Hersteller zweifeln Überwachung ausgeschalteter Handys an

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nsa-auge (Bild: ZDNet.de)

Schalte man das Handy aus, seien nur noch einzelne Teile der Hardware aktiv, erklären die Hersteller. Es könnten jedoch keine Signale mehr übertragen werden. Das in einer Meldung der Washington Post erklärte Tracking-Verfahren ist nach Angaben von Ericsson nur möglich, wenn auf dem Telefon vorab Schadsoftware eingeschleust wurde.

Einige Handyanbieter zweifeln einen Bericht der Washington Post an, wonach die NSA seit 2004 auch ausgeschaltete Geräte tracken kann. Sie halten dies für nahezu ausgeschlossen. Denkbar sei es ihrer Ansicht nach nur, wenn bisher unbekannte Schadsoftware auf den Mobiltelefonen installiert sei.

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Bereits im Juli hatte die Washington Post über derartige Möglichkeiten der NSA berichtet. Die Zeitung berief sich dabei auf Informationen von Mitarbeitern des United States Joint Special Operations Command (JSOC), zu dessen Aufgaben die Terrorismusbekämpfung zählt. “The Find” nannten die Mitglieder dieser Truppe das Tracking-Verfahren, das ihnen tausende neuer Ziele lieferte, unter anderem auch Al-Qaida-Kämpfer im Irak.

Sicherheitsexperten konnten keine technische Erklärung dafür finden und waren bis dato ratlos. Im August forschte die britische Menschenrechtsorganisation Privacy International daher bei den Handyherstellern nach. Der Forschungsbeauftragte Richard Tynan fragte explizit nach Hardwarekomponenten und Betriebssystemen, die auch bei ausgeschaltetem Mobiltelefon noch funktionieren. Während sich Microsoft, Apple, Blackberry sowie HTC zu dem Thema ausschwiegen, lieferten vier weitere Anbieter Antworten auf diese Fragen.

“Wenn ein Mobilgerät mit Android OS abgeschaltet wird, bleibt kein Teil des Betriebssystems aktiv oder versendet ein Signal”, teilte Google knapp mit. “Google verfügt über keine Möglichkeit, ein Gerät aus der Ferne einzuschalten.”

“Ohne eine Energiequelle ist es unmöglich, ein Signal zu senden, da die Komponenten inaktiv sind”, schrieb Samsungs Vizepräsident Hyunjoon Kim. Ausgeschaltete Handys könnten aus diesem Grund nicht nachverfolgt oder von Dritten überwacht werden.

“Unsere Geräte sind so konzipiert, dass die kombinierten Sender-Empfänger keinen Strom mehr erhalten sollten”, erläutert auch Nokia-Manager Chad Fentress. “Wir sind uns keiner Methode bewusst, mit der sie reaktiviert werden können, bevor der Nutzer das Gerät wieder anschaltet. Wir glauben daher, dass das Gerät nicht nachverfolgt werden kann.” Lediglich einzelne Komponenten wie die Echtzeituhr und der Ladestromkreis seien auch noch nach der Abschaltung des Handys aktiv.

Nokias Antwort sei sehr nuanciert formuliert, merkt Tynan allerdings gegenüber Ars Technica. Auffällig sei das Wort “sollten”, da damit nicht gesagt werde, dass die Sender-Empfänger tatsächlich abgeschaltet sind.

Ericsson, das selbst keine Handys mehr produziert, schloss immerhin die Möglichkeit nicht aus, dass Schadsoftware im Spiel sein könnte. Normalerweise sollten in einem ausgeschalteten Mobiltelefon höchstens der Quarzoszillator für die Messung der Zeit sowie eine Komponente, die die Betätigung des Einschaltknopfes und den Anschluss eines Ladegeräts erkennt, aktiv sein. Nicht völlig auszuschließen sei aber eine Einflussnahme durch Malware, während das Mobiltelefon angeschaltet ist. Auch Samsung verwies auf mögliche “Spyware, die vortäuscht, dass der Akku vollständig entleert ist”.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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