Praxistest: Livescribe 3 Smartpen – Digitalstift fürs iPad

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Der neue Smartpen von Livescribe will mehr sein, als ein Stift zum Digitalisieren von Notizen. In Kombination mit einer iOS-App lassen sich handschriftliche Notizen in Text umwandeln, weiterbearbeiten und sogar mit Sprachaufnahmen oder Fotos ergänzen. Der Praxistest von ITespresso zeigt, wo das gut funktioniert – und wo es noch Probleme gibt.

Es gibt Situationen, bei denen man mit Tastatur und Maus einfach nicht so recht klarkommt. Zum Beispiel, wenn man während eines Vortrags mitschreiben will und dabei vielleicht Skizzen abzeichnet. Das geht für die meisten Menschen auf Papier immer noch besser als mit einem Notebook oder Tablet. Vor allem, wenn man nicht gerade ein geübter Zehnfinger-Schreiber ist.

Und selbst geübte Tipper ziehen gelegentlich die handliche Kombination aus Stift und Papier vor. Außerdem könnte das Geklackere der Tastatur den Nebenmann stören – falls amn so viel Feingefühl hat. Es gibt also einige gute Gründe für Stift und Papier.

Kugelschreiber mit iPad-Anschluss

Das machen sich die Anbieter von digitalen Stiften zu Nutze. Die Stifte sind gewissermaßen Kugelschreiber mit Computeranschluss. Die Grundidee ist bei allen Stiften gleich: Notizen und Skizzen macht der Anwender bequem auf Papier – ganz wie in der guten, alten analogen Zeit. Die Notizen werden aber zusätzlich digitalisiert und auf den PC übertragen. Dort tritt gegebenenfalls noch eine Handschrifterkennung in Aktion, die das Geschriebene in Text umwandelt.

Das kalifornische Unternehmen Livescribe versucht mit seinem neuen Smartpen, dem Livescribe 3 Smartpen, diese Idee noch weiter zu treiben und kombiniert den Stift mit der App Livescribe+, die zahlreiche Funktionen zur Bearbeitung der Notizen bietet. Zum Marktstart gibt es die App nur für Apples iOS, andere Mobilbetriebssysteme sollen aber bald folgen.

Handschriftliche Notizen und Zeichnungen werden in Livescribe sehr präzise digitalisiert.
Handschriftliche Notizen und Zeichnungen werden in Livescribe sehr präzise digitalisiert.

Das Konzept ist vielversprechend. Wie bei den Mitbewerbern schreibt der Anwender auf einem Notizblock. Das ist allerdings kein gewöhnlicher Block, sondern einer mit speziell bedrucktem Papier. Darauf sind am Rand kleine Icons gedruckt, die beim Drauftippen mit dem Stift Funktionen auslösen. Außerdem erkennt die iOS-App automatisch, auf welcher Seite der Anwender gerade schreibt oder zeichnet. Das Geschriebene erscheint dann auf dem iPad und kann gespeichert und auf vielfältige Weise bearbeitet werden.

Elegant, hochglänzend, aber für kleine Hände ein bisschen groß geraten ist der Smartpen von Livescribe (Foto: Livescribe).
Elegant, hochglänzend, aber für kleine Hände ein bisschen groß geraten ist der Smartpen von Livescribe (Foto: Livescribe).

Technikpaket im Stift

Livescribe hat eine Menge Technik in den Smartpen eingebaut. Eine Infrarotkamera, ein ARM-Prozessor, ein Bluetooth Smart-Chipset (Version 4.0), ein Flash-Speicher und nicht zu vergessen, die Lithium-Ionen-Batterie. Am oberen Ende hat der Stift die übliche Gummispitze. So kann man ihn auch für Eingaben auf einem kapazitiven Touchdisplay nutzen.

Die Technik an Bord ist wohl auch die Ursache dafür, dass der Stift für einen Kugelschreiber etwas groß geraten ist. Wer eher kleine Hände hat, wird den Smartpen möglicherweise als klobig empfinden. Und der glattpolierte Kunststoff sieht zwar gut aus, doch eine rutschfeste Oberfläche im Griffbereich hätte nicht geschadet.

Schnelle Verbindung zum iPad

Bevor man loslegen kann, muss man sich zuerst die Livescribe App aufs iPad herunterladen und installieren. Die Verbindung mit der Livescribe-App im iPad – das sogenannte Pairing – funktioniert perfekt. Für die Datenübertragung kommt das sehr energieeffiziente Bluetooth Smart zum Einsatz. Stift einschalten und sofort steht die Verbindung. Wenn man dann auf dem Livescribe-Notizblock schreibt, erscheinen die Wörter nach kurzer Verzögerung auf dem Display.

Allerdings kann man nicht ganz bis an den Rand schreiben, ungefähr einen Zentimeter Abstand sollte man schon lassen, denn alles was auf dem Papier zu nahe am Rand ist, wird von der App ignoriert. Das gilt vor allem, wenn man den Stift einmal ohne das iPad nutzt. Das geht nämlich auch und ist sehr praktisch. Der Anwender schreibt dann auf dem Notizblock und der Stift speichert die Notizen.

Laut Hersteller passen bis zu 20.000 Seiten in den Flash-Speicher des Stifts. Das iPad muss erst mal gar nicht dabei sein. Wenn dann zu Hause oder im Büro iPad und Stift eingeschaltet sind, werden die im Stift gespeicherten Aufzeichnungen oder Skizzen automatisch übertragen.

Die Qualität der Darstellung ist – auch bei Zeichnungen – dank der präzisen Infrarotkamera sehr gut. Handschriften und Zeichnungen werden sehr detailliert und exakt in die Livescribe-App übertragen. Die App erkennt auch sofort, auf welcher Seite des Notizbuchs man gerade schreibt. Dafür eben benötigt das System das speziell darauf abgestimmte Papier. Darauf sind fürs Auge nicht oder kaum sichtbare Punktmuster gedruckt, aus denen die App die Angabe der korrekten Seitenzahl bezieht.

Die ersten Schritte gehen sehr unkompliziert vonstatten, ein kleines Lernprogramm hilft beim Einstieg. Wichtig für viele Anwender, die heute ganz selbstverständlich in mehreren Sprachen arbeiten: Für die Software sind Deutsch und Englisch als Sprachpakete verfügbar.

Das blaue Licht signalisiert, dass Stift und die Livescribe App miteinander verbunden sind.
Das blaue Licht signalisiert, dass Stift und die Livescribe App miteinander verbunden sind.

Schrift nicht veränderbar

Zwei Nachteile zeigen sich nach einigen Tagen Nutzung. Man kann nämlich innerhalb eines Notizblocks nicht mehrere verschiedene Themen anlegen. Alle Aufzeichnungen, egal zu welchem Themenbereich, landen im selben virtuellen Notizbuch.

Außerdem ist es nicht möglich, die Strichstärke und die Farbe der Schrift in der App zu ändern. Unterschiedliche Farben helfen bekanntlich, Aufzeichnungen übersichtlicher zu gestalten. Eigentlich sind das naheliegende Funktionen, die Livescribe hoffentlich in einem Update für die App noch einbaut.

Handschriftenerkennung

Trotz dieser kleinen Macken hat die Livescribe-App einiges zu bieten. Wenn Text und Zeichnungen importiert sind, kann der Anwender diese weiterverarbeiten. Er muss nur mit dem Finger über eine Zeile wischen, dann wird diese erstaunlich schnell in Text umgewandelt, vorausgesetzt, der Anwender hat eine deutliche Handschrift. Undeutliches Gekrakel hat hier keine Chance. Mit einem einfachen Wisch nach links kann man die Umwandlung in Text im Nu rückgängig machen.

Nur die beschriebenen Seiten des Notizblocks tauchen in der Livescribe App auf.
Nur die beschriebenen Seiten des Notizblocks tauchen in der Livescribe App auf.

Nach dem ersten Import schaltet man in die Ansicht “Feed” um, in der die eigentlichen Optionen zur Bearbeitung abrufbar sind. Hier unterteilt Livescribe die handschriftlichen Notizen vor der Weiterbearbeitung in Felder, sogenannte Snippets. Die Bearbeitung bezieht sich dann jeweils auf ein solches Snippet.

Die Snippets sind unterschiedlich groß, einmal umfassen sie nur eine Zeile, ein andermal drei Zeilen, dann wieder einen ganzen Absatz. Für den Anwender ist aber nicht ganz klar, nach welchen Kriterien die App den Umfang der Snippets festlegt.

Die Stärken des Programms liegen sicher darin, dass man den so erkannten Text dann beliebig weiterverarbeiten kann. Termine und Aufgaben kommen in den Kalender, Webadressen werden direkt angesteuert, Telefonnummern direkt angewählt werden, wenn die App auf einem iPhone installiert ist. Auch das Speichern in Webdiensten wie Evernote oder Dropbox ist problemlos möglich.

Das Menü der Livescribe App auf der linken Seite.
Das Menü der Livescribe App auf der linken Seite.

Am häufigsten wird man wohl die PDF-Option verwenden, mit der Dokumente schnell in PDFs umgewandelt und dann beispielsweise weiterversandt werden können. Daneben kann man auch mit dem iPad oder iPhone ein Foto machen und in die Notizen integrieren.

Ein Highlight von Livescribe+ sind die Pencasts. Damit kann man Audioaufnahmen in die Notizen einfügen. Dazu tippt man mit dem Stift auf das entsprechendes Symbol links unten. Das Mikrofon sitzt nicht etwa im Stift, vielmehr wird damit das im iPad integrierte Mikrofon aktiviert.

Neben der Kugelschreiberspitze ist eine kleine Infrarotkamera eingebaut. (Foto: Livescribe)
Neben der Kugelschreiberspitze ist eine kleine Infrarotkamera eingebaut (Foto: Livescribe).

Im Praxistest hat das Aufnehmen allerdings noch nicht funktioniert, sondern nur die Meldung produziert, man müsse das Mikrofon in der “Einstellungs-App” aktivieren. In dieser findet sich aber keine entsprechende Funktion. Sicher gibt es eine Lösung hierfür. Doch für Apple-Anwender, die ein besonders intuitives und flüssiges Arbeiten mit dem iPad gewohnt sind, ist das nicht optimal.

Akkulaufzeit und Support

Laut Hersteller liegt die Akkulaufzeit bei 14 Stunden, im Test hat das Gerät auch nach mehreren Stunden keine Schwächen gezeigt. Aufgeladen wird der Stift übrigens über den Micro-USB-Anschluss, der unter der Gummikappe des Stifts verborgen ist.

Unterstützung für Android geplant

Livescribe 3 ist kompatibel mit allen iOS-Geräten, die Bluetooth Smart unterstützen. Dazu gehören das iPhone ab Version 4S, iPads ab der dritten Generation sowie das iPad Mini und der iPod Touch ab der fünften Generation.

Android wird zunächst noch nicht unterstützt. Das liegt einerseits daran, dass Livescribe den Smartpen im ersten Anlauf als Premium-Produkt vermarkten will, und das geht mit Apple einfach besser. Es hat aber auch einen technischen Grund. Viele Android-Handys bieten noch keine Unterstützung für das aktuelle, Strom sparende Bluetooth Smart. Das ist erst bei den neueren Geräten mit der Android-Version “Jelly Bean” 4.3 der Fall. Damit erst sind die angegebenen 14 Stunden Betriebszeit für das Gerät möglich.

Wie auch immer, der Android-Markt lässt sich auf Dauer nicht ignorieren. Livescribe hat jedenfalls angekündigt, schon bald auch eine Version des Smartpen für Android auf den Markt zu bringen.

Mit der Gummispitze lässt sich der Stift von Livescriber auch zur Bedienung des Touchdisplays nutzen. (Foto: Livescribe))
Mit der Gummispitze lässt sich der Stift von Livescribe auch zur Bedienung des Touchdisplays nutzen (Foto: Livescribe).

Hilfe und Einführung in das Produkt gibt es auf der Website des Herstellers. Fortgeschrittene Fragen beantworten die Knowledge Base und das Forum – allerdings nur in Englisch.

Der Livescribe 3 Smartpen ist in zwei Varianten erhältlich. Eine Variante für 149,95 Euro umfasst den Stift in Schwarz und Chrom mit einem 50-Blatt Starter-Notizblock sowie ein Micro-USB-Ladekabel und eine schwarze Kugelschreibermine (Wolframcarbid) mittlerer Schreibstärke. Die teurere Version kostet 199,95 Euro und ist nur im Apple Store erhältlich. Dafür gibt es zusätzlich eine Lederhülle, eine zusätzliche Mine, einen Block mit 100 Blatt und ein Jahresabo für Evernote Premium.

Fazit

Mit Livescribe 3 Smartpen ist dem Hersteller ein interessantes und leistungsfähiges Produkt gelungen. Auch das edle Design gefällt. Die Livescribe-Lösung ist im Vergleich zu Mitbewerbern wie Aipteks My Note oder dem Digitalstift von Staedtler deutlich eleganter und passt so gesehen gut in die iPad-Welt. Allerdings vermisst man im Alltag einige Funktionen, beispielsweise die Möglichkeit, die Schriftfarbe zu ändern oder mehrere Themenfelder oder Kapitel anzulegen. Ein Update sollte diese Mängel noch beheben.