Firmentaugliches Wohnzimmer-NAS Qnap TS-470 im Test

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Mit dem NAS TS-x70 richtet sich Qnap an Nutzer mit Ansprüchen. Es gibt kaum ein Feature, das der Netzwerkspeicher nicht bietet, selbst als Wohnzimmer-PC lässt er sich nutzen. Eigentlich möchte der Hersteller allerdings KMUs ansprechen. Die müssen zwar etwas tiefer in die Tasche greifen – es könnte sich aber lohnen.

Mit gut 900 Euro für die 4-Bay-Variante TS-470 ohne Festplatten ist das aktuelle NAS von Qnap kein Schnäppchen. Dafür hat es alleine auf Seiten der Hardware einiges zu bieten. Herauszuheben sind vor allem die vier Gigabit-Ethernet-Ports auf der Rückseite. Zwei davon sind über eine PCI-Express-Erweiterungskarte eingebunden. Qnap bietet eine entsprechende PCIe-Karte mit zwei 10-Gigabit-Ethernet-Ports. Wer noch einmal rund 500 Euro für die Erweiterungskarte ausgibt und auf solche Bandbreiten angewiesen ist, kann das cNAS entsprechend umrüsten. Zudem lassen sich die einzelnen Netzwerkverbindungen dank Link Aggregation (802.3ad, LACP) zusammenschalten. Datenraten von 432 (schreibend) bis 450 (lesend) MByte/s sollen dann möglich sein.

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Alleine diese Möglichkeiten zeigen, dass der Hersteller auf professionelle Nutzer abzielt. Diesen Anspruch vervollständigt ebenso der 2,6 GHz starke Intel Celeron, dem zwei GByte DDR3-RAM zur Seite stehen. Die Rechenpower sorgt auch beim parallelen Zugriff mehrere Clients für die nötige Leistung, um Daten auszuliefern und zu verarbeiten.

Trotzdem kommt das Qnap TS-470 mit 4 HDDs im Test mit einem Verbrauch von moderaten 58 Watt aus – und das unter Last. Ohne Zugriff von außen (Idle-Modus) zieht das im Gehäuse integrierte Netzteil 40 Watt, im Ruhemodus sind es 23 Watt. Das sind Werte, bei denen man sich keine Sorge um zu hohe Stromrechnungen machen muss.

Hardware austauschbar

Moderne NAS gleichen immer mehr voll ausgestatteten Computern – auch das TS-470, das dadurch nicht nur einen großen Funktionsumfang bietet, sondern auch aufrüstbar ist. So lässt sich der Prozessor auf Wunsch austauschen, da es sich um ein herkömmliches Sockel-Modell handelt. Den Arbeitsspeicher darf man ebenso aufrüsten, einer von zwei SO-DIMM-Slots ist sogar noch frei.

Auf der Rückseite stehen je zwei USB-2.0- und USB-3.0-Ports zum Anschluss von externen Speichermedien, Druckern oder Maus und Tastatur bereit. Denn das NAS lässt sich tatsächlich wie ein PC direkt per Maus/Tastatur steuern (dazu später mehr), was den Eindruck, eigentlich einen Mini-PC vor sich zu haben, noch verstärkt. Hinzu kommen zwei eSATA-Ports, ein HDMI-Ausgang sowie Audio- und Mikrofonanschlüsse.

Beim USB-Port auf der Vorderseite hat sich Qnap nur für USB 2.0 entschieden. Das ist schade, denn der Anschluss ist tatsächlich sehr praktisch: Per Knopfdruck werden Dateien vom angestöpselten USB-Speicher auf das NAS kopiert – oder umgekehrt. Über die Administrationsoberfläche (dazu weiter unten mehr) bestimmt der Anwender, welche Verzeichnisse als Quelle und Ziel dienen.

Flexible Speicherverwaltung

Neben herkömmlichen HDDs unterstützt das TS-470 wie die größeren Modelle TS-670 und TS-870 auch SSDs als Netzwerkspeicher. Mehr noch: Eine SSD lässt sich statt als Massenspeicher als Cache nutzen. Diese steht damit nicht per zur Speicherung von Dateien Verfügung, soll aber gerade bei gleichzeitigen Zugriffen vieler Clients die Wartezeit jedes einzelnen Nutzers deutlich verkürzen.

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Wem die Zahl der Festplattenschächte später nicht mehr ausreicht, hat über RAID-Erweiterungsgehäuse die Möglichkeit, bis zu 36 weitere Festplatten und damit maximal 144 TByte hinzuzufügen. Allerdings sind die empfohlenen Expansionseinheit REXP-1200U-RP und REXP-1600U-RP mit 2500 beziehungsweise 3000 Euro nicht gerade günstig. Hier müssen selbst KMUs mit höchsten Ansprüchen langsam nachdenken, was noch bezahlbar ist. Immerhin: Wer auf die Erweiterung angewiesen ist, hat die Möglichkeit dazu.

Das NAS geht dabei sehr flexibel mit dem vorhandenen Speicherplatz um: Der Nutzer legt auf Wunsch virtuelle Volumes bestehenden aus mehrere RAID-Verbünden an, die tatsächlich vorhandenen Festplatten spielen dabei fast keine Rolle mehr. Thin Provisioning und Speicherrückforderung erlauben dem Administrator, Speicherkapazitäten nach Bedarf zuzuweisen und anschließend wieder anderen Volumes bereitzustellen.

Dass der Speicherplatz nicht nur als Netzlaufwerk, sondern alternativ per iSCSI bereitgestellt wird, passt zu einem NAS dieser Kategorie. Die iSCSI-Laufwerke profitieren ebenfalls vom flexiblen Umgang mit virtuellen Volumes. Hier bedient Qnap abermals professionelle Ansprüche. Dazu zählt auch die Hot-Spare-Funktion: Das TS-470 hält in einem RAID-Verbund eine Festplatte quasi auf Reserve.

Diese Ersatz-HDD übernimmt im Falle eines Hardware-Ausfalls den Job der defekten Festplatte. Das RAID rekonstruiert die Daten auf der Reserveplatte und kann wiederum ausfallsicher weiterarbeiten. Unternehmen können so im Ernstfall praktisch ohne Unterbrechung und im Normalfall ohne Datenverlust weiterarbeiten. Allerdings: Das TS-470 mit seinen lediglich vier Festplatten macht ein RAID 6 oder 10 samt Hot Spare unmöglich. Hier müssen KMUs auf das Modell TS-670 oder TS-870 setzen.

Erstklassiges Betriebssystem

Fast noch wichtiger als eine starke Hardware ist bei einem NAS die Software. Sie regelt, welche Dienste im Netzwerk angeboten werden und welche zusätzlichen Funktionen, die über das Lesen und Schreiben von Dateien hinausgehen, zur Verfügung stehen. Diese Aufgaben übernimmt im TS-470 das neue Qnap-Betriebssystem QTS 4.0.

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Das neue Qnap-Betriebssystem QTS 4.0 macht die Handhabung der zahlreichen Funktionen einfach.

Es ist per Web-Interface erreichbar und erinnert in Aussehen und Bedienung stark einem Desktop-OS à la Windows oder Mac OS. Anwender nutzen die vorinstallierten Apps, die bestimmte Funktionen zur Verfügung stellen, oder installieren über das App Center weitere Programm. Hier hat Qnap eindeutig von iOS und Android gelernt. Dem Nutzer kann das nur recht sein. Denn neben einer intuitiven Bedienung steht ihm auf diese Weise ein riesiger Funktionsumfang zur Verfügung, der kaum Wünsche offen lässt.

Auch Teilzeit-Admins sollten mit dem aufgeräumten und übersichtlichen Interface zurechtkommen. Verknüpfungen lassen sich auf dem Desktop von QTS 4.0 anlegen, auf dem auch mehrere Programmfenster parallel dargestellt werden. Über die Systemsteuerungs-App richten Anwender die grundlegenden Funktionen der TS-470 ein. Speichermanagement, Standby-Modi, E-Mail- oder gar SMS-Meldungen, etwa bei Überschreitung einer gewissen Speichermenge, Verwaltung von externen Geräten und Benutzern sowie deren Berechtigungen und vieles mehr.

Jedes noch so kleine Detail – beispielsweise die Sperrung von IP-Adresse, der Betrieb des NAS nur zu Geschäftszeiten oder sogar Lüfterprofile – wird hier geregelt. Außerdem bietet der Testkandidat mehr als ein Dutzend Netzwerkdienste und arbeitet etwa als FTP-, VPN-, RADIUS-, E-Mail- oder Webserver samt PHP und MySQL. UPnP und Bonjour, ein iTunes-Server und DLNA-Support gehören ebenfalls zum Funktionsumfang.

Dass die NAS Freigaben per CIFS/SMB und AFP im Netzwerk bereitstellt, gerät da fast schon zur Nebensache, auch wenn es sich um das wohl meistgenutzte Feature handeln dürfte. Zur einfacheren Nutzerverwaltung greift die TS-470 in einem Firmennetzwerk auf die User-Verzeichnisse von Windows Active Directory oder eines LDAP-Servers zurück. Admins ersparen sich damit, Benutzer und Benutzergruppen samt deren Zugriffsrechte erneut anzulegen.

Zu viele Features?

Neben den Basics bietet das TS-470 Optionen, die sich wiederum eher an private Nutzer, je nach Branche aber natürlich auch an Firmen richten. Dazu zählen etwa die Apps Photo Station, Video Station und Music Station, die entsprechende Medien nicht nur im Netzwerk, sondern auf Wunsch auch online per Stream bereitstellen. Die HD Station verwandelt die NAS endgültig in einen Desktop-PC. Es handelt sich um eine Art Betriebssystem im Betriebssystem, das sein Bild über den HDMI-Anschluss ausgibt sowie per Maus und Tastatur gesteuert werden kann.

Ein Netzwerkzugriff ist damit nicht mehr nötig, zumal die Konfiguration durch das in der HD Station enthaltene Modul MyNAS glückt – wenn auch nicht bis ins kleinste Detail, dafür muss der Admin immer noch den Weg über das Webinterface gehen. Zu den weiteren Modulen zählen Google Chrome, eine YouTube-App und das XBMC. Über dieses Mediacenter geben Anwender Videos und Fotos direkt auf einem angeschlossenen Fernseher wieder. Die ansprechende Benutzeroberfläche und weitere Features wie der automatische Download von Filmplakaten und -infos oder die Unterstützung zahlreicher Dateiformate und Codecs machen das XBMC zu einem echten Mehrwert – wenn der Anwender derlei “Spielereien” tatsächlich nutzt.

Cloud ist nicht gleich Cloud

Natürlich kommt ein modernes NAS nicht mehr ohne das Thema “Cloud” aus, wobei es sich streng genommen gar nicht um eine Cloud handelt. Denn genau das ist bei vielen Firmen verständlicherweise unbeliebt: Die Speicherung sensibler Unternehmensdaten auf fremden Servern, die wie bei Dropbox & Co. womöglich noch im Ausland stehen. Eine eigene “Cloud” unter Kontrolle der Firmenleitung aufzubauen, ist aber mit der TS-470 ebenso möglich.

Der Zugriff von außen geschieht auf Wunsch ausschließlich per VPN-Verbindung. Zudem gibt es Apps für iOS und Android sowie Clients für Windows und Mac OS X, um nicht nur bequemer an die NAS-Dateien zu gelangen, sondern auch eine automatische Synchronisation zwischen mehreren Geräten (auch unterschiedlicher Nutzer) einzurichten – hier lassen Dropbox, Google Drive und Microsoft SkyDrive grüßen. Apropos: Diese und weitere Anbieter von Cloud-Speicher (z.B. Amazon S3) dienen auf Wunsch als Backup-Ziel für Sicherungen der NAS-Daten. Damit wandern diese jedoch tatsächlich in die Cloud, worüber Anwender sich klar sein sollten. Im Fall der Fälle – wie Diebstahl oder Feuerschäden – stehen die Dateien somit aber immerhin noch zur Verfügung.

Fazit

Es stellt sich die Frage, ob das TS-470 Pro und seine Verwandten TS-670 und TS-870 für den reinen Heimgebrauch nicht etwas überdimensioniert und damit zu teuer sind. Für den Einsatz in kleinen und mittelständischen Betrieben bringen sie dagegen ordentlich Leistung und reichlich Features mit. Die Funktionen zur Verwaltung und Wiedergabe von Multimedia-Inhalten wird man hier aber wohl eher selten brauchen.

Unser einziger großer Kritikpunkt zielt also auf die Frage ab, wen der Hersteller mit seiner neuen NAS-Serie überhaupt als Zielgruppe anvisiert. Am Ende könnten sich weder die einen noch die anderen angesprochen fühlen. Technisch gesehen liegt die TS-x70-Serie aber absolut auf der höhe Zeit und ist ihr manchmal sogar etwas voraus. Wer die gebotenen Funktionen benötigt und bereit ist, das nötige Kleingeld auf den Tisch zu legen, wird nicht enttäuscht. Er wird mit einer fast unüberschaubaren Funktionsfülle belohnt, die aber dank des ausgezeichneten Betriebssystems QTS 4.0 trotzdem recht einfach zu handhaben ist.

QNAP TS-470
Hersteller: Qnap
Internet: www.qnap.com/de
Preis (ohne Festplatten): ca. 900 Euro (TS-670: ca. 1.000 Euro / TS-870: ca. 1200 Euro)

ITespresso Testurteil sehr gut

Lieferumfang
TS-470 inkl. vier Wechselrahmen und Schrauben
Gigabit-Ethernet-Karte (bereits montiert)
Netzkabel
4 Netzwerkkabel
Schnellstart-Anleitungen und Software-CD

Note: sehr gut
Leistung (40%): sehr gut
Funktionsumfang (25%): sehr gut
Bedienung (30%): sehr gut
Dokumentation (5%): gut