Google spricht Gmail-Nutzern Anspruch auf Privatsphäre ab

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Wie Google in einem offiziellen Statement zu einer Sammelklage wegen Data Mining eingesteht, können User des E-Mail-Dienstes Googlemail nicht erwarten, dass ihre Nachrichten privat bleiben. Ein Versender von Geschäftsbriefen wisse ja auch nicht, wer ein Schreiben tatsächlich öffne.

In einem Schriftsatz, der jetzt an die Öffentlichkeit geriet, stellt Google klar, dass Anwender, die via Gmail E-Mails senden oder empfangen, nicht erwarten dürfen, dass ihre Nachrichten privat bleiben. Mit diesem Argument will der Internetkonzern die Abweisung einer Sammelklage erreichen, die ihm Data-Mining vorwirft.

gmail-logo-neu-300In seinem Dokument beruft sich “Datenkrake” Google unter anderem auf eine 1979 vom US Supreme Court bestätigte Entscheidung, die die Sammlung elektronischer Kommunikation ohne Gerichtsbeschluss erlaubt. “So wie der Absender eines Briefs an einen Geschäftspartner nicht überrascht sein darf, dass der Assistent des Empfängers den Brief öffnet, können Nutzer, die webbasierte E-Mails verwenden, nicht überrascht sein, dass ihre Nachrichten vom E-Mail-Provider des Empfängers bei der Auslieferung verarbeitet werden”, schreibt Google. “Tatsächlich hat ‘eine Person’ bei der freiwilligen Weitergabe von Informationen an einen Dritten keinen Anspruch auf Privatsphäre.”

Die Kläger unterstellen, dass das automatische Scannen von E-Mails durch Google ein illegales Abhören ihrer elektronischen Kommunikation ohne ihre Zustimmung darstellt. Google, das E-Mails scannt, um Spam auszufiltern und zielgerichtete Anzeigen auszuliefern, behauptet, dass die Nutzer diesem Verfahren im Austausch für die Bereitstellung des E-Mail-Diensts zugestimmt hätten. Andere Gerichte hätten bereits bestätigt, dass alle E-Mail-Nutzer “zwangsläufig stillschweigend die automatische Verarbeitung ihrer E-Mails” genehmigt hätten, heißt es weiter in dem Schreiben.

Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog bewertet Googles Erklärung als “verblüffendes Eingeständnis”. Sie warnte zudem Anwender, denen der Schutz ihrer Privatsphäre wichtig sei, vor der Nutzung von Googles E-Mail-Diensten.
In einer Presseerklärung kritisiert Consumer Watchdog Googles Vergleich einer E-Mail mit einem Brief. “Ich erwarte, dass die Post einen Brief an die Adresse auf dem Umschlag liefert. Ich erwarte nicht, dass der Postbote den Brief öffnet und liest. Entsprechend erwarte ich, wenn ich eine E-Mail sende, dass sie gemäß der E-Mail-Adresse an einen Empfänger mit einem Gmail-Konto ausgeliefert wird. Warum sollte ich erwarten, dass Google den Inhalt abfängt und liest?”

Schon bei seiner Einführung 2004 war Googles E-Mail-Dienst als herber Eingriff in die Privatsphäre von Internetnutzern kritisiert worden. Rechtsexperten und Datenschützer zugleich behaupteten, es sei illegal, den Text einer E-Mail zu scannen, um Kunden gezielt mit Werbung zu versorgen.

Die Privatsphäre von E-Mail-Nutzern ist auch ein Aspekt der Affäre um den PRISM-Informanten Edward Snowden. Der von ihm genutzte Service Lavabit, der eine durchgehende und sichere Verschlüsselung bot, schloss in der vergangenen Woche. Die Gründe dafür durfte er nach eigenen Angaben nicht nennen. Kurz darauf stellte mit Silent Circle ein weiterer Anbieter durchgehend verschlüsselter Kommunikation seinen Dienst ein.

Deutschen Nutzern ist zum empfehlen, Geschäftsbriefe nur noch mit lokalen verschlüsselten Diensten zu versenden. Die kostenpflichtigen Profiversionen von web.de und GMX tun dies schon lange – und auch das Angebot geschützter Mail- und Cloudspeicher-Angebote im deutschsprachigen Raum ist groß. Sich nicht an das gesetzliche Briefgehemnis zu halten, ist hierzulande strafbar.

[mit Material von Steven Musil, News.com und Stefan Beiersmann, zdnet.de]

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