Umfrage zeigt die größten IT-Luftblasen 2013

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IT-Luftblasen2013

Eine Befragung durch das Projektvermittlungsportal GULP zeigt, welche angeblichen IT-Trends sich am Ende als Marketing-Geblubber herausstellten. Der Realitäts-Check umfasste Trends wie BYOID, Cyber-Security oder IT-Standardisierung. Die 411 Umfrage-Teilnehmer haben nur zwei der zehn Zukunftsentwicklungen eindeutig als Luftblase identifiziert – es steckt also weniger heiße Luft im IT-Marketing, als in den vergangenen Jahren.

IT-Luftblasen2013GULP hat sich wie jedes Jahr die Visionen von Beratungshäusern wie IDC, Gartner, Experton und PAC vorgenommen und Freelancer sowie Firmen befragt, ob sie die ausgerufenen IT-Trends ernstnehmen. Klares Ergebnis: “Die Jahre zuvor machte es öfter plopp”. 2010 waren vier Themen durchs Raster gefallen, 2012 konnten sich fünf der Trendvorschläge nicht durchsetzen und einer schrammte gerade so an der 50-Prozent-Marke.

Die Antworten der 411 Freelancer, Projektanbieter, Vermittler und IT-Einkäufer zeigen, mit welchen Trends die IT-Spezialisten definitiv rechnen und welche sich nicht durchsetzen konnten. Durchgefallen waren BYOID (Bring your own identity) und auch eine PaaS-Explosion (Platform as a Service) durch Open Source. Potenzielle Luftblasen waren Regeln für Social Collaboration, Standardisierung in der IT und Hybrid IT.

Zu den ernstzunehmenden Themen dagegen rechneten die Befragten die Themen Strategisches Big Data (nur 29 Prozent erklärten es zur Luftblase), Application Management Services (28 Prozent Bubble), Webanwendungen (HTML5) statt Apps (aber immer noch 21 Prozent sahen auch dies als Luftblase) und Digitalisierung der Gesellschaft (18 Prozent bezeichnen das als Blase). Ganz eindeutig keine Luftblase ist die Kombination aus Cyber-Security und Datenschutz; nur 11 Prozent sahen diese Themen als Flop.

Die zwei größten Blasen

Der ausgerufene Trend, dass immer mehr Unternehmen die Identitätsmanagement-Systeme von sozialen Netzwerken oder Cloud-Anbietern für die Authentifizierung in der Unternehmens-IT nutzen, wird von 81-Prozent als Luftnummer bezeichnet. IDC hatte zuvor “3rdPlatform datacenter disruptions” unter dem Stichwort “Bring your own ID” (BYOID) ausgerufen. Das würde Consumerisierung in die Enterprise Security bringen. Unternehmen kämen den Mitarbeitern entgegen und machten Ihnen die Login- und Identifizierungsprozesse einfacher, indem sie zum Beispiel vorhandene Facebook- oder Google-Accounts für die Verwaltung von Unternehmensidentitäten verwenden.

BYOID-Luftblase

Der zweite klare Flop ist eine Explosion der Anzahl der PaaS-Angebote durch Open Source. Sowohl IDC als auch PAC (Pierre Audoin Consultancy) hatten in Studien klarlegen wollen, dass nach den Cloud-Anwendungen nun auch Cloud-Plattformen zum Massenprodukt werden. Die Zunahme von offenen Platform-as-a-Service-Strukturen sorgte für die Mutmaßungen der Beratungshäuser. Die befragten Dienstleister gingen aber zu 52 Prozent davon aus, dass dies nicht stattfindet. Die Auslagerung von Entwicklungs- oder Laufzeitumgebungen für Webanwendungen in die Cloud sorge nicht dafür, dass man sich die Investition in eigene Hardware sparen könne.

PaaS-Blase

Mögliche Luftblasen und echte Trends

Verhaltensregeln (Policies) wie in Netzwerken üblich sollten auch in Social-Collaboration-Business-Tool angewendet werden, um Sicherheitsrisiken einzudämmen, erklärten Bitkom, PAC und Experton. Immer mehr Unternehmen nutzen schließlich soziale und digitale Möglichkeiten der Zusammenarbeit wie Blogs oder Wikis. In manchen Betrieben sollen sogar E-Mails durch andere Kommunikationskanäle ersetzt werden.

Das ist längst kein Trend mehr – doch was derzeit vielerorts noch fehlt, sind Strategien und Regeln für diese Art des Teamworks: Welche Tools von welchem Hersteller werden wofür eingesetzt? Was wird gefördert, was ist erlaubt, was nicht? Die Teilnehmer der Umfrage sind sich nicht ganz sicher: 48,3 Prozent halten diese Zukunftsentwicklung immer noch für eine Luftblase.

Nur als potenzielles Luftgebilde sehen die Umfrageteilnehmer eine IT-Standardisierung – vielleicht weil sie bei den schnellen Innovationszyklen der Branche kaum funktionieren kann. Auch bei der Hybrid IT, mit der die IT quasi Makler für die Nutzung von Komponenten wird, sind die Befragten nicht sicher, wie “trendig” das ist.

Die Entwicklungen, die sich nicht als Mumpitz herausstellen würden, seien ganz klar Strategisches Big Data und Application Management Services. Die Vorhersage, dass immer mehr Unternehmen Big Data zum Data Warehouse und zur Datenintegrations-Infrastruktur hinzufügen werden, sieht kaum einer mehr als nur irrlichternd ausgerufene Tendenz: CIOs müssen die Analyse von großen Datenmengen in die strategische Informationsarchitektur integrieren. Darin stimmen die GULP-Mitglieder mit den Aussagen von Gartner, Bitkom, IDC und Experton überein. Weg vom Datensammeln, hin zum Analysieren und Vorhersagen ableiten, auf denen die Unternehmensentwicklung fußt, das ist die Quintessenz aus der Vermählung von Big Data und Business Intelligence.

Cybersecurity-Datenschutz-TrendAls echten Trend erkennen die Befragten auch die Digitalisierung der Gesellschaft, unter die auch das Internet der Dinge fällt: Über 82 Prozent gehen davon aus, dass sie stattfinden wird. Und auch die Annahme, dass Cybersecurity und Datenschutz zusammenwachsen, sehen die Teilnehmer als tatsächliche Tendenz. Insbesondere eine Studie von PriceWaterhouseCoopers geben sie recht. Da nur noch knapp 11 Prozent glauben, dies sei eine Luftblase, ist das Thema klarer Sieger der gefühlten Realitätsnähe.

Die ausführliche Auswertung der Umfrage stellt GULP im Internet bereit und reichert sie mit Links zu den Originalen der Marktforscher-Vorhersagen und zu früheren Befragungen an.

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