Anleger feiern Verkauf von Nokias Handysparte

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Microsoft kauft Nokias Handysparte

Microsoft übernimmt für 5,44 Milliarden Euro Nokias Handysparte. Teil der Transaktion sind auch der Bereich Services und einige Lizenzen für geistiges Eigentum von Nokia. Die Nokia-Aktie profitiert von dem Deal, die Microsoft-Aktie rutscht ins Minus.

Die Handysparte ist Microsoft 3,79 Milliarden Euro wert, für die Lizenzen für Nokias Patente legen die Amerikaner 1,65 Milliarden Euro auf den Tisch. Den Preis finden finnische Branchenbeobachter in Ordnung – auch wenn sie den guten alten Zeiten nachtrauern, indem sie in Erinnerung rufen, das Nokia im Jahr 2000 noch 260 Milliarden Euro wert gewesen ist.

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Außerdem stellen sie zwei interessante Vergleich zur Kaufsumme an: Die größte finnische Tageszeitung, Helsingin Sanomat, weist darauf hin -, das Nokia im Oktober 2007 für den Kartenspezialisten Navteq noch 5,7 Milliarden ausgegeben hat – also mehr, als es jetzt für die gesamte Handysparte bekommt. Ein weiterer beeindruckender Vergleich: 2011 hat Nokia für Forschung und Entwicklung noch 5,7 Milliarden Euros ausgegeben, dem Blatt zufolge weltweit das neuntgrößte Budget eines Unternehmens in diesem Bereich.

Die Anleger scheinen ebenfalls zufrieden zu sein. Der Kurs der Nokia-Aktie schnellte zum Handelsbeginn an der Börse in Helsinki vom Schlusskurs am Montag von 2,964 Euro um 46 Prozent auf 4,33 Euro nach oben, pendelt sich aber inzwischen bei 4 Euro ein. Ein Grund dafür könnte sein, dass Nokias Handygeschäft in den vergangenen Quartalen rund 500 Millionen Euro Miese gemacht hat und die Anteilseigner froh sind, diesen Ballast nun los zu sein.

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Die Nokia-Aktie machte heute Morgen an der Börse in Stockholm einen gewaltigen Sprung nach oben (Screenshot: ITespresso bei Yahoo Finance).

Auch an der Börse in Stockholm wurde die Nachricht euphorisch aufgenommen: Das Papier konnte zur Eröffnung mit einem Plus von 39,13 Prozent gegenüber dem Schlusskurs kräftig zulegen. Mittlerweile liegt der Zugewinn bei gut 35 Prozent, der absolute Wert in schwedischen Kronen bei 35,55. Am Montagabend waren es noch knapp unter 26 SEK. Jetzt wird mit Spannung die Reaktion der US-Anleger erwartet.

Die Auswirkungen auf die Microsoft-Aktie sind weitaus weniger gravierend – und vor allem weniger eindeutig. Das Papier eröffnete an der Frankfurter Börse mit einem kleinen Plus von 0,66 Prozent, rutsche dann aber um rund 2 Prozent ins Minus und erholt sich gerade wieder.

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Die Microsoft-Anleger sind sich weniger sicher, ob die Transaktion nun eine gute oder eine schlechte Sache ist (Screenshot: ITespresso bei Yahoo Finance).

Der finnische Journalist Juha-Pekka Raeste schlägt zwei Interpretationen für die jüngste Entwicklung bei Nokia vor. Die einfachere ist, dass Nokia es geschickt geschafft hat, ein eigentlich bankrottes Geschäft gerade noch rechtzeitig abzustoßen.

Die zweite ist etwas komplizierter – und ihr haftet etwas verschwörungstheoretisches an: Die starre Fixierung auf jeweils nur ein Betriebssystem habe zum Niedergang von Nokia beigetragen. Als Gegenbeispiel führt er Samsung an: Von den Koreanern würden Geräte mit allen möglichen Betriebssystemen entwickelt und auf den Markt gebracht – mit Erfolg.

Eine zweite Ursache für den Niedergang Nokias in den vergangenen Jahren sieht er in einem zumindest uninformierten Management: Als Stephen Elop das Ruder übernahm, habe er die Führung schnell von Microsofts Betriebssystem überzeugen können. Damals habe der Vorstand aber wenig Ahnung von Software gehabt: Sowohl Risto Siilasmaa, Jorma Ollila, Jouko Garfield und Sampo Kari Stadigh kamen aus anderen Branchen. Raeste wirft daher die Frage auf: War Elop ein von Microsoft gesandeter Maulwurf?

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Microsoft kauft Nokias Handysparte und wird damit noch tiefer als bisher ins Hardwaregeschäft einsteigen. Insgesamt 5,44 Milliarden Euro zahlt Microsoft für die Gerätesparte und dazugehörige Patente des ehemals größten Mobilfunkkonzerns der Welt. Im Jahr 2000 war Nokia noch weit über 200 Milliarden Euro wert, jetzt bleibt vom finnischen Konzern kaum etwas übrig. Erst Anfang August hatte Nokia Siemens aus dem Joint Venture Nokia Siemens Networks herausgekauft, dass künftig unter dem Namen Nokia Solutions and Networks den Kern des Unternehmens bilden wird (Grafik: Statista).
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