Modellprojekt erprobt Breitband via Satellit für Kommunen

BreitbandNetzwerke
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In einem Pilotprojekt erprobt die Gemeinde Niederstetten in Baden-Württemberg den Ansatz. Dabei werden bestehende Kabelverzweiger des Fernsprechortsnetzes um ein Outdoor-DSLAM mit Verbindung zum Satelliten erweitert. Endkunden reicht ein Standard-DSL Modem.

Alexander Bonde, Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, hat in Niederstetten im Main-Tauber-Kreis den Startschuss für ein Pilotprojekt zur Breitbandversorgung gegeben. Das Modellprojekt soll zeigen, wie bisher schlecht versorgte Kommunen über Eutelsats Breitbandsatelliten KA-SAT eine höhere Datenübertragungsrate erreichen können – bis zu 30 MBit/s je Haushalt.

Der Eutelsat-Partners Eusanet kombiniert dazu eigenen Angaben zufolge erstmals in Europa Satelliten- mit VDSL-Technik, indem bestehende Kabelverzweiger der Fernsprechortsnetze um ein Outdoor-DSLAM mit Verbindung zum Satelliten KA-SAT erweitert werden. Endkunden benötigen lediglich ein Standard-DSL Modem, um mit bis zu 16 Mbit/s (ADSL) oder bis zu 30 MBit/s (VDSL) zu surfen. VoIP-Flatrates werden optional angeboten.

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Immer mehr Gemeinden im ländlichen Raum erkennen den Vorteil einer leistungsfähigen Internetanbindung. Das unterfränkische Dammbach bewirbt diesen Infrastrukturvorteil sogar aggressiv (Bild: Peter Marwan).

Im Gegensatz zu früheren, aufwändigeren Satelliten-Lösungen liegt der Breitbandanschluss unkompliziert an der Telefondose an. Die früher benötigte Sonder-hardware steht nicht mehr beim Endkunden, sondern wird an den Kabelverzweigern vorgehalten. “Als Infrastrukturlösung ist die Lösung überdies voll förderfähig und damit für Kommunen im Vergleich zu herkömmlichen, leitungsgebundenen Systemen äußerst kosteneffizient”, erklärt Eusanet zudem.

Im Fall von Niederstetten und seinen Ortsteilen wurde knapp die Hälfte der Gesamtinvestition in Höhe von von 392.000 Euro vom Land Baden-Württemberg bezahlt. Weitere 25.000 Euro stammen aus einem Ausgleichsstock genannten Budgettopf.

Dieses hat ehrgeizige Pläne: Im Rahmen der Breitbandinitiative II sollen nämlich bis Ende 2013 alle Bereiche mindestens eine Übertragungsrate von 2 MBit/s erhalten. Außerdem hat es sich die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben, langfristig den Aufbau von Hoch- und Höchstleistungsnetzen zu fördern sowie Modellprojekte wie das jetzt in Niederstetten gestartete zu unterstützen.

Minister Bonde erklärte beim Start des Satellitenmodellprojektes, das Internet aus dem All für die Politik ein wichtiger Baustein im Technologiemix zur Breitbandversorgung darstelle: “Wir unterstützen auch neue Wege, um den ländlichen Raum flächendeckend ans Breitband-Internet anzubinden. Für entlegene Ortsteile wie Niederstetten kann Breitband über Satellit eine gute Alternative sein, um dem Ziel einer flächendeckenden Breitbandgrundversorgung immer näher zu kommen.”

Der Website der Gemeinde zufolge sieht der Minister zudem die Notwendigkeit, Eigeninitiative zu entfalten: Man habe in Baden-Württemberg zwar die beste Netzversorgung aller Flächenländer in Deutschland, doch nur wenn man eine möglichst hundertprozentige Abdeckung auf dem Land erreiche und “den Standortfaktor leistungsfähiges Internet” optimiere, sei gewährleistet, dass “die wirtschaftliche Entwicklung gefördert wird”.

Der Satellit KA-SAT ist seit Mai 2011 im Einsatz. Der Satellit nutzt ausschließlich das Ka-Band und eine Multispotbeam-Architektur. Auf der Erde unterstützen ihn zehn über Europa verteilte, per Glasfaser miteinander verbundenen Gateways. Eutelsat bietet mit der Kombination europaweit den Breitbanddienst Tooway für Verbraucher und kleine Unternehmen an. Für ihn verspricht der Betreiber im Geschwindigkeiten bis zu 20 MBit/s im Download und bis zu 6 MBit/s im Upload.

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