VMware stößt seine Kollaborationsplattform Zimbra ab

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Nach dreieinhalb Jahren trennt sich VMware wieder von der Mail- und Kollaborationsplattform. Ebenso wie beim Kauf im Januar 2010 werden auch jetzt beim Verkauf keine finanziellen Details der Transaktion genannt. Käufer ist der Kollaborationsspezialist Telligent, der in Zimbra umfirmieren will.

VMware verkauft die Mail- und Kollaborationsplattform Zimbra für einen nicht genannten Betrag an das US-Unternehmen Telligent. Die 2004 vom ehemaligen Microsoft-Mitarbeiter Rob Howard gegründete Firma beschäftigt sich bisher mit Enterprise Social Software.

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Nach dreieinhalb Jahren trennt sich VMware wieder von der Mail- und Kollaborationsplattform Zimbra – bleibt aber als Investor daran beteiligt.

Nach Abschluss der Übernahme soll das neue Unternehmen als Zimbra am Markt auftreten und sich als Anbieter einer “Unified Social Collaboration Suite für die Post-PC-Ära” am Markt etablieren. Bereits zugesagte Investitionen von Intel Capital, NXT Capital Venture Finance, BDCA, der Hall Financial Group und VMware sollen der neuen Firma helfen, schnell eine bedeutende Rolle in dem umkämpften Segment zu erobern.

VMware-Manager Erik Frieberg erklärt, als VMware-Sparte habe Zimbra durchaus Erfolge gehabt: Schließlich könne man aus den vergangenen dreieinhalb Jahren auf 2600 neue Kunden und die Verwaltung von 85 Millionen Mailboxen verweisen. Auch habe Vmware viel in das Produkt investiert und die Fähigkeiten erweitert.

Allerdings konzentriere sich VMware jetzt auf drei Schwerpunkte: software-definierte Rechenzentren, hybride Cloud und End-user Computing. Zimbra passe nicht mehr in diese Strategie und sei daher besser bei einem Partner wie Telligent aufgehoben. Beim Kauf hatte CTO Ted Herrod noch davon geträumt, mit Zimbra das Infrastructure-as-a Service-Angebot von VMware auszubauen und zum Beispiel Cloud-Anbietern Möglichkeiten zu eröffnen, Kunden Zusatzdienste anzubieten.

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Detailansicht von Zimbra 8.0 bei der Nutzung auf dem Desktop (Screenshot: VMware).

Viele Beobachter fragten sich allerdings schon damals, wie Zimbra zu VMware passt. Sie dürften sich jetzt bestätigt fühlen. Allerdings hält sich der Schaden für den Virtualisierungsspezialisten wahrscheinlich in Grenzen – im Gegensatz zum Vorbesitzer Yahoo.

Der hatte Zimbra wurde im September 2007 für rund 350 Millionen Dollar gekauft, weil er sein Mail-Angebot auf Unternehmen ausdehnen wollte. Dies gelang aber nur in geringem Umfang, der Konzern in der Dauerkrise verabschiedete sich daher im Januar 2010 wieder von dem Versuch.

Ähnliche Erfahrungen hatte auch Cisco machen müssen: Die Netzwerkfirma hatte im August 2008 für 215 Millionen Dollar PostPath gekauft, um mit dessen E-Mail und Kalenderfunktionen seinen Kollaborationsdienst WebEx aufzumöbeln. Im Februar 2011 wurde dieser Versuch dann enttäuscht aufgegeben.

Anbieter, die sich auch bei großen Kunden gegen Microsoft, IBM und Google durchsetzen wollen, benötigen offensichtlich einen langen Atem und viel Geduld. Und offenbar ist trotz des Ärgers vieler Angestellter in der täglichen Arbeit mit den Produkten der IT-Giganten schwer, die Verantwortlichen zum Umstieg auf andere Angebote zu überzeugen. Das müssen auch andere Anbieter die tatsächlich frischen Wind in das Segment bringen, wie zum Beispiel OpenXchange, immer wieder feststellen.

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