Telekom trommelt für die Gigabit-Gesellschaft – ländliche Räume bleiben draußen

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Netzoffensive Deutsche Telekom

Auf einer Veranstaltung in Berlin hat die Deutsche Telekom heute ihre Pläne für den Netzausbau bis 2018 vorgelegt. Bis dahin sollen 80 Prozent der Bevölkerung mit 100-MBit-Anschlüssen des Konzerns versorgt sein. Der Ausbauplan stützt sich auf vier Säulen und einen “klugen Mix” von Technologien.

René Obermann, CEO der Deutschen Telekom, gibt sich kämpferisch: Lange habe die Deutsche Telekom darum gekämpft “investieren zu dürfen”. Jetzt seien sowohl die regulatorischen Hürden niedergerungen wie auch die Bedenken der Investoren zerstreut. Es ist Zeit für die “Netzoffensive”, es ist Zeit für den “Heißen Herbst”. Für die “Gigabit-Gesellschaft” investiere die Deutsche Telekom laut ihrem Vorstandsvorsitzenden 23 Milliarden Euro.

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René Obermann, CEO der Deutschen Telekom, kündigt die Gigabit-Gesellschaft an – für 80 Prozent der Deutschen (Bild: Deutsche Telekom).

Doch auch nach dem Netzausbau im Jahr 2018 werden mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung – manche dauerhaft, manche nur zeitlich begrenzt – von einer 100-MBit-Datenübertragung ausgeschlossen sein. Denn die Gigabit-Gesellschaft der Deutschen Telekom wird in ländlichen Räumen nicht stattfinden. Und das trifft eben nicht nur die Bevölkerung auf dem Land, sondern auch die Menschen, die ländliche Räume besuchen oder durchqueren.

Wenn im Jahr 2016 fast alle Neuwagen mit Internetzugang ausgeliefert werden, müssen sich die Besitzer auf Autobahnen, Landstraßen und Feldwegen auf Funklöcher und holprige Internetverbindungen einstellen. Auf Nachfrage von ZDNet spricht Obermann von einer “sehr guten” Verbindungsqualität für Autos – schränkt aber ein, dass eine durchgängige Netzabdeckung nicht möglich sei.

Und das, obwohl der Vorstand der Deutschen Telekom heute in Berlin die “Netzoffensive” gestartet hat. Für die Präsentationen hatten die Verantwortlichen exakt nachgezählt und gemessen und genau berechnet: In diesem Jahr werde das Unternehmen rund 3500 Kilometer Glasfaser verlegen, im nächsten Jahr würden noch einmal 6250 Kilometer dazu kommen.

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Mitarbeiter der Telekom bei Arbeiten an einem Kabelverzweiger (Bild: Deutsche Telekom).

Laut Obermann konnten bereits 2012 rund 12 Millionen Haushalte auf Breitbandnetze zugreifen, im Jahr 2013 kämen 800.000 hinzu. Baue man mit der jetzt geplanten Geschwindigkeit die Netze aus, könnten 2016 mehr als 24 Millionen Haushalte mit Breitband versorgen werden.

Theoretisch seien bis zum Jahr 2018 etwa 80 Prozent der Bevölkerung mit 100-MBit-Anschlüssen der Deutschen Telekom versorgt. Für dieses Ziel werde das Unternehmen im Jahr 2014 an mehr als 52.000 Baustellen arbeiten, Schaltschränke anschließen, Funkmasten errichten, Netze vektorisieren und Endgeräte freischalten.

Doch der Begriff “Gigabit-Gesellschaft” unterstellt natürlich etwas anderes – nämlich 100-MBit-Anschlüsse für 100 Prozent der Bevölkerung. Hiervon ist und bleibt das Unternehmen weit entfernt. Und wie die fehlenden 20 Prozent in die “Netzwerke der Zukunft” integriert werden – darauf bleibt Obermann die Antwort schuldig. Sein Versprechen alle Kunden sollten “bestmöglich” eingebunden sein, klingt hohl.

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Laut dem kürzlich von Akamai veröffentlichten Bericht “The State of the Internet” liegt Deutschland im weltweiten Vergleich bei der Geschwindigkeit des Internetzugangs mit durchschnittlich 6,9 MBit/s auf Platz 20. Schuld an der Datenlandstraße ist der nur langsam voranschreitende Ausbau der Breitbandnetze. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2014 drei Viertel der Bürger mit einem 50 MBit/s-Anschluss zu versorgen, scheint derzeit in weiter Ferne (Grafik: Statista).

Viel lieber klopft sich Obermann selber auf die Schulter und verspricht den Kunden einen “klugen Mix” von Technologien: Neben dem Ausbau der Glasfaser errichte das Unternehmen “das beste IP-Netz” und das “größte LTE-Netzwerk Deutschlands”.

Ein Blick in den Breitbandatlas der Bundesregierung zeigt: Die Versorgung mit 50 MBit/s und mehr ist derzeit noch ein Privileg, der Weg zur "Gigabit-Gesellschaft" weit (Screenshot: ITespresso).
Ein Blick in den Breitbandatlas der Bundesregierung zeigt: Die Versorgung mit 50 MBit/s und mehr ist derzeit noch ein Privileg, der Weg zur “Gigabit-Gesellschaft” weit (Screenshot: ITespresso).

Bereits im Jahr 2015 könnten 60 Prozent der Bevölkerung mit der neuen Mobilfunktechnologie abgedeckt sein. Tarife, Details und Endgeräte kündigt die Deutsche Telekom im Rahmen der Internationalen Funkausstellung in Berlin in der kommenden Woche an.

Eine vierte Komponente seien die WLAN-Hotspots. Tausende Hotspots errichte der Telekommunikationsgigant, erklärt Obermann. Im nächsten Jahr solle WLAN in 255 ICE-Zügen etwa 5200 Kilometer Schienennetz abdecken. Und über den Wolken stellten 16 Fluggesellschaften rund 214 Hotspots zur Verfügung.

Klar ist: In den Ballungsgebieten werden Bevölkerung und Unternehmen zwischen den unterschiedlichsten Netzzugängen wählen können. Für die 20 Prozent Bevölkerung in den ländlichen Gebieten empfinde der CEO zwar eine gewisse “Verantwortung” – er nimmt sie aber ausdrücklich aus dem Konzept seiner Netzoffensive aus. Für eine Gigabit-Gesellschaft ist das kein schlüssiges Konzept.

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