Ratgeber: Auch im Ausland günstig im Internet surfen

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Deutsche Telekom stellt neue Auslandstarife vor (Bild: Deutsche Telekom AG)

Zum ersten Juli hat die EU die Höchstgrenzen für Roaming-Gebühren in den Mitgliedsstaaten gesenkt. In der Folge haben die Mobilfunkanbieter versucht, ihre Angebote an die neuen EU-Vorgaben anzupassen. Zahlreiche Betreiber locken zudem mit Urlaubs-Spezial-Offerten. ITespresso gibt einen Überblick.

Die Europäische Kommission setzt im Rahmen der Digitalen Agenda Höchstgrenzen für die Roaming-Preise der Telekommunikationsanbieter. Die Maximalsumme dessen, was die Mobilfunkfirmen für das Herunterladen von Daten verlangen dürfen, liegt seit 1. Juli 2013 in EU-Ländern bei maximal 45 Cent pro MByte; eine Abrechnung muss pro Kilobyte erfolgen und nicht mehr, wie bisher bei einigen Unternehmen üblich, pro angefangenem MByte.

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Im Sommer 2012 wurde das Maximum schon einmal auf 70 Cent pro Megabyte gedrosselt. Ab Juli 2014 dürfen dann höchstens noch 20 Cent pro MByte beim Roaming verlangt werden. Eigentlich möchte die EU-Kommission das Roaming ganz abschaffen – das funktioniert aber nur, wenn die EU-Kommissare und alle Länder mitmachen.

Bis dahin bleibt die Frage, ob sich angesichts der neuen Tarifobergrenzen Urlaubspakete der Mobilfunkanbieter lohnen? Oder gibt es sogar günstigere Alternativen? Schließlich werden Freikontingente, Tages- oder Wochen-Urlaubs-Flatrates und dergleichen mehr offeriert. ITespesso.de hat sich das Angebot näher angesehen und zeigt Alternativen auf.

Zahlreiche Telekommunikationsunternehmen suggerieren durch Urlaubspakete Preissenkungen. Kritiker behaupten, es handle es sich in der Regel nicht um ein Entgegenkommen den Kunden gegenüber, sondern lediglich darum, die EU-Auflagen zu erfüllen. Wir haben uns die Angebote näher angesehen und sind zu einigen überraschenden Ergebnissen gekommen.

Sonderaktionen für kurze Urlaubszeiten

Im Gegensatz zu vielen der offerierten Urlaubs-Surfpakete müssen sich Kunden nicht unbedingt mit Verträgen oder größeren Prepaid-Päckchen herumschlagen. Wer ohnehin schon Vertragskunde bei der Deutschen Telekom, bei Vodafone, E-Plus oder E-Plus-Base ist, kann sich mit beschränkten Aktionen kleinere, kostenlose Online-Kontingente sichern. Das dürfte vielfach reichen, um wichtige E-Mails zu lesen oder schnell etwas im Web nachzusehen.

Die Aktion “Travel & Surf” der Deutschen Telekom etwa läuft vom 1. Juli bis zum 30. September 2013. Wer dort den WeekPass bucht, kommt im besten Fall völlig ohne Gebühren aus. Die erste Woche ist frei und bietet 150 MByte Highspeed-Volumen. Danach wird gedrosselt. Ab der zweiten Woche sind die 150 MByte für 14,95 Euro zu haben. Voraussetzung: Der Travel & Surf-Pass muss während des Aktionszeitraums aus dem Ausland gebucht werden.

Vodafone Reisepaket Plus
Vodafones Reisepaket Plus kostet nur 3 Euro pro Tag – ist aber nur in Kombination mit regulären Tarifen erhältlich (Bild: Vodafone).

Für Kurzurlaube bietet sich der “DayPass M” für 2,95 Euro an, der nach 50 MByte gekappt wird. Ultrakurz-Urlaube für Nutzer, die an einem Tag online sein wollen und beispielsweise E-Mails ohne Anhänge empfangen und verschicken möchten, sind mit dem kostenlosen “DayPass S” abgedeckt, der nach nur 10 MByte abgebrochen wird und lediglich für die Telekom-Roaming-Ländergruppen 1 und 2 gilt. Die meisten EU-Länder, einige osteuropäische, die Türkei und die USA sind hier eingeschlossen. Wer den DayPass weiter nutzen will, muss allerdings ein weiteres und kostenpflichtiges Paket kaufen.

Vodafone ist ebenfalls mit einer speziellen Aktion auf Kundenfang: Das Reisepaket Plus gilt immer nur für einen Kalendertag und kostet gerade mal 3 Euro pro angefangenem Tag – wenn man bereits Kunde eines Smartphone-Tarifs der Vodafone-Red-Reihe ist. Enthalten sind 100 Gesprächsminuten, 100 SMS sowie 100 MByte Datenvolumen. Wer einen anderen Tarif bei Vodafone nutzt, bekommt 50 Telefonminuten, 50 SMS und 50 MByte pro Tag für den gleichen Preis.

Der Nachteil an diesem Angebot ist, dass es jeden Tag neu gebucht werden muss, denn die bisherige längerfristige “Data Europa”-Option gibt es seit dem 27. Juni nicht mehr. Beim Mehrverbrauch nach Nutzung der Reisepaket-Optionen fallen 20 Cent pro Minute, SMS und Megabyte an – das liegt immerhin deutlich unter den gegenwärtigen EU-Höchstwerten.

Eine kostenlose Ausprobieraktion für das Auslandssurfen bekommen Kunden mit einem E-Plus oder E-Plus-Base-Vertrag. Das Gratisvolumen ist auf 10 MByte beschränkt – danach wird die Verbindung gekappt, bis einer der kostspieligeren Roaming-Tarife gebucht wird. Das geht per “Internet-by-Call” (für 49 Cent pro MByte – das liegt über den EU-Roaming-Grenzen) oder per EU-Reisepaket (10 Euro für 150 MByte in der EU) und dem “EU Reisepaket Komfort” (20 Euro für 300 MByte.)

Weitere Europa-Surfpakete

Wer vorbeugen will und sich nicht auf Sonderpakete verlassen will, kann so manches Urlaubsangebot für das EU-Ausland buchen. Oft sind die verlockend billigen Offerten nur als “Zusatzpaket” zu bestehenden – oder abzuschließenden – Verträgen erhältlich. Ganz so günstig sind sie im Endeffekt dann doch nicht.

Ein Beispiel ist die “EU-Reiseoption” von Otelo. Die inzwischen zu Vodafone zählende Marke bietet hier für 5,99 Euro ein reines Telefonangebot mit 50 abgedeckten Minuten. Wer surfen will, muss für 50 MByte EU-Onlinekontingent ebenfalls 5,99 Euro hinlegen. Und das ist nur möglich, wenn ohnehin ein Smartphone-Tarif beim gleichen Anbieter abgeschlossen wurde. Nur wer haushält mit Surfen, Simsen und Telefonieren, kann den Otelo-Tarif noch als Schnäppchen bezeichnen.

Mobilfunkdiscounter Blau.de, Wiederverkäufer des E-Plus-Netzes, bietet ebenfalls eine Roaming-Flatrate für den Europäischen Raum. Sie ist mit 300 MByte und je 150 SMS und Telefonminuten etwas großzügiger angelegt, kostet allerdings 19,90 Euro für 8 Tage. Für Häufig-Surfer (aber nicht Vielsurfer) mag dies durchaus preiswert sein. Wer darüber hinaus Datenverkehr anhäuft, zahlt entweder Roaming-Gebühren oder muss nochmals die Flatrate für 19,90 Euro buchen.

BASE GO Urlaubspaket
Mit dem Base GO Urlaubspaket spricht E-Plus die Vielsurfer an (Bild: E-Plus)

Wer nicht am Reigen der Mobilfunkanbieter mit neuen Auslandstarifen teilgenommen hat, ist die Telefónica-Tochter O2. Ihr bisheriges und weiter bestehendes “Smartphone DayPack EU” ist nur als Zusatz zu bestehenden Tarifen erhältlich. Es kostet 1,99 Euro je Nutzungstag und muss vorher aktiviert werden. Dafür erhält der Nutzer 25 MByte ungedrosseltes Datenvolumen. Ist es verbraucht oder der Tag vorbei, kann es erneut aktiviert werden und kostet wieder 1,99 Euro.

Als Vielsurfer-Angebot begreift E-Plus sein neues “Base GO”-Urlaubspaket. Ab dem 15. Juli 2013 ist für 30 Euro eine 30 Tage gültige Flatrate mit ungedrosseltem Volumen von 500 MByte erhältlich. Wer darüber hinaus Daten verbraucht, wird per SMS gewarnt und kann nochmals ein 30-Euro-Päckchen erwerben oder für nicht billige 49 Cent pro MByte weitersurfen.

Richtig surfen, WLANs nutzen und Datenverbrauch prüfen

Wer per Mobilfunkverbindung surft, muss genau prüfen, wie viele Daten über den Äther fliegen, damit Flatrate-Kontingente eingehalten werden können. Wie man richtig mit Datenvolumen umgeht, hat E-Plus in einem Tipps & Tricks-Artikel zusammengefasst und erklärt, welche Onlineaktivität wie viel Traffic verursacht. Hier berichtet das Unternehmen auch, wie sich in Android und iOS das Datenroaming ganz unterbinden lässt oder wie das Herunterladen von E-Mail-Anhängen ganz ausgeschaltet wird.

Crowdroaming-Gründer Domayun Zahidi
Crowdroaming-Gründer Domayun Zahidi macht Smartphones zu WLAN-Hotspots

Unabhängig vom Provider lässt sich der Verbrauch in vielen Smartphone-Betriebssystemen messen. In iOS etwa ist der Zähler schon integriert. Unter “Einstellungen/Allgemein/Benutzung” findet sich der Punkt “Mobile Datennutzung”, der den aktuellen Zählerstand zeigt. Der Gesamtzähler lässt sich hier auch zurückstellen. Für Android sind verschiedene Apps zum Mittracken erhältlich, etwa “Data Counter Widget” (ab Android 2) oder unter Android ab Version 4 der Axamo-Datenverbrauchsrechner, der genau aufschlüsselt, wie hoch der Datenverbrauch einzelner Aktionen ist.

Für Windows Phone 8, das laut einigen Kritikern einen höheren Traffic verursacht als andere Systeme bei den gleichen Aktionen, gibt es noch keine allgemeingültige App, doch für die Windows-Smartphones von Nokia steht der “Nokia Usage Monitor” im Windows Store und in Nokias Ovi-Store bereit. Und wer bei Vodafone mit Vertrag surft, findet auch die App “Mein Vodafone” als Windows-, iOS- und Android-App, die den Traffic mitzählt.

WLAN-Hotspots vor Ort nutzen

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Der Dienst Free-Hotspots zeigt hauptsächlich Gratis-Angebote kommerzieller Betreiber – etwa von Fastfood-Ketten (Screenshot: ITespresso).

Als Alternative zum Mobilfunksurfen bietet sich an, das Internet über WLAN-Hotspots zu besuchen. Smartphones sind in der Regel mit WLAN ausgestattet. Die Zugangspunkte, in die sich der Nutzer einwählen kann, sind zwar nicht immer kostenlos, doch im Endeffekt weitaus billiger als die Mobilfunknetze. Und auch hier tun sich einige Überraschungen auf, die das Handysurfen ganz kostenlos machen.

Eine neue Android App etwa stellt Smartphones als WLAN-Hotspot bereit. Damit greift der Nutzer auf Mobiletelefone anderer User zu und stellt sein eigenes für Verwendung Dritter zur Verfügung. Die Community-App CrowdRoaming soll hohe Roaming-Kosten im Ausland hinfällig machen.

Die Idee indes ist nicht ganz neu. Firmengründer Domayun Zahidi hat in den Niederlanden lediglich eine Idee für Smartphones umgesetzt, die es für die Nutzung von DSL-WLAN-Routern am PC schon lange gibt. Der spanische Anbieter Fonera macht seine eigenen Router zu Geräten, die von der gesamten Gemeinschaft “Fon” verwendet werden können. Weltweit sind so über 8 Millionen Hotspots verfügbar.

Wer sie nutzen will, muss einen Fon-Router kaufen oder in einem Land leben, wo Fon einen Telekommunikationspartner hat, der die Community-Router im Rahmen eigener Angebote vermietet. In Deutschland ist dies die Deutsche Telekom, in Großbritannien BT, in Frankreich SFR, in Belgien Belgacom, in den Niederlanden KPN, und auch in Kroatien, Brasilien, Russland, Polen und Japan gibt es Partner.

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Wer im deutschsprachigen Raum unterwegs ist, kommt auch mit dem Hotspot-Findedienst Drahtlos unterwegs gut zurecht – den er im Idealfall vorab nutzt (Screenshot: ITespresso).

Der User loggt sich hier in den nächsten privaten Hotspot ein, der zur Hälfte freigegeben ist und zur anderen Hälfte privat. Die Internetverbindung nutzt den DSL-Festnetz-Anschluss des Router-Eigentümers. Doch Achtung: Ist die gewählte Flatrate des nächsten Fon-Users begrenzt, muss dieser die Zeche für den Mehrverbrach bei seinem Internet-Provider bezahlen – oder die Verbindung kappen.

WLAN-Hotspots von diversen Fastfood-Ketten und anderen Einrichtungen, die kostenlosen Internetzugang für ihre Klientel bereitstellen, listet die Site Free-Hotspot.com für zahlreiche europäische Länder auf. Der Wettbewerber Drahtlos unterwegs konzentriert sich dagegen auf den deutschsprachigen Raum.

Shareair.net listet gleich mehrere Hotspot-Suchdienste auf, im ITespresso-Kurztest schnitt dabei der als WeFi bezeichnete am besten ab: Die einfachste Bedienung, die unaufdringlichste Herangehensweise und schnelle Reaktion sprechen für dieses Angebot. Der Vorteil der WLAN-Angebote ist ganz klar eine Eindämmung der Roaming-Kosten. Und sie sind nicht nur in der EU erhältlich.

Fazit

Auch, wenn die EU-Vorgaben die Roaming-Gebühren massiv senken und es sogar gute Angebote für Wenigsurfer (etwa von der Deutschen Telekom) und Vielsurfer (etwa von E-Plus) gibt, lohnt sich das Nutzen von kostenlosen WLAN-Zugangspunkten umso mehr. In großen Städten in Europa oder den USA bieten zahlreiche Cafés, Biergärten und Shops kostenfreie WLAN-Zugänge, und wer sich nicht in deren Nähe befindet, kann auch im Ausland Anschluss über Communities wie Crowdroaming oder Fon finden. Surfen per Smartphone muss also auch außerhalb des Heimatlandes nicht teuer sein.

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