Fujitsu: Vorteile durch Entwicklung und Produktion in Deutschland

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Am Rande des Fujitsu Forums in München sprach ITespresso mit Fujitsu-Manager Rupert Lehner. Der Senior Vice President Managing Director Sales für Deutschland berichtet dabei aus seiner Sicht über den deutschen Markt und erklärt wie Fujitsu sich von der Konkurrenz abheben will. Wichtiges Trumpf dabei: Der Standort Augsburg.

ITespresso: Welche Ziele hat Fujitsu in Deutschland?

Lehner: Wir sind global ausgerichtet und haben deshalb auf dem deutschen Markt die gleichen Ziele wie international. Wir konzentrieren uns allerdings stark darauf, unser Lösungs- und Servicegeschäft in Kombination mit Angeboten im Bereich der IT-Infrastruktur weiterzuentwickeln. Denn hier sehen wir auch die größten Veränderungen im deutschen Markt.

ITespresso: Was sind die Besonderheiten des deutschen IT-Marktes?

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“Ein entscheidender Vorteil für uns ist, dass wir in Augsburg eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung und eine Produktion haben”, erklärt Fujitsu-Manager Rupert Lehner (Foto: Fujitsu).

Lehner: Die Unterschiede zwischen den Märkten sind nicht mehr so groß. Aber bemerkenswert ist, dass deutsche Unternehmen immer mehr die Fähigkeit entwickeln, internationale Märkte zu bedienen und grenzübergreifend zu agieren. Genau auf diese Unternehmen müssen wir uns einstellen.

ITespresso: Damit zielen sie in erster Linie auf die größten Unternehmen …

Lehner: Nein, keineswegs, wir beobachten auch bei den kleineren und mittelständischen Unternehmen, dass sie verstärkt international unterwegs sind. Das sieht man zum Beispiel bei Zulieferbetrieben für die Autoindustrie.

ITespresso: Welcher Bereich von Fujitsu ist in Deutschland besonders stark?

Lehner: Sehr wichtige Kunden für uns sind natürlich Verwaltung und Behörden in Bund, Land und Kommunen. Hierbei geht es um IT-Lösungen für Themen wie Soziale Sicherheit und Health Care, wobei sie es beim zweiten Thema natürlich nicht nur mit öffentlichen Einrichtungen zu tun haben, sondern zunehmend auch mit Unternehmen, die im Health-Care-Bereich tätig sind.

ITespresso: Vermarktet Fujitsu Lösungen für kleinere Unternehmen hauptsächlich über Partner?

Lehner: Wir machen 80 Prozent unseres Geschäfts über den Channel. Vor allem im Mittelstandsbereich machen wir unsere Geschäfte sehr stark zusammen mit Partnern. Da gibt es dann auch Geschäfte, die ausschließlich von unseren Partnern adressiert werden. Aber auch beim Geschäft mit Großkunden läuft es manchmal so, dass wir zwar direkten Kontakt zu dem jeweiligen Kunden haben, die konkreten Details des Geschäfts aber von den Partnern abgewickelt werden.

ITespresso: Wie setzt sich Fujitsu eigentlich von Mitbewerbern wie HP, IBM oder Dell ab? Das Angebot ist doch sehr ähnlich…

Lehner: Ein entscheidender Vorteil für uns ist, dass wir in Augsburg eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung und eine Produktionsstätte haben. Da werden nicht nur PCs assembliert, da wird auch Forschung und Entwicklung betrieben. Einige Forschungsbereiche wurden von der japanischen Konzernzentrale auch ganz bewusst nach Augsburg verlegt, beispielsweise der ganze Storage-Bereich. Natürlich arbeiten die Kollegen in Augsburg mit den japanischen Kollegen eng zusammen.

Weil wir die PCs in Augsburg zusammenbauen, können wir unseren Kunden in Deutschland auch spezielle Services anbieten. Wir können Ihnen beispielsweise PCs anbieten, die nach ihren Bedürfnissen individuell konfiguriert sind.

ITespresso: Wie läuft das konkret?

Lehner: Da wird eine Golden Disc mit der gewünschten Software-Konfiguration erstellt und dann alle PC damit betankt. Damit können wir alle Arbeitsplätze in dem jeweiligen Unternehmen mit fertig installierten Desktops ausstatten.Der lokale Ansatz, also die Möglichkeit mit den Kunden vor Ort zusammen zu arbeiten, und individuelle Lösungen zu finden, ist für uns sehr wichtig.

ITespresso: Wie viele Mitarbeiter hat Fujitsu in Deutschland?

Lehner: Insgesamt sind das etwa 6000. In der Produktion haben wir etwa 800 fest angestellte Mitarbeiter. Bei Forschung und Entwicklung, sind das etwa 1000 bis 1500 Menschen, die beispielsweise auch in der Software-Entwicklung arbeiten.

Fujitsu-Manager Rupert Lehner im Gespräch mit ITespresso-Autor Mehmet Toprak.
Fujitsu-Manager Rupert Lehner im Gespräch mit ITespresso-Autor Mehmet Toprak.

ITespresso: Viele große Unternehmen leisten sich auch Forschungsabteilungen, bei denen man einfach mal “ins Blaue hinein” forschen darf, ohne konkreten Entwicklungsauftrag.

Lehner: Das ist bei uns auch nicht anders, dafür haben wir unsere Innovation-Center.

ITespresso: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends für die nächsten Monate?

Lehner: Die Cloud wird wichtig bleiben, und zwar in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Da müssen IT-Manager sich überlegen, welche Daten oder Programme sie tatsächlich einem externen Dienstleister anvertrauen, und welche sie vielleicht lieber im eigenen Rechenzentrum, in einer Private Cloud verwalten. Auch Big Data und die damit verbundenen Speichertechnologien werden immer wichtiger.

Fujitsu Lifebook T904
Das auf dem Fujitsu Forum vorgestellte Lifebook T904 ist nur 17 Millimeter dick und als Highend-Convertible für Manager konzipiert (Foto: Fujitsu).

ITespresso: Stören die aktuellen Enthüllungen um die Spionagepraktiken des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA die Gespräche mit den Kunden in Deutschland?

Lehner: Grundsätzlich würde ich nicht behaupten, dass sich viel verändert hat. Den CIOs oder IT-Administratoren war immer schon klar, dass die vernetzte Welt solche Risiken mit sich bringt. Aber wir merken schon, dass die aktuelle Diskussion die Sensibilität bei unseren Kunden nochmal erhöht hat. Aber unsere Geschäftsstrategie müssen wir deshalb nicht verändern. Wir betreiben zum Beispiel in Deutschland eigene Rechenzentren, über die auch unsere Cloud-Lösungen laufen.

ITespresso: Fujitsu gehört er zu den Vorreitern im Bereich Green-IT, beispielsweise mit dem 0-Watt-PC. Das Thema ist aber in den letzten Monaten ziemlich eingeschlafen. Wie wichtig ist das Thema für Fujitsu noch?

Lehner: Das ist logischerweise immer noch sehr wichtig. Wir überlegen uns schon bei der Entwicklung eines Produkts, wie am Ende des Life Cycle die Entsorgung aussehen muss. Außerdem, müssen Sie bedenken, dass gerade die Rechenpower, die heute eingesetzt wird, eine Menge Energie benötigt und diese Energie immer teurer wird. Da kann es passieren, dass ein Unternehmen bei einem Rechenzentrum über die Jahre mehr Geld für den Stromverbrauch und die Klimatisierung des Rechenzentrums ausgibt als für die Anschaffung des Rechenzentrums selbst.

Schon von daher müssen wir auf größtmögliche Energieeffizienz achten. Egal, ob es um Endgeräte geht oder um Rechenzentren, Green-IT spielt eine größere Rolle als je zuvor.

PC-Markt in Deutschland im dritten Quartal 2013 (Gartner)

Anbieter Verkäufe 3. Quartal 2012 Marktanteil 3. Quartal 2012 Verkäufe 3. Quartal 2013 Marktanteil 3. Quartal 2013 Veränderung zum Vorjahr
Lenovo 422.000 15,8 % 396.000 17,3 % -6,1 %
Hewlett-Packard 336.000 12,6 % 304.000 13,3 % -9,6 %
Acer 392.000 14,7 % 274.000 12,0 % -30,1 %
Fujitsu 195.000 7,3 % 214.000 9,4 % 9,7 %
Dell 207.000 7,7 % 205.000 8,9 % -1,0 %
Andere 1.123.000 41,9 % 896.000 39,1 % -20,2 %
Gesamt 2.675.000 100,0 % 2.289.000 100,0 % -14,4 %