Stiftung Warentest hat Vorwürfe zu geplantem Verschleiß untersucht

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Alte Handys (Bild: Peter Marwan)

Die Tester haben ermittelt, wie hoch der Anteil der Geräte ist, die kurz nach der Gewährleistungsfrist ausfallen. Dafür haben sie Dauertests der zurückliegenden zehn Jahre ausgewertet – mit durchwachsenen Ergebnissen. Vor allem für Haushaltselektronik lassen sich für Verbraucher jedoch ein paar Faustregeln ableiten.

Die Stiftung Warentest hat aktuell untersucht, was an den seit etwa zwei Jahren verstärkt diskutierten Vorwürfen der geplanten Obsoleszenz dran ist. Dazu wurde mit der Auswertung der Dauertests der zurückliegenden zehn Jahre geprüft, wie hoch der Anteil der Geräte ist, die kurz nach der Gewährleistungsfrist ausfallen. Das Ergebnis: “Insbesondere Haushaltsgeräte gehen heute nicht schneller und nicht häufiger kaputt als früher. Das gilt sowohl für größere Geräte wie Waschmaschinen als auch für kleinere wie Staubsauger.”

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Das dürfte dem Gefühl eines Großteils der Verbraucher widersprechen. Dass sie anders denken und oft auch andere Erfahrungen gemacht haben, dokumentiert der Berliner Stefan Schridde seit über zwei Jahren auf der Website www.murks-nein-danke.de.

Er prangert dort mit viel Energie den geplanten Verschleiß zur Profitmaximierung an und sammelt Verbraucherstimmen. Als geplante Obsoleszenz wird die Strategie von Herstellern bezeichnet, in Geräte bewusst Schwachstellen einzubauen oder zumindest Materialien zu verwenden, die nach gut planbaren Zeiten zu Betriebsstörungen oder dem Ausfall von Geräten führen.

Im Frühjahr hat Schridde zusammen mit dem Studenten Janis Winzer und Professor Christian Kreis, der an der Hochschule Aalen Finanzierung und Wirtschaftspolitik lehrt, im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen sogar ein Gutachten zum geplanten Verschleiß erstellt. Darin wurden zahlreiche Beispiel aufgeführt und Möglichkeiten genannt, wie Hersteller die Lebensdauer von Elektronikgeräten reduzieren können. Beweise blieb aber auch das Gutachten schuldig – ebenso wie jetzt die Auswertung der Stiftung Warentest.

Was die Warentest-Studie zeigt, ist dagegen, was man sich ohnehin schon denken konnte: Billige Geräte gehören oft schneller zum Elektroschrott als teure. Bedauerlicherweise führt die Stiftung für Geräte der IT- und der Unterhaltungselektronik aus wirtschaftlichen Gründen keine Dauertests durch, kann also dafür auch keine belastbaren Aussagen machen. Für Haushaltselektronik hat sie jedoch ein paar Preispunkte ermittelt, unterhalb denen es nach der Garantiezeit schnell kritisch wird.

Preisuntergrenzen für Produkte mit hohem Verschleiß

So raten die Warentester generell etwa von Stabmixern unter 20 Euro, Akku-Bohrern unter 50 Euro, Entsaftern unter 60 Euro Staubsaugern unter 80 Euro und Waschmaschinen unter 550 Euro ab. Unterhalb dieser Preisgrenzen ist überdurchschnittlich viel Ramsch dabei – was nicht ausschließt, das nicht auch das eine oder andere Schnäppchen dabei ist.

Professor Albert Albers, Leiter des IPEK Instituts für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie, erklärt gegenüber der Stiftung Warentest, dass Hersteller durchaus planen, wie lange ihr Produkt halten soll – sonst liefen die Kosten aus dem Ruder. Allerdings glaubt Albers nicht daran, dass Schachstellen gezielt eingebaut werden: Schließlich wäre es für den Hersteller unwirtschaftlich, wenn er bestimmte Verschleißteile absichtlich minderwertig macht, da dann die anderen Teile überdimensioniert wären: “Ökonomisch und ökologisch am besten wäre es, wenn alle Teile gleichzeitig nach Erreichen der vorgesehenen Gebrauchsdauer ausfallen würden”, so der Karlsruher Professor.

Allerdings sind durchaus manche Trend auszumachen, wie Hersteller die Neigung zur Anschaffung eines neuen Geräts erhöhen können. So hat zum Beispiel der Anteil der Handys mit fest verbautem Akku in den Vergleichstests der Stiftung Warentest von 4 Prozent im Jahr 2010 auf 36 Prozent im Jahr 2013 zugenommen. Akkus unterliegen aber einem natürlichen und vergleichsweise gut planbaren Verschleiß. Und wer einmal ein Gerät mit ausgelaugtem Akku besessen hat, weiß wie wenig Freude das macht.

Die Schuld für die wachsenden Elektroschrottberge aber alleine bei den Herstellern zu suchen, wäre verfehlt. So gaben etwa in einer Umfrage der Stiftung Warentest 42 Prozent der Befragten an, ihr Handy alle zwei Jahre zu wechseln – auch wenn es noch einwandfrei funktioniert.

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