Microsoft soll NSA Zugriff auf verschlüsselte Nachrichten gewährt haben

PolitikSicherheitÜberwachung
verschlüsselung-schlüssel

Das geht aus Dokumenten von Edward Snowden hervor, die die britische Tageszeitung Guardian veröffentlicht hat. Der US-Geheimdienst konnte demnach auf E-Mails bei Outlook.com zugreifen, bevor sie verschlüsselt wurden. Zudem soll den Agenten die Aufzeichnung von Videoanrufen mit Skype sowie der Zugriff auf SkyDrive möglich gewesen sein.

Microsoft hat dem US-Geheimdienst NSA den Zugang zu Inhalten verschlüsselter Kommunikation erleichtert. Das berichtet die britische Tageszeitung Guardian unter Berufung auf Geheimdokumente, die ihr von Edward Snowden überlassen wurden.

verschlüsselung-schlüssel

Aus den Dokumenten geht hervor, dass die NSA bei Outlook.com auf E-Mails zugreifen konnte, bevor sie verschlüsselt wurden. Außerdem legen sie nahe, dass Microsoft dabei behilflich gewesen ist, die Verschlüsselung von Web-Chats auf Outlook.com zu umgehen. Und sie beschreiben eine Zusammenarbeit zwischen dem Softwarekonzern und dem FBI in diesem Jahr, deren Ziel es war, dass die NSA leichter auf SkyDrive und die Inhalte seiner weltweit über 250 Millionen Nutzern zugreifen kann.

Im Juli 2012 – neun Monate, nachdem Microsoft Skype für 8,5 Milliarden Dollar erworben hatte – konnte die NSA demnach nicht nur Gespräche abhören, sondern auch Videoanrufe über Skype aufzeichnen. “Jetzt haben die Analysten das vollständige ‘Bild'”, heißt es dazu in einem der Dokumente. “Zusammenarbeit im Team war der Schlüssel, um einen weiteren Provider in das PRISM-System einzubinden”, lobte die NSA.

Im Team mitspielen durften laut Guardian auch FBI und CIA. Die durch PRISM erfassten Daten seien routinemäßig mit diesen Diensten ausgetauscht worden. Eines der NSA-Dokumente beschreibt das Programm als einen “Mannschaftssport”. Der Datentausch erfolge teilweise automatisiert durch eine Software, “die für unsere Partner sichtbar macht, welche Selektoren [Suchbegriffe] die National Security Agency PRISM zugewiesen hat. Das FBI und die CIA können dann eine Kopie der PRISM-Sammlung eines jeden Selektors anfordern.”

Microsoft erklärte in einer Stellungnahme, es nehme seine Verpflichtungen gegenüber den Kunden sehr ernst, prüfe alle Anforderungen von Regierungsbehörden sorgfältig und gebe entgegen den Presseberichten in den vergangenen Wochen Daten nicht pauschal heraus. Der Konzern räumte aber ein, es gebe “Aspekte dieser Debatte, von denen wir wünschten, dass wir offener darüber reden könnten”.

Sprecher des Nationalen Geheimdienstdirektors und der NSA versicherten in einer gemeinsamen Erklärung gegenüber dem Guardian, die beschriebene Überwachung sei von Gerichten rechtmäßig angeordnet und werde von ihnen sorgfältig beaufsichtigt. Die US-Unternehmen seien mit viel Engagement bemüht, “die Privatsphäre ihrer Kunden rund um die Welt zu schützen, während sie ihren Verpflichtungen nach den Gesetzen der USA und anderer Länder nachkommen, in denen sie geschäftlich tätig sind.”

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

Tipp: Wie sicher sind Sie bei der Sicherheit? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de

Umfrage

Welche Konsequenzen ziehen Sie persönlich aus dem PRISM-Skandal?

  • Keine, fühle mich dadurch nicht betroffen. (6%, 32 Stimme(n))
  • Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, sein Online-Verhalten zu ändern. (16%, 88 Stimme(n))
  • Ich werde mir künftig genauer überlegen, welche Online-Dienste ich nutze. (29%, 160 Stimme(n))
  • Ich habe mein Nutzungsverhalten bei Online-Diensten bereits geändert. (49%, 264 Stimme(n))

Gesamt: 544

Loading ... Loading ...
Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen