Rettet Blackberry!

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Der kanadische Smartphone-Pionier steckt in der Krise. Sein Untergang könnte auch das Ende für Smartphones mit Tastatur bedeuten. Doch Tastatur-Handys haben immer noch viele Fans. Schafft es Blackberry, die Krise zu überwinden? ITespresso-Autor Mehmet Toprak wünscht es sich – und erklärt im Kommentar die Gründe dafür.

Das waren noch Zeiten. Zum Beispiel im Herbst 2009. Wer geschäftlich ein Smartphone nutzte, hatte wahrscheinlich eines von Nokia so wie das E63 oder eines von RIM (Research in Motion) wie den Blackberry Bold. Oder vielleicht einen Palm Pre.

Nokias Marktanteil weltweit lag bei gut 44 Prozent. RIMs Marktanteil lag bei fast 21 Prozent, der Umsatz war gegenüber dem Vorjahresquartal um fast 42 Prozent gestiegen. Auch die neue, comsumerorientierte Produktlinie war erfolgreich. Googles Android kam damals auf gerade einmal 3 Prozent.

Diese Zahlen stammen vom Marktforschungsunternehmen Canalys, vom 17. August 2009. Canalys-Analyst Chris Jones wurde im Bericht noch mit einem optimistischen Kommentar zu Palm zitiert. Es sei “bemerkenswert, wie viel besser, die Aussichten für Palm seien als noch vor einem Jahr.”

Bemerkenswert ist vor allem, wie falsch der Analyst gelegen hat. Palm konnte sich trotz guter Kritiken mit dem Pre nicht durchsetzen und verschwand nach dem Kauf durch HP von der Bildfläche, Nokias Handysparte gehört jetzt zu Microsoft, und RIM hat auch die Umbenennung in “Blackberry” nichts geholfen.

Top-Smartphone anno 2009: Das Nokia E63 mit Tastatur. (Bild: Nokia)
Top-Smartphone anno 2009: Das Nokia E63 mit Tastatur (Bild: Nokia).

Die Krise von Blackberry

Vom kanadischen Smartphone-Pionier hört man seit Monaten nur noch Krisennachrichten. Einmal heißt es, das Unternehmen wolle seine Smartphone-Sparte an Cisco, Google und SAP verkaufen, dann wieder, dass Fairfax, der größte Aktionär, das Unternehmen von der Börse nehmen wolle und dann, dass Lenovo Blackberry übernehmen werde. Zudem sollen angeblich bis zu 40 Prozent der Mitarbeiter entlassen werden. Ende September 2013 musste das Unternehmen einen Verlust von 965 Millionen Dollar melden.

Wird Blackberry vielleicht in seine Einzelteile zerschlagen? Verschwinden die klassischen Handys mit Tastatur oder die neuen Modelle mit Touchdisplay wie das Z10 und Z30 dann vom Markt?

Was für Blackberry spricht

Soweit ist es noch lange nicht. Die Kassen des Unternehmens sind immer noch gut gefüllt. Die Barreserven betragen 2,6 Milliarden Dollar, die Patente sollen nach Presseberichten mindestens 1,6 Milliarden Dollar wert sein.

Neue Produkte gibt es auch. Das Blackberry Z30 mit 5-Zoll-Display ist ein echter Smartphone-Knüller. Vor allem in Kombination mit der neuen Betriebssystemversion 10.2. Es gibt also noch eine Chance.

Was zur Krise geführt hat

Wenn Branchenexperten über den Niedergang des kanadischen Unternehmen sprechen, fehlt nie der Hinweis, dass Blackberry den Trend zum Touchscreen versäumt habe. Nun ja, nachher weiß man es immer besser und es gab gute Gründe an der bewährten Tastatur festzuhalten. Denn es gibt nach wie vor viele Anwender, die lieber eine Tastatur nutzen, vor allem Leute, die viel schreiben.

Auf einer Tastatur schreibt es sich einfach schneller als auf dem Touchscreen. Das liegt daran, dass die winzigen Abstände zwischen den Tasten verhindern, dass der Finger auf die Taste daneben rutscht. Da wäre es aus damaliger Sicht unklug gewesen, hätte das Unternehmen schnell auf Modelle mit Touchdisplays umgeschwenkt.

Für Tipp-Fans: Das neue Blackberry Q10 verfügt über eine verbesserte Tastatur (Foto: Blackberry).
Für Tipp-Fans: Das aktuelle Blackberry Q10 verfügt über eine verbesserte Tastatur (Foto: Blackberry).

Das Ende des klassischen Geschäftshandys

Das Problem bestand eher darin, dass klassische Geschäftshandys immer mehr von den schicken Smartphones mit Touchdisplay verdrängt wurden, die der Consumer-Markt hervorgebracht hatte. Blackberry hatte zwar den Versuch unternommen, die Endverbraucher mit seinen preiswerteren Curve-Geräten zu erreichen. Doch die Übermacht von Apple und Samsung, die den Markt mit Touchdisplay-Modellen überschwemmen, war einfach zu groß.

Umfrage

Glauben Sie, dass Blackberry das Comeback schafft?

  • Nein, die Kanadier sind inzwischen zu weit zurück. (13%, 93 Stimme(n))
  • Eventuell klappt es in anderen Regionen, in Europa ist der Zug abgefahren. (5%, 38 Stimme(n))
  • Die Möglichkeit besteht, ich halte es aber für unwahrscheinlich. (13%, 96 Stimme(n))
  • Ich denke, Blackbery kann sich in Firmen noch eine ganze Weile behaupten. (21%, 154 Stimme(n))
  • Ich glaube daran, dass das Comeback gelingt. (47%, 336 Stimme(n))

Gesamt: 717

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Außerdem ist in vielen Unternehmen eine Generation im mittleren Management angekommen, für die ein Mobilcomputer oder eben ein Smartphone nicht nur reines Arbeitsgerät ist, sondern die durchaus den Faktor Coolness akzeptiert. Will heißen: Auch in der Arbeitswelt haben mittlerweile nur noch Geräte eine Chance, die von Design und Features her irgendwie als cool gelten. Die Blackberrys sind halt nüchterne Arbeitsgeräte.

Der Bedeutungsschwund von E-Mails auch in der geschäftlichen Kommunikation mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass die kleinen E-Mail-Maschinen nicht mehr als das Nonplusultra für Manager gelten.

Handys für Vieltipper

Es wäre schade, wenn die Lösung der Blackberry-Krise darin bestünde, dass das Unternehmen zerschlagen, die Smartphone-Produktion eingestellt und die Patente und Kundendatenbanken verscherbelt würden. Schade vor allem für alle Anwender, die ein Handy für Vieltipper suchen.

Die neuen Blackberrys versuchen die Vorteile der beliebten Tastatur-Handys auf das Touchdisplay zu übertragen.

Die alte Regel, dass, wo Interessenten sind, auch ein passendes Angebot da sein wird, gilt hier nur bedingt. Denn allzu viele Tastatur-Smartphones gibt es nicht mehr. Und dann ist schnell ein Punkt erreicht, an dem die Produktion der kleinen Tastaturmodule sich einfach nicht mehr lohnt, weil die Stückzahlen zu gering sind.

Das Q5 ist vor allem für Privatleute, weniger für Geschäftsleute gedacht (Foto: Blackberry).
Das Q5 ist vor allem für Privatleute gedacht (Foto: Blackberry).

Der offene Brief

In einem offenen Brief versucht Blackberry die Bedenken der Kunden und potenziellen Käufer zu zerstreuen. Darin heißt es, der Kunde könne sich “weiterhin voll und ganz auf Blackberry verlassen”. Blackberry verweist auf die überlegenen Sicherheitsfunktionen vor allem im Zusammenhang mit dem etablierten Blackberry Enterprise Service. Verwiesen wird in dem vom “Blackberry Team” unterschriebenen Brief auch auf die neuen Smartphones der Z10-Serie, für die es bald ein drittes Software-Update geben wird.

Messenger für iOS und Android

Das Unternehmen ist also in Sachen Produktpflege sehr aktiv. So gibt es den bewährten Blackberry-Messenger jetzt auch für Apple iOS und Android. Damit verkauft man zwar keine Z10-Smartphones, aber die Marke bleibt dadurch im Spiel, ein nicht unwesentlicher Punkt.

Und seit einiger Zeit versucht Blackberry, das Vieltipper-Know-how auf die virtuelle Tastatur der neuen Touchscreen-Modelle Z30 und Z10 zu übertragen. Es bleibt zu hoffen, dass das gelingt und Blackberry diese Krise überwindet.

Es bleibt zu hoffen, dass nach dem ganzen wahnsinnigen Hype um Apps und Touchdisplays ein Smartphone wieder als das gesehen wird, was es im Kern ist: eine kompakte Hightech-Maschine für Kommunikation und Produktivität. Und genau da ist das Know-how von Blackberry für Vieltipper immer noch wichtig – egal, ob mit echten Tasten oder auf dem Touchscreen.

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