Anfang Oktober 2013 haben Statista und das EHI die fünfte Ausgabe der Studie “E-Commerce-Markt Deutschland” veröffentlicht. Die Top 10 der Onlineshops in Deutschland führt demnach unangefochten Amazon an, das hierzulande 2012 einen Umsatz von rund 4,8 Milliarden Euro erwirtschaftete. Mit weitem Abstand folgen Otto (1,7 Milliarden Euro) und Notebooksbilliger (485 Millionen Euro). Neu in den Top 10 ist mit 360 Millionen Euro Umsatz Tchibo, nicht mehr vertreten dagegen Apple (Grafik: Statista.)

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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