Blackberry: Fairfax schießt eine Milliarde Dollar zu und CEO Thorsten Heins ab

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Mit dem Engagement der Pensionskasse ist ein Verkauf des Unternehmens vorerst vom Tisch. Den Posten des bisherigen CEO Thorsten Heins nimmt zunächst der ehemalige Sybase-Chef John S. Chen ein. Er soll eine neue Strategie definieren, “strategische Partnerschaften” schließen und einen passenden Nachfolger suchen. Das soll mindestens sechs Quartale dauern.

Blackberry erhält von Fairfax Financial Holdings, das bereits in wesentlichem Umfang an dem Unternehmen beteiligt ist, eine Finanzspritze in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Offenbar ist das Investment mit Wünschen nach einer Neuausrichtung des Unternehmens verbunden: Thorsten Heins, der den Posten als CEO im Januar 2012 übernommen hatte, wird vom ehemaligen Sybase-Chef John S. Chen abgelöst.

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Die Amtszeit von Thorsten Heisn als CEO bei Blackberry ist nach 22 Monaten nun zu Ende (Bild: Blackberry).

Heins stehen 22 Millionen Dollar Abfindung zu. Er war vor seinem Amtsantritt als CEO bei dem Hersteller bereits als COO aktiv. In seiner Zeit als Chef fiel er vor allem durch großspuriges Auftreten und realitätsferne Prognosen auf: So erklärte er im September 2012, man habe eine “gute Chance, die Plattform Nummer 3 im Markt zu sein” und stänkerte immer wieder gegen iOS – wobei er mit seinen Argumenten technisch gar nicht falsch lag, aber offenbar die Bedürfnisse der Mehrzahl der Anwender und die Marktgegebenheiten völlig verkannte.

Fairfax erhält für seine Finanzspritze Obligationen, die sich sieben Jahre lang zum Kurs von 10,00 US-Dollar in Blackberry-Aktien konvertieren lassen. Dies bedeutet einen Aufschlag von 28,7 Prozent auf den Schlusskurs der Aktie vom 1. November 2013. Würde Fairfax alle Obligationen einlösen, entspräche dies einem Anteil von rund 16 Prozent an Blackberry.

Die Spekulationen über eine Übernahme von Blackberry sind damit obsolet. Neben Fairfax hatten Beobachter auch Facebook, Lenovo und Qualcomm als Interessenten zumindest für Teile des kanadischen Unternehmens ins Spiel gebracht. Möglicherweise wird Chen mit einer oder mehrerer dieser Firmen im Rahmen “strategische Geschäftsbeziehungen” enger zusammenarbeiten.

John S. Chen war ab 1998 CEO und Chairman von Sybase – bis zu dessen Übernahme durch SAP im Jahre 2010. Seine Karriere begann er bei Unisys, später war er unter anderem – wie Heins – für Siemens tätig. Chen sitzt derzeit auch in den Aufsichtsräten der Bank Wells Fargo und der Walt Disney Company.

Der neue Blackberry-CEO erwartet, dass es mindestens sechs Quartale dauert, um eine Kehrtwende einzuleiten. Das sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei auch notwendig, das Führungsteam des Unternehmens weiter umzubauen.

Als sein Ziel nannte er gegenüber Reuters, Blackberry neu aufzubauen. Am Smartphone-Geschäft werde er festhalten. Blackberry besitze “genug Zutaten für den Aufbau eines langfristigen und nachhaltigen Geschäfts.” Details zu seinen Plänen mit Blackberry nannte Chen aber nicht. Reuters zufolge will er sich aber kurzfristig mit Behördenvertretern sowie Kunden aus den Bereichen Finanzen und Telekommunikation in Nordamerika und Europa treffen, um die vorhandenen Geschäftsbeziehungen zu stabilisieren.

Bei Sybase hatte Chen 1998 den Chefsessel übernommen. Er sanierte den damals defizitär arbeitenden Datenbankanbieter und verkaufte das profitable Unternehmen 2010 für 5,8 Milliarden Dollar an SAP. Bei Sybase hatte sich Chen anfangs auf die Reduzierung von Kosten und die Besetzung von Marktnischen konzentriert, statt gegen die Branchenriesen Oracle und IBM anzutreten.

Die Anleger hatten sich offenbar aber den Verkauf von Blackberry gewünscht. Im Tagesverlauf sackte der Kurs der Blackberry-Aktie gestern zweitweise auf 6,40 Dollar ab, den niedrigsten Stand seit September 2012. Am Ende des Handelstages lag sie bei 6,49 Dollar, was einem Minus von 16,41 Dollar entspricht.

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[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de und Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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