Wann lohnen sich Mobilgeräteversicherungen?

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iphone-weiss-geborsten (Bild: Kai Schmerer)

Hersteller, Telekommunikationsanbieter, Vertriebsunternehmen und Versicherungen bieten vermehrt Schutzbriefe zu mobilen Geräten an. Bei Diebstahl, Bruch, Konstruktionsfehlern und dergleichen mehr würden sie bezahlen, bewerben die Anbieter ihre Tarife. Wie bei allen Versicherungen muss man allerdings oft auf das Kleingedruckte achten.

Fällt das Handy herunter, birst das Glas am Smartphone oder wird das Tablet gestohlen, bricht so manche Arbeit oder soziale Vernetzung zusammen. Dagegen sei eine gute Versicherung gewappnet, heißt es nun vielerorts; einige Telekommunikationskonzerne versprechen sogar einen 24-Stunden-Austausch-Service. Meldungen über neue “Mobilgeräteversicherungen” häufen sich derzeit, und alle wollen mitverdienen. Daher ist sinnvoll, sich die Angebote und die Art der Schadensabwicklung näher anzusehen denn es ist nicht alles Gold was glänzt.

Wer versichert was?

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Im vergangenen Jahr begann Toshiba, seine Notebook-Displays gegen Glasbruch zu versichern. Als verkaufsfördernde Aktion hat man die “Displaybruchversicherung” zeitweise sogar kostenlos angeboten.

Zahlreiche Smartphone-Hersteller sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bieten als Teil ihrer Herstellergarantien entsprechenden Schutz kostenfrei an. Bevor die Konsumenten und Unternehmenskunden bemerken, dass viele Fälle schon von der Garantie abgedeckt sind, haben sich nun mehrere Versicherungen auf das Geschäft mit der Angst gestürzt – schließlich ist vielen Nutzern das Smartphone teuer und wichtig. Die Versicherer behaupten oft, dass Schadensfälle wie Konstruktions-, Material- oder Montagefehler nicht von Garantien abgedeckt seien – doch das tun sie oft nur, um den Verkauf ihrer Schutzbriefe anzukurbeln.

Bei einigen Schadensquellen kann  sich so eine Versicherung aber durchaus lohnen. Eine Diebstahlversicherung etwa deckt bei mehreren Anbietern zum Beispiel den Verlust durch die schnelle Lieferung eines Austauschgerätes ab. Vor allem die Telekommunikationskonzerne wie Deutsche Telekom und Vodafone, die daran interessiert sind, dass ihre Netze genutzt werden, bieten entsprechende Tarife an.

Als im Oktober vergangenen Jahres das “Go Schutzpaket” für Preise ab 24,95 Euro angeboten wurde, zeigte sich jedoch erstmals, wie wichtig das Kleingedruckte ist, denn je nach versichertem Gerät variiert der monatlich fällige Preis. Abhängig von der Schadensart wird auch die Versicherungssumme angepasst. Hier ist der Erstattungsbetrag auf die “maximale Höhe des vereinbarten Zeitwertes” eingeschränkt. Ist ein altes Handy nichts mehr wert, wird auch nicht der höhere Neupreis bezahlt, wenn es kaputtgeht.

Ob eine Diebstahlversicherung auch die Folgeschäden abdeckt – etwa angefallene Telefoniekosten nach dem Handyklau – ist in vielen Fällen an eine (kostenpflichtige) Zusatzversicherung gebunden. So ist etwa der kleinere Telekom-Tarif “Handyversicherung M” nicht dafür gedacht, die Kosten für eine Fremdbenutzung nach dem Diebstahl zu tragen. Der teurere Tarif L deckt bis zu 2000 Euro solcher Drittnutzung ab.

Allerdings sollte sich der Nutzer darüber klar sein, dass oft auch eine schnelle Meldung bei der Polizei und eine Sperrungsverfügung beim Mobilfunkprovider reichen. Das Prozedere ist ähnlich wie beim Kreditkartenbetrug: Hier sind die Banken verpflichtet, bei rechtzeitiger Polizeimeldung den Kunden die Kosten zu erstatten und die Nutzung zu sperren.

Telekom-Versicherungstarife
Um die Folgen eines Gerätediebstahls versicherungstechnisch ganz abzudecken, ist bei der Deutschen Telekom der Abschluss des kostspieligeren L-Tarifes nötig (Bild: Deutsche Telekom).

Zu den möglichen Schadensfällen zählen auch kaputte Geräte. Bei Sofortschutz.net hat man sich auf diesen Fall spezialisiert. Der Anbieter nennt als Beispiel Hausfrauen, denen das Mobiltelefon ins Spülbecken fällt. Der Schutzbrief des Anbieters kostet 4,10 Euro im Monat und zahlt Reparatur und Verlust laut eigenen Angaben sofort, nachdem der Vertrag online abgeschlossen wurde.

Unter die Rubrik “kaputt” fallen bei manchen Anbietern Flüssigkeitsschäden, Kurzschlüsse (Blitzeinschlag, Überspannung, Induktion), Brand oder Vandalismus. So schnell, wie Sofortschutz.net verspicht, sind nicht alle Versicherer: Assona aus Berlin und dessen Paket “BestProtect” hat etwa eine gewisse Wartezeit, deckt dafür aber auch Verschleiß durch Abnutzung und Garantieschäden ab dem 13. Monat ab.

Wann was versichert ist, hängt ebenfalls vom Anbieter ab. Sofortschutz.net führt Frost- und Sturmschäden an, Antennen- und WLAN-Probleme, beschädigte Dock-Connector-Anschlüsse, Touchscreen-Fehler und Einschaltprobleme. Viele dieser Fehlerquellen sind in der Regel aber schon durch die gesetzliche Gerätegarantie abgedeckt.

Der Anbieter Friendsurance nennt sogar “Fehlbedienung” als möglichen Versicherungsfall. Dafür verlangt er nichts extra – hier stellt sich die Frage, ob die verbundene Versicherungsgesellschaft auch reine Dummheit mitversichert.

Die meisten Offerten setzen eine Frist für den Vertrag: Die Versicherung muss in einem gewissen Zeitraum nach Abschluss des Tarifs oder Gerätekaufs erworben werden, denn wer sie später kauft, könnte das Angebot missbrauchen. Bei den meisten Schutzverträgen ist ein Abschluss aber jederzeit möglich. Wartezeiten bis zu Auszahlung, Reparatur oder Gerätewechsel können jedoch lange sein.

O2 Premiumschutz
Der “O2-Premiumschutz” sichert Sturz, Bruch oder Kontakt mit Feuchtigkeit ab (Bild: O2).

Auch Mobilfunkbetreiber Telefónica O2 bietet eine Handyversicherung an; sie ist auf das jeweilige Gerät bezogen und ist auch abschließbar für Kunden, die keinen O2-Vertrag haben. Zum Nokia Lumia 925 etwa gibt es den Versicherungsschutz “2 Monate gratis”, wenn der Kunde einen Mobilfunk-Premiumvertrag abschließt. Danach kostet der Schutz 8 Euro im Monat.

Der “Premium-Schutz” des Anbieters sichert Sturz, Bruch oder Kontakt mit Feuchtigkeit ab. Die Preise erfährt der Kunde erst nach dem Klick auf “Zusatzinformationen”: Bei 24 Monaten Vertragslaufzeit sind regulär 165 Euro nur für den Versicherungsschutz fällig.

In den Geschäftsbedingungen der Deutschen Telekom zu ihren Versicherungsleistungen wirkt alles ein wenig günstiger als bei O2, doch die Art des Versicherungsvertrages muss mit Bedacht gewählt werden: Die monatlichen Kosten für den Rundumschutz “Handyversicherung L” belaufen sich über das Jahr je nach gewähltem Selbstbehalt und “Gerätelasse” auf bis zu knapp 90 Euro.

Die Berliner “Friendsurance” behauptet von sich, der günstigste Anbieter von Mobilgeräteversicherungen auf dem Markt zu sein. Zusammen mit der Frankfurter “Deutschen Familienversicherung” offeriert das Insurance-Start-up Tarife ohne Selbstbeteiligung und mit Beitragsrückzahlungen bei Schadensfreiheit.

Auch Gruppenversicherungen in einer Art Social Network für Versicherungskunden sind im Angebot – im Grunde handelt es sich aber nur um eine Kundenwerbeaktion, denn die Preise unterscheiden sich hier nicht stark von den Einzeltarifen. Und je nach Preis des Gerätes und Kaufdatum sind die Spannen der Monatszahlungen recht groß und variieren um bis zu 20 Euro.

Wie werden Schäden abgewickelt?

Vodafone-Logo
Auch Vodafone bietet seinen Kunden Mobilgeräteversicherungen. Nicht alle Kunden sind mit dem Service zufrieden.

Bei den von Vodafone verkauften Versicherungen kann die Meldung etwas länger dauern: In einem PDF nennt das Unternehmen zwar Preise, Schutzarten und Ansprechpartner. Doch dass der Telekommunikationskonzern nur Vermittler ist und der Kunde sich über das Callcenter der externen Versicherung melden muss, bemängelt Vodafone-Forenmitglied “melchersanton” in seinem Beitrag.

Sein versichertes iPhone war heruntergefallen und die Frontscheibe gebrochen. Die Schadenmeldung und die Problemlösung erforderten einen gewissen Aufwand: “Viele kleine Risse, typischer Fall für die verkaufte Versicherung. Den Schaden habe ich am 28.09. zum ersten Mal gemeldet. Nach ca. 2 Wochen ohne Nachricht wollte ich mich nach dem Stand erkundigen. Das erste Problem. Die Schadensstelle nimmt nur Schäden auf, kann aber keinen Status mitteilen. Ich habe den Schaden erneut gemeldet. Dieses Prozedere habe ich heute zum 4. Mal vorgenommen. Keiner kann mir den Status nennen, noch habe ich Zugriff auf die Versicherungsgesellschaft neben dem Callcenter (welches nur Schäden aufnimmt…)”.

Bei der Deutschen Telekom ist man zumindest so offen und nennt von Anfang an den Partner für die Abwicklung: Die serviceByphone GmbH wickelt den Fall ab; ein Diebstahl muss zuvor bei der Polizei gemeldet werden. Was bei Gerätedefekten zu tun ist, hat der Anbieter feinsäuberlich mit Ansprechpartneradressen in seine Policen geschrieben, die die Telekom mit dem Versicherungsunternehmen ACE ausgehandelt hat.

Deutsche-Telekom-Mitarbeiterin Michaela Weidenbruck bekräftigt, dass der Abschluss einer Versicherung unabhängig vom gewählten Mobilfunktarif oder davon ist, ob das Gerät im Rahmen einer Werbeaktion “verschenkt” wurde. Voraussetzung ist nur, dass das versicherte System bei der Telekom erworben wurde. Beleg ist keiner erforderlich: Buchungen im Onlineshop oder per Telefon sind gültig und die Versicherung kann auch jederzeit im Nachhinein dazugebucht werden. Der Schutz bezieht sich nicht auf den Nutzer, sondern auf das Gerät.

Fazit

Die Versicherungsangebote für Mobilgeräte lohnen sich nur, wenn zuvor ganz genau feststeht, was abgesichert werden soll, ob es nicht schon durch den Hersteller selbst abgedeckt ist und wie die Vertragspartner mit Schadensfallmeldungen umgehen.

Die seriösesten Anbieter sind in der Regel die Telekommunikations-Unternehmen, über deren Leitungen die Daten fließen. Doch auch sie arbeiten oft mit Callcentern der Versicherungsbranche zusammen – klare Ansprechpartner sollte sich der Kunde in jedem Fall nennen lassen, denn die Erfahrungen der Kunden mit billigen Dienstleistern sind nicht immer die besten. Ebenfalls zu bedenken ist, dass Herstellergantien, Gesetze und eine gute Security-Software die meisten Fälle abdecken, ohne zusätzliches Geld investieren zu müssen.

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