Vater des IBM-PCs: William Lowe gestorben

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Der Ingenieur verstarb bereits am 19. Oktober 72-jährig an den Folgen eines Herzinfarkts. Unter seiner Führung ist nach einjähriger Entwicklungsphase IBMs erster Personal Computer – der IBM PC 5150 – entstanden. Lowe verhalf damit auch dem Begriff “Personal Computer” zu Bekanntheit.

Der Ex-IBM-Ingenieur William C. Lowe, unter dessen Leitung der erste Personal Computer des IT-Konzerns entwickelt wurde, ist tot. Lowe starb bereits am 19. Oktober in Lake Forest im US-Bundesstaat Illinois im Alter von 72 Jahren nach einem Herzinfarkt. Dies hat seine Tochter der New York Times mitgeteilt.

William Lowe im Jahr 2007 auf einer Veranstaltung anlässlich des 25. Geburtstages des Commodore 64 (Bild: CNET)
William Lowe 2007 auf einer Veranstaltung anlässlich des 25. Geburtstages des Commodore 64 (Bild: CNET)

Lowe stieß 1962 zu IBM. Anfangs war er für Produkttests zuständig. Anschließend stieg der Ingenieur zum Direktor des IBM-Computerentwicklungslabors in Boca Raton auf. Während dieser Zeit – Ende der Siebzigerjahre – begann der Technologiekonzern auch, sich für den PC-Markt zu interessieren. Damals war IBM noch als Großrechner-Hersteller für Unternehmenskunden und Regierungen bekannt, während Firmen wie Commodore und Apple sich bereits im noch jungen PC-Bereich etabliert hatten.

1980 trat schließlich Atari an den Konzern heran, um einen seiner Spielerechner unter dem Namen des IT-Unternehmens zu vermarkten. Lowe wusste, dass IBM einen schnellen Einstieg in den PC-Markt suchte und legte Ataris Angebot einem Verwaltungskomitee vor. Als Alternative schlug Lowe vor, Atari direkt zu übernehmen. Das Komitee soll seinen Vorschlag jedoch mit dem Kommentar das sei “das Dümmste, was wir jemals gehört haben”, abgelehnt haben.

Stattdessen erhielt William Lowe durch den damaligen IBM-Geschäftsführer Frank Cary den Auftrag, innerhalb eines Jahres einen IBM-PC auf den Markt zu bringen. Zudem sollte er ein Team zusammenstellen, dass diesen Plan im vorgegebenen Zeitraum in die Tat umsetzen konnte. Hierzu mobilisierte er das sogenannte “Dreckige Dutzend”. Dabei handelte es sich um zwölf Ingenieure, die unter dem Codenamen “Project Chess” in nur einem Monat den Prototyp eine Personal Computer mit Namen Acorn entwarfen und konstruierten.

Der Acorn-Rechner kam schließlich am 12. August 1981 als IBM-PC auf den Markt. Aufgrund der Bezeichnung “PC” für “Personal Computer” gilt IBM als Unternehmen, welches dem PC-Begriff weltweit zu Bekanntheit verholfen hat. Im Inneren des “5150 PC” genannten Modells werkelte ein 4,77 MHz schneller Intel-8088-Mikroprozessor, dem standardmäßig 16 KByte Arbeitsspeicher zur Seite standen. Dieser ließ sich auf bis zu 256 KByte erweitern. Der als Vorläufer heutiger Personal Computer geltende IBM-PC wurde dazu noch mit einer Handvoll Anwendungen ausgestattet und kostete insgesamt 1565 Dollar.

Unter Lowes Leitung entwickelte IBM das Personal-Computer-Modell "PC 5150". Es gilt als Vorläufer heutiger PCs (Bild: Wikipedia)
Unter Lowes Leitung entwickelte IBM das Personal-Computer-Modell “PC 5150”. Es gilt als Vorläufer heutiger PCs (Bild: Wikipedia)

Um der fortschreitenden PC-Revolution gerecht zu werden, verlieh das US-Magazin Time, das sonst nur eine Person des Jahres auszeichnete, stattdessen den Titel “Maschine des Jahres” an den PC. “Die beständige Liebesaffäre der Amerikaner mit dem Automobil und dem Fernsehapparat hat sich jetzt in eine Schwindel erregende Begeisterung für den Personal Computer umgewandelt”, schrieb das Magazin in seiner Ausgabe vom 3. Januar 1983. “Es ist das Endergebnis einer technologischen Revolution, die seit vier Dekaden läuft, und nun buchstäblich Einzug ins Wohnzimmer findet.”

Lowe sagte dazu später, dass sich sein Team zu dieser Zeit mehr auf das Produkt konzentriert habe, als darauf, Geschichte zu schreiben. “Wir hatten keinerlei Erwartungen, die Welt zu verändern”, erklärte Lowe 2001 in einem Interview mit CNET.com anlässlich des 20. Jahrestages der Markteinführungd es IBM-PCs. “Wir haben gemerkt, dass die Welt sich verändert; Apple zog die Aufmerksamkeit vieler IBM-Entwickler auf sich, und wir wollten, dass IBM-Entwickler mit IBM-Produkten arbeiten.”

Zu Lowes Aufgabenbereich gehörte auch, die Nachfrage nach dem neuen PC vorauszusagen. Er teilte der Geschäftsführung mit, er erwarte, dass IBM innerhalb von drei Jahren 220.000 Einheiten verkaufen könne. “Die Leute kommen jetzt und fragen: ‘Warum nur so eine niedrige Zahl?'”, so Lowe. “Aber man muss sich bewusst machen, dass das mehr war als die Installationsbasis aller IBM-Computer zu dieser Zeit.”

Nachdem er IBMs PC-Sparte drei Jahre lang als Präsident vorgestanden hatte, verließ Lowe das Unternehmen 1988 im Zuge eines größeren Führungswechsels in der Chefetage und wechselte zu Xerox. Dort beaufsichtigte er als Executive Vice President den Geschäftsbereich für Bürogeräte. 1991 wurde er schließlich Chief Operating Officer des US-Flugzeugherstellers Gulfstream Aerospace.

Retro-Quartett

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Retro-Quartett: Amiga 500
Der Amiga 500 von Commodore wurde 1987 vorgestellt. Sein Vorgänger, der Amiga 1000, war einer der ersten 16-Bit-Computer mit Grafiktechniken, wie sie zuvor nur teure Highend-Systeme hatten. Der „500er“ war der meistverkaufte Amiga.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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