Netzwerkspeicher: Was Sie beim Kauf eines NAS beachten sollten

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Netzwerkspeicher sind in vielen Firmen, aber auch immer mehr Privathaushalten zu finden. ITespresso.de erklärt, was die Geräte heutzutage leisten und worauf man beim Kauf achten sollte.

Dank günstiger Technik und einfacher Handhabung sind Netzwerkspeicher, auch als Network Attached Storage bezeichnet – kurz: NAS – inzwischen auch für Privatanwender erschwinglich. Waren Netzwerkspeicher vor Jahren noch etwas für Unternehmen mit eigener IT-Abteilung, sind sie mittlerweile auch im Wohn- oder Arbeitszimmer gut aufgehoben. Davon profitieren natürlich auch kleine und mittelständische Unternehmen, die keinen Vollzeitadministrator mit der Konfiguration und Wartung von Servern beschäftigen können, aber dennoch die typischen Dienste eines NAS benötigen.

Unabhängig vom Betriebssystem

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Flotter Speicherzwerg für´s Büroregal: Das ReadyNAS 716 von Netgear (Bild: Netgear).

Dazu gehören natürlich in erster Linie das zentrale Abspeichern von und der unternehmensweite Zugriff auf Dateien. Das entlastet nicht nur den eigenen Arbeitsrechner, sondern fördert die Zusammenarbeit und deren Effektivität: Daten müssen nicht mehr auf USB-Sticks oder externe Festplatten kopiert werden, nur damit ein Kollege damit arbeiten kann. Ein NAS stellt seinen Speicherplatz allen Nutzern im Netzwerk zur Verfügung, die vom (Teilzeit-)Admin die nötigen Zugriffsrechte erhalten haben.

Das funktioniert praktischerweise unabhängig vom Betriebssystem, da ein NAS die Netzwerkfreigaben über Protokolle bereitstellt, die sowohl Windows als auch Mac OS X und Linux verstehen. Das heißt: Auch Smartphones und Tablets greifen – entsprechende Apps vorausgesetzt – auf die Inhalte der NAS-Festplatten zu.

Eigenen Bedarf ermitteln

Mit den Jahren sind um die Kernfunktion herum immer neue Funktionen entstanden, die ein NAS auch zum Webserver, zum Streaming-Server für Musik und Videos, zum Bildserver für Überwachungskameras oder zur eigenen Cloud machen. Welche Funktionen Ihnen beziehungsweise Ihrer Firma wichtig sind, kann natürlich kein Ratgeber der Welt sagen. Daher ist der Kauf eines NAS eine höchst individuelle Entscheidung.

Dem einen Anwender genügt eine simple Festplatte mit Netzwerkanschluss, die noch nicht einmal eine ordentliche Nutzerverwaltung bietet. Der nächste Benutzer benötigt hingegen ein ausgeklügeltes Rechtemanagement, Dateiverschlüsselung oder sogar Profi-Features wie Virtualisierung und die Anbindung von Speicherplatz als iSCSI-Target. Dieser Artikel kann daher nur eine Übersicht über die aktuellen Möglichkeiten sowie an einigen Stellen Tipps und Tricks liefern. Das passende Modell müssen am Schluss Sie selbst bestimmen.

Mit und ohne Festplatten erhältlich

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Synology DS214+ und DS214se: Zwei NAS-Modelle von Synology mit je zwei HDD-Schächten (Bild: Synology).

Die Hardware eines NAS besteht im Grunde aus zwei Teilen: Zum einen gibt es das Gehäuse, das alle nötigen Anschlüsse, die Rechenleistung in Form von Prozessor und Arbeitsspeicher, aber auch einen Flash-Speicher für die Software (siehe unten) enthält. Zum anderen gibt es die Festplatten, die eben die Kapazität für den Netzwerkspeicher bereitstellen.

Oft werden NAS-Gehäuse leer, also ohne Festplatten verkauft. Hier müssen Sie bei der Kalkulation noch den Kauf der erforderlichen Festplatten berücksichtigen. Welche und wie viele das sein müssen, hängt zunächst einmal davon ab, wie viele Einschubschächte das Gehäuse bietet. Es gibt einfache NAS, die Platz für nur eine Festplatte bieten. Die meisten Modelle fangen aber bei mindestens zwei Schächten an, viele haben auch vier, sechs oder gar acht.

Das bestimmt natürlich auch die maximale Gesamtkapazität, die eine NAS im Netzwerk bereitstellen kann. Aber auch die Größe, die die einzelnen Festplatten maximal vorweisen dürfen, beeinflusst diesen Faktor. Die meisten NAS kommen mit Festplatten bis zwei TByte problemlos klar. Fragen Sie vor dem Kauf der Massenspeicher den NAS-Hersteller. Dieser veröffentlich in der Regel eine Kompatibilitätsliste mit passenden Festplatten-Modellen.

Viele Netzwerkspeicher unterstützen sowohl 3,5-Zoll- wie auch 2,5-Zoll-HDDs und sogar SSDs. In der Regel können Sie aber bei 3,5-Zoll-Laufwerken bleiben, denn diese bieten die meiste Kapazität pro Euro. SSDs sollten nur zum Einsatz kommen, wenn Sie auf wirklich hohe Transferraten angewiesen sind. Dabei müssen Sie aber beachten, dass das Nadelöhr oft der Netzwerkanschluss ist und nicht die Übertragungsrate der Festplatten beziehungsweise deren Anschlüsse im Gehäuse.

Übrigens: Sie müssen nicht alle Laufwerksschächte bestücken. Lassen Sie Platz, können Sie später aufrüsten. Achten Sie dann aber darauf, dass die Steuersoftware neue Festplatten in einen bestehenden Verbund integriert. Alles andere macht nur unnötig viel Arbeit, und Sie müssten das NAS womöglich für einige Stunden oder gar Tage außer Betrieb nehmen, um zum Beispiel einen RAID-Verbund korrekt zu erweitern.

Schutz vor Datenverlust

RAID steht für “Redundant Array of Independent Disks” und bezeichnet eine Technik, mit der sich mehrere physische Laufwerke zu einem logischen Volumen zusammenzuschließen lassen. Das bringt Geschwindigkeits- oder Sicherheitsvorteile – oder je nach RAID-Level beides. Meist steht der Sicherheitsaspekt vor dem Geschwindigkeitsvorteil, denn ein RAID schützt vor einem Datenverlust durch einen Hardware-Defekt. Gerade in Unternehmen ist das immens wichtig.

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Das Modell Sentinel DS5100 von Western Digital mit 4 TByte Speicherplatz (Bild: WD).

Der kleine Nachteil: Es steht nicht die gesamte Kapazität aller Festplatten zur Verfügung, da das RAID einen Teil davon für Wiederherstellungsinformationen benötigt. Besonders krass fällt das Verhältnis von tatsächlichem zu nutzbarem Speicherplatz bei einfachem RAID 1 aus. Besteht dieser Verbund zum Beispiel aus nur zwei Festplatten (die Mindestzahl für diesen RAID-Level), werden alle Dateien von Laufwerk A auf Laufwerk B gespiegelt.

Beim Ausfall von A springt B ein, und Sie haben ohne Datenverlust und Produktivitätsausfall die Möglichkeit, die defekte Festplatte auszutauschen. Das geht im laufenden Betrieb, wenn das NAS so genanntes Hot Swap unterstützt – das ist bei vielen Modellen der Fall.

Mit mindestens drei Festplatten lässt sich hingegen ein RAID 5 aufbauen, das weit verbreitet ist. Es bietet den Vorteil, dass je nach Anzahl der Laufwerke 67 bis 94 Prozent der Gesamtkapazität genutzt werden können und trotzdem eine Festplatte ohne Datenverlust ausfallen darf.

Weitere populäre RAID-Level sind 0, 6 und 10. Vor Fehlbedienungen durch den Nutzer – etwa versehentliches Löschen – oder Virenbefall schützt ein RAID übrigens nicht. Hier helfen nur regelmäßige Backups und Virenscanner. JBOD (Just a Bunch of Disks) wird häufig auch den RAID-Levels zugeordnet, obwohl es weder Redundanz noch Geschwindigkeitszuwachs bietet. Stattdessen schließt der RAID-Controller dabei alle Festplatten zu einem großen logischen Volumen zusammen.

Prozessor und Arbeitsspeicher beachten

Neben den Festplattenanschlüssen und -controllern zählen Prozessor und Arbeitsspeicher zu den wichtigsten Komponenten in einem NAS. Je stärker der Netzwerkspeicher durch gleichzeitige Zugriffe und die Übertragung großer Dateien – etwa beim Streaming von HD-Videos – gefordert wird, desto stärker sollte der Prozessor und desto größer sollte der Arbeitsspeicher sein.

Es gibt NAS-Server mit energiesparenden ARM-Prozessoren und zum Beispiel nur 128 MByte RAM oder aber Modelle mit ausgewachsenen Quadcore-CPUs und vier oder noch mehr GByte Arbeitsspeicher. Hier gilt wie bei PCs die Faustformel: Viel hilft viel, kostet aber auch mehr.

Im Einsatz als einfacher Netzwerkspeicher genügt meist schon die etwas günstigere Variante mit Stromspar-Prozessor und weniger RAM. Einige NAS lassen sich sogar aufrüsten, weil sie noch einen freien Slot für Arbeitsspeicherriegel bieten oder der Prozessor sich austauschen lässt. Werfen Sie vor der Kaufentscheidung also in jedem Fall einen Blick auf die CPU- und RAM-Ausstattung.

Per Ethernet ans Firmennetz

Das gilt ebenso für den Ethernet-Anschluss, über den das NAS ans Netzwerk angebunden wird. Die meisten Modelle bieten einen LAN-Port nach dem Gigabit-Standard. Diese übertragen im Idealfall bis zu 125 MByte pro Sekunde (1.000 MBit/s) – in der Praxis bleibt davon aber viel weniger übrig. Zudem muss das Netzwerk (Router, Netzwerk-Ports etc.) kompatibel zu Gigabit-Ethernet sein, um daraus die entsprechenden Geschwindigkeitsvorteile zu ziehen.

Das gilt insbesondere für 10-Gigabit-Ethernet-Ports, die einige NAS-Gehäuse bieten, die aber nur für die sehr schnelle Übertragung vieler und großer Dateien nötig sind. Der Standard ist bisher nicht sehr weit verbreitet.

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Qnap TS-870: Dieser Netzwerkspeicher bietet nicht nur Platz für acht Festplatten, sondern auch vier Netzwerkanschlüsse sowie fünf USB- und zwei eSATA-Anschlüsse (Bild: Qnap).

Eine WLAN-Schnittstelle ist hin und wieder (optional) verfügbar. Allerdings sind NAS oft schon an WLAN-Router angeschlossen, so dass Clients auf diese Weise drahtlos darauf zugreifen können. Wo das nicht der Fall ist, ist es meist auch nicht erwünscht – etwa im Firmenumfeld.

Zu den wichtigeren Anschlüssen zählen dagegen USB-Ports, um externe Festplatten anschließen zu können. Diese stellen ihren Speicherplatz dann ebenfalls über das NAS im Netzwerk bereit oder dienen als Backup-Medium. Viele Gehäuse bieten auf der Vorderseite einen USB-Anschluss samt Kopierknopf. Schließen Sie USB-Stick oder -Festplatte an und drücken Sie den Knopf, werden Dateien von einem bestimmten Verzeichnis des internen Speichers auf das externe Medium kopiert – oder umgekehrt.

Die meisten NAS bieten zumindest einen USB-2.0-Port, für schnellere Transferraten achten Sie auf USB 3.0. Zusätzlich steht manchmal auch ein eSATA-Anschluss bereit. Aber externe Festplatten mit diesem Standard sind eher selten anzutreffen. Ob ein NAS-Server nun auch einen HDMI-Anschluss, Audio-Ein- und -Ausgang oder einen Kartenleser haben sollte, muss jeder Benutzer selber entscheiden. Es ist natürlich praktisch, beispielsweise Videos vom NAS via HDMI direkt am Fernseher abzuspielen, ohne sie erst über das Netzwerk zu streamen. Doch in einem Unternehmen ist diese Funktion wohl eher selten gefragt.

Nutzerfreundliches Betriebssystem

Hardware funktioniert selten ohne Software – so ist es auch bei einem NAS. Das Betriebssystem stellt im Zusammenspiel mit den eingebauten Komponenten Dutzende von weiteren Funktionen bereit. Dazu gehört im Kern natürlich wieder die Datenverwaltung, die Verwaltung der Festplatten, eines RAID-Verbunds und anderer Features, die wir oben schon angesprochen haben.

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Synology DiskStation Manager: Das Betriebssystem der DiskStation-Modelle erinnert stark an Windows und lässt sich ebenso einfach bedienen (Screenshot: Synology).

Doch die Software bietet beispielsweise auch weitere wichtige Netzwerkdienste an. Dazu gehören in den meisten Fällen ein FTP-Server und die Benutzerverwaltung. Letzteres ist wichtig, damit nicht alle Mitarbeiter in einer Firma auf alle Inhalte des NAS zugreifen können. Wer welche Dateien nur lesen oder auch bearbeiten darf, lässt sich über das Betriebssystem regeln.

Die meisten Hersteller sind mittlerweile auf eine grafische Benutzeroberfläche umgestiegen, die Anwender über den Browser erreichen. Immer mehr gleichen die NAS-Betriebssysteme in Aussehen und Bedienung einem Desktop-Betriebssystem wie Windows oder Mac OS X. Dem Anwender kann es recht sein, denn es vereinfacht die Konfiguration ungemein. Selbst komplizierte Einstellungen lassen sich dank der aussagekräftigen Menüs und vieler Assistenten schnell erledigen – und das ohne allzu viel über die graue Theorie hinter Netzwerken wissen zu müssen.

Zudem lässt sich ein NAS mit Hilfe von zusätzlichen Programmen erweitern. So setzen Sie den Netzwerkspeicher als DLNA- oder iTunes-Server ein, veröffentlichen Fotogalerien im Internet, hosten eine Webseite (samt PHP und MySQL), streamen Musik unterwegs auf´s Smartphone oder nutzen einen Download-Client, der etwa BitTorrent-Dateien herunterlädt, ohne dass Sie dafür einen Rechner einschalten müssen.

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WD My Cloud: Dieses NAS von Western Digital ist zwar eher eine Festplatte mit Netzwerk- und Internetanschluss, findet aber trotzdem eine passende Zielgruppe (Bild: Western Digital).

Besonders gefragt sind derzeit die Cloud-Funktionen bei einem NAS. Damit richten Sie eine eigene Alternative zu Dropbox & Co. ein, wissen aber genau, wo die Dateien gespeichert sind – nämlich sicher auf Ihrem NAS und nicht auf irgendwelchen Servern im Ausland. Passende Apps für Smartphones und Clients für den Desktop erlauben außerdem die Synchronisation von Dateien zwischen einem Gerät und der privaten Cloud beziehungsweise zwischen verschiedenen Geräten, die zur privaten Cloud gehören.

Spezialfunktionen für Profis

Einige Modelle erfüllen auch sehr spezielle Wünsche. Sie unterstützen etwa iSCSI oder Server-Virtualisierung, verschlüsseln Dateien transparent, um sensible Informationen vor Diebstahl zu schützen, oder bieten ein Snapshot-Funktion, die Inhalte und Einstellungen auf eine zweite, baugleiche NAS repliziert. Letzteres ist wichtig, wenn Sie bei einem Defekt oder Verlust der ersten NAS ohne Unterbrechung weiterarbeiten müssen.

Die Möglichkeit, einen VPN-Server aufzusetzen, sowie IPv6-Unterstützung und Link Aggregation für extrem hohe Bandbreiten gehören ebenfalls zum Funktionsumfang einiger NAS-Server. Mit all diesen zusätzlichen Möglichkeiten steigt natürlich auch der Preis.

Energieverbrauch und Lärmentwicklung

Nicht zuletzt sollten Sie an die Belastung der Umwelt denken. Damit ist nicht nur der Energieverbrauch gemeint, sondern auch die Lärmbelästigung. Die meisten Geräte arbeiten bereits auf einem Niveau, das auch in ruhigen Arbeitsumgebungen sehr gut zu ertragen ist. Dennoch sollten Sie die NAS an einem nicht allzu warmen Ort mit guter Luftzirkulation aufstellen. Dann muss der Lüfter nicht gleich auf Hochtouren laufen, wenn der NAS mal etwas stärker gefordert wird.

Für viele Käufer ist jedoch der Stromverbrauch viel wichtiger, denn ein Server – wie ein NAS es ist – läuft häufig rund um die Uhr, zumindest aber während der Arbeitszeiten. Für ein NAS mit zwei Festplatten kann man einen Verbrauch von 30 Watt als guten Durchschnitt betrachten.

Im Standby – ebenso essentiell – sollten es jedoch nicht mehr als zehn Watt sein. In diesem Ruhemodus warten die Festplatten auf ein Signal von außen und fangen dann erst wieder mit der Arbeit an. Hierbei ist auch die Wake-on-LAN-Funktion von Vorteil, über die Sie das NAS per Signal aus dem Netzwerk starten. Extra zum Gerät zu laufen, um den Power-Knopf zu drücken, ist damit nicht nötig. Die meisten Modelle unterstützen dieses Feature.