Nutzer fühlen sich im Internet nicht mehr sicher

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Zwei Drittel halten ihre Daten im Netz für gefährdet. 20 Prozent vertrauen staatlichen Stellen überhaupt nicht mehr, so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Bitkom. Die Zahlen liegen deutlich höher als vor zwei Jahren. Dennoch nutzen nur wenige Verschlüsselung und Anonymisierungsdienste.

Der Skandal um PRISM und das britische Spähprogramm Tempora hat laut einer aktuellen Umfrage des Bitkom das Vertrauen der deutschen Internetnutzer in Staat und Behörden massiv erschüttert. Aktuell vertrauen ihnen 58 Prozent wenig oder überhaupt nicht, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht. Lediglich ein Drittel gibt an, staatlichen Behörden nach wie vor sehr starkes oder starkes Vertrauen entgegenzubringen.

Vor zwei Jahren hatte noch über die Hälfte der Internetnutzer (52 Prozent) sehr starkes oder starkes Vertrauen in staatliche Stellen. Inzwischen hat vor allem der Anteil derjenigen, die staatlichen Stellen überhaupt nicht vertrauen, deutlich zugenommen – von 11 Prozent auf 20 Prozent. Die Umfrage wurde in der vergangenen Woche vom Meinungsforschungsinstituts Aris unter 1014 Internetnutzern ab 14 Jahren durchgeführt.

“Die Zahlen zeigen, dass eine rasche Aufklärung der Vorgänge auch im Interesse der Politik selbst liegt. Es scheint, als ob die Nutzer sehr wohl einzuschätzen wissen, worum es bei den Abhörmaßnahmen geht und vor allem, von wem sie ausgehen”, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse in Berlin.

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Nutzer fühlen sich im Internet immer weniger sicher (Grafik: Bitkom).

Allerdinsg liegt Aufklärung nicht nur im Interesse der Politik, sondenr auch der Bitkom-Mitglieder. Denn das Vertrauen in den Umgang der Wirtschaft mit persönlichen Daten hat der Umfrage zufolge ebenfalls abgenommen. 34 Prozent haben aktuell starkes oder sehr starkes Vertrauen gegenüber der Wirtschaft, was ihre persönlichen Daten betrifft. Vor zwei Jahren waren es 41 Prozent. Weniger starkes oder gar kein Vertrauen haben 55 Prozent, 2011 waren es 46 Prozent.

Zudem machen sich aktuell 39 Prozent der Umfrageteilnehmer Sorgen, dass staatliche Stellen ihre persönlichen Daten ausspähen könnten. 42 Prozent befürchten, dass Kriminelle sie ausspionieren, 34 Prozent befürchten ein solches Verhalten von Unternehmen.

Insgesamt geben zwei Drittel der Befragten an, dass ihre Daten im Netz eher (39 Prozent) oder völlig (27 Prozent) unsicher sind. Nur 2 Prozent glauben, dass ihre Daten im Internet sehr sicher sind, 27 Prozent halten sie dort für sicher. Vor zwei Jahren sorgten sich nur etwas mehr als die Hälfte der Internetnutzer (55 Prozent) um ihre Daten. 12 Prozent waren damals der Ansicht, ihre Daten seien im Netz völlig unsicher, 43 Prozent bezeichneten sie als “eher unsicher”. 6 Prozent waren damals davon ausgegangen, ihre Daten seien sehr sicher, 36 Prozent bezeichneten sie zumindest als sicher.

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Trotz der weitreichenden Unsicherheit greifen nur vergelichsweise wenig Nutzer zu Schutzmaßnahmen (Grafik: Bitkom).

Allerdings scheinen die meisten Befragten die Unsicherheit als mehr oder weniger unvermeidlich hinzunehmen, denn Gegenmaßnahmen ergreifen nur wenige. Lediglich 11 Prozent nutzen Proxies oder Dienste wie Tor, Verschlüsselungsprogramme für Dateien und E-Mails setzen gerade einmal 8 beziehungsweise 6 Prozent ein und auf VPNs greifen lediglich 4 Prozent zurück. “Auffällig ist, dass es zwischen den Altersgruppen kaum signifikante Unterschiede gibt. Die sogenannten Digital Natives sind den älteren Internetnutzern in Sachen Schutzmaßnahmen nicht voraus”, erklärte Kempf.

Eine in den vergangenen Tagen von ITespresso unter seinen Lesern durchgeführte Umfrage legt dagegen den Schluß nahe, dass zumindest technik-affine Menschen stärker auf die diversen Schnüffelprogramme reagieren. Von den Umfrageteilnehmern bei ITespresso haben bereits 48 Prozent als Reaktion auf PRISM ihr Nutzungsverhalten geändert. 29 Prozent wollen sich künftig genauer überlegen, welche Online-Dienste sie nutzen.

Annähernd gleich hoch ist bei beiden Umfragen dagegen der Anteil der Gleichgültigen: Bei der Bitkom-Umfrage gaben 7 Prozent an, es störe sie nicht, wenn ihre Daten von Dritten eingesehen werden, bei der Umfrage von ITespresso fühlen sich 5 Prozent von PRISM & Co nicht betroffen. 18 Prozent sind Fatalisten und der Ansicht, dass es nichts nützt, wenn sie ihr Online-Verhalten ändern. Aber auch das kann als Vertrauensschwund interpretiert werden.

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Fast die Hälfte der ITespresso-Leser hat ihr Online-Nutzungsverhalten aufgrund der Enthüllungen zu PRISM bereits umgestellt (Grafik: ITespresso).

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]
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Umfrage

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  • Keine, fühle mich dadurch nicht betroffen. (6%, 32 Stimme(n))
  • Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, sein Online-Verhalten zu ändern. (16%, 88 Stimme(n))
  • Ich werde mir künftig genauer überlegen, welche Online-Dienste ich nutze. (29%, 160 Stimme(n))
  • Ich habe mein Nutzungsverhalten bei Online-Diensten bereits geändert. (49%, 264 Stimme(n))

Gesamt: 544

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