Human Brain Project nun offiziell gestartet

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Ziel des von Forschern in 23 Ländern gemeinsam angegangenen Projekts ist die detailgetreue Simulation des menschlichen Gehirns. Deutschland steuerte mit Wissenschaftlern aus Jülich Erfahrungen in der Hirnforschung und dem Höchstleistungsrechnen bei. Bis 2020 wird dort zudem ein spezieller Supercomputer errichtet.

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Professor Thomas Lippert vor dem Supercomputer Juqueen – einem Vorläufer des Rechners, der ab 2020 das menschliche Gehirn simulieren soll (Bild: Forschungszentrum Jülich)..

Heute wurde in Lausanne der Startschuss für das Human Brain Project (HBP) gegeben. Im Rahmen des ambitionierten Vorhabens bauen Wissenschaftler aus über 80 wissenschaftlichen Einrichtungen und 23 Ländern gemeinsam eine Infrastruktur auf, in der sie Hirnforschung und Informationstechnologie vernetzen und weiterentwickeln. Aus Deutschland ist vor allem das Forschungszentrum Jülich beteiligt. In das von der EU geförderte Projekt bringen die Jülicher Wissenschaftler ihre Expertise in den Bereichen Aufbau und Funktion des Gehirns sowie Höchstleistungsrechnen und Simulation ein.

Für das Projekt entwickeln Experten des Jülicher Supercomputing Centre (JSC) gemeinsam mit Kooperationspartnern neue Rechnersysteme der Exaflop-Generation mit passender Software. “Das Human Brain Project wird der gesamten Informationstechnologie einen großen Schub geben”, ist sich Professor Thomas Lippert, Leiter des JSC, sicher.

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3D-Darstellung des menschlichen Gehirns (Bild: Amunts, Axer et al./ Forschungszentrum Jülich)

Lippert ist im “Human Brain Project” für das Höchstleistungsrechnen und die Konstruktion des “Human Brain”-Supercomputers verantwortlich, der 2020 in Jülich fertiggestellt werden soll. “Wir werden schnellere und leistungsstärkere Rechner entwickeln, um zunehmend detailliertere Modelle des Gehirns zu berechnen. Die neuen Erkenntnisse über die Funktion des Gehirns werden dann wiederum neue Wege in der Datenverarbeitung inspirieren.”

Beim Human Brain Project kooperieren Hirnforscher, Ärzte, Informatiker, Physiker, Mathematiker und Computerspezialisten. Sie beleuchten das Thema von allen Seiten: Aus Sicht der Neurowissenschaft und Genetik, des Höchstleistungsrechnens, der Informationstechnologie und der Robotik ebenso wie aus sozialwissenschaftlichen und ethischen Gesichtspunkten. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wollen sie das menschliche Gehirn auf einem Supercomputer simulieren – komplett und möglichst detailgetreu, von der einzelnen Zelle bis hin zur Interaktion großer Zellverbände und Hirnareale. Sie hoffen dadurch, das Gehirn besser zu verstehen, Krankheiten früher diagnostizieren und gezielter therapieren zu können.

Von dem Mammutprojekt sollen aber auch die Robotik und das sogenannte Neuromorphic Computing profitieren. Außerdem erhoffen sich die Beteiligten, dass es zum Vorbild für extrem leistungsstarke und energieeffizient Computer der Zukunft wird. Das Gehirn benötigt für hochkomplexe Informationsübertragungen und -verarbeitungen weniger Energie als eine 60-Watt-Glühbirne, bereits ein Notebook braucht deutlich mehr und aktuelle Computer, die mit der menschlichen Intelligenz zumindest teilweise mithalten können, wie etwa der IBM-Rechner Watson, der in der Fernsehshow Jeopardy erfahrene menschliche Gegner übertrumpfte, benötigen weitaus mehr.

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