Mobiler Dokumentenscanner Scan2Docx im Praxistest

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Ein Dokumentenscanner für nur 179 Euro, noch dazu portabel und mit extrem hoher Arbeitsgeschwindigkeit? Der Scan2Docx kann diese Vorteile bieten, da er nach einem anderen Prinzip als die meisten anderen Modelle arbeitet. Allerdings ist gerade das für einen Dokumentenscanner denkbar ungeeignet, wie der Test zeigt.

Der Scan2Docx arbeitet nicht wie andere Scanner mit einer Scanleiste, die über das zu scannende Blatt gezogen beziehungsweise mithilfe eines Einzugs daran vorbeigeführt wird. Stattdessen nutzt der Testkandidat eine Digitalkamera. Diese ist an einem ausklappbaren Arm befestigt und fotografiert das Dokument von oben aus einer Entfernung von etwa 30 Zentimetern.

Eine Auflösung von fünf Megapixeln sowie ein Autofokus sollen für scharfe Aufnahmen sorgen. Zusätzlich sitzt neben der Linse ein LED, die auf Wunsch weißes Licht ausstrahlt. So sollen Scans auch in dunkeln Aktenkammern gelingen. Leider ist das Licht etwas grell, die Helligkeit lässt sich nicht justieren. Speziell bei hochglänzenden Vorlagen wie etwa Prospekten oder Flyern kann es daher zu Reflektionen kommen. Die besten Ergebnisse erzielt man ganz einfach bei ausreichendem Tageslicht. Was für jede Digitalkamera gilt, ist eben auch für die Kamera des Scan2Docx gültig.

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Der Scan2doxc scannt nicht wirklich, sondern nimmt Dokumente mit einer Digitalkamnera als Bild auf (Bild: The Imaging Source Europe).

Probleme mit gefalteten Vorlagen

Dennoch zeigt sich im Test mit verschiedenen Vorlagen, dass diese Vorgehensweise für die meisten Scanaufgaben denkbar ungeeignet ist. Sie ist zweifellos schnell, denn ein Foto zu schießen dauert nun mal nicht so lange, wie das Dokument an einer Scanleiste entlangzuziehen. Damit ist der wichtigste Vorteil aber auch schon genannt.

Nicht geknickte und gefaltete Dokumente führen noch zu vergleichsweise brauchbaren Ergebnissen. Alleine das Ausrichten einer Seite, so dass die Kamera sie gerade erfassen kann, macht den Geschwindigkeitsvorteil jedoch beinahe wieder zunichte. Zwar liefert der Hersteller eine Unterlage mit entsprechenden Markierungen. Aber alles, was nicht dem DIN-A4-Format entspricht, muss mithilfe des Live-Bilds, das die Scan-Software auf dem Computermonitor zeigt, zuerst geradegerückt werden.

Ein Platt Papier, das beispielsweise gefaltet, gerollt oder gewellt ist, macht der Kamera Schwierigkeiten, weil es nicht plan auf dem Tisch liegt. Einzelne Bereiche des Aufdrucks werden unterschiedlich gut erfasst – je nachdem, in welchem Winkel sie zur Linse stehen. Mit einem Flachbett- oder Einzugsscanner (oft bei Multifunktionsgeräten im Einsatz) gibt es diese Probleme nicht: Vorlagen werden vom Deckel platt gedrückt oder vom Einzug straff gezogen.

Kein echter Dokumentenscanner

Zugegeben: Einen Papierstau wird es mit dem Scan2Docx nicht geben. Versehentlich zwei oder mehr Blätter einzuziehen, kann nicht passieren. Denn jedes Blatt muss manuell unter die Kamera gelegt werden. Ist es von beiden Seiten bedruckt, muss der Anwender es zudem herumdrehen und erneut eine Aufnahme machen.

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Scans geklingen nur, wenn die Vorlage und die Lichtverhältnisse optimal sind (Bild: Christian Lanzerath).

Spätestens an dieser Stelle möchten wir dem Testkandidaten den Zusatz “Dokumentenscanner” absprechen. Es gibt sicherlich keine einheitliche Definition, wie ein Dokumentenscanner ausgestattet sein muss. Firmen wie Canon, Avision, HP und Kodak verkaufen aber nur Scanner mit automatischem Dokumenteneinzug (ADF) und Duplex-Scanleiste als Dokumentenscanner. Wer seine beidseitig bedruckten Schriftstücke digitalisieren möchte, erledigt das oft stapelweise. Bequem geht das nur mit ADF und Duplex. Selbst die allermeisten portablen Dokumentenscanner bieten diese Features.

Pedal statt Dokumenteneinzug

Ganz vergessen haben die Hersteller von Scan2Docx die Stapelverarbeitung jedoch nicht: Als optionales Zubehör zum Scanner gibt es ein Fußpedal, mit dem der Nutzer den Auslöser drückt. Die Hände bleiben frei, um den Vorlagenstapel Blatt für Blatt unter die Kameralinse zu legen. Das Pedal wird per USB angeschlossen und wird im Test an zwei Rechnern mit Windows 7 und 8 als Gamepad erkannt. Wie der Druck auf das Pedal letztlich die mitgelieferte Software und damit die Kamera dazu bewegt, auszulösen, darüber schweigt sich die Bedienungsanleitung aus. Machbar ist es sicher, aber ohne Zusatzprogramm und etwas Aufwand ist es nicht so einfach.

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Software gleicht Hardware-Schwächen nicht aus

Leider bietet die Scan2Docx-Anwendung nicht die Möglichkeit, einen Weißabgleich durchzuführen. Damit hängt die Qualität des Ergebnisses zu stark vom Umgebungslicht ab. Ein Problem, dass herkömmliche Scanner wiederum nicht kennen. Zudem bietet das Programm dem Nutzer nicht die Option, eine Blindfarbe festzulegen. Das ist ein Farbton, der beim Digitalisieren ignoriert wird. So können beispielsweise auch Formulare auf grünem Grund im Schwarz-Weiß-Modus gescannt werden. Die Software, die echten Dokumentenscannern beilegt, bietet diese Option meist an.

Das Programm speichert fotografierte Dokumente wahlweise als Bild-Datei (JPEG, TIFF, PNG oder BMP) oder PDF. Eine Texterkennung (OCR = Optical Character Recognition), die die Firma Abby beisteuert, ist fest integriert.

Aber auch hier muss man sagen, dass aufgrund der durchwachsenen Aufnahmen der Kamera die OCR-Leistung nicht stimmen kann. Die Qualität vieler Scans ist einfach nicht ausreichend, bei einer optischen Auflösung von maximal 200 dpi ist Schluss.

Gerade kleine Schrift wird oft verschluckt. Hier kann selbst die sonst so gute Texterkennung von Abby nur etwas rausholen, wenn auch die Vorlage entsprechende Eigenschaften aufweist: Sie muss eben und gut ausgeleuchtet unter der Kamera liegen.

Einsatz als Webcam

Auf der Habenseite des Scan2Docx steht die Zweckentfremdung als eine Art Overhead-Projektor und als Webcam. Da das Gerät von Windows als Webcam identifiziert und im Gerätemanager eingebunden wird, lässt es sich wunderbar für Videochats, Aufnahmen oder zur Präsentation von Gegenständen nutzen, die unter der Kamera liegen. Die mitgelieferte Software bietet allerdings keine Funktion zur Videoaufnahme. Das ist aber kein Kritikpunkt, immerhin wird der Scan2Docx als Scanner und nicht als Videokamera verkauft.

Fazit

Ein Dokumentenscanner ist der Scan2Docx in keinem Fall. Dafür fehlen einfach gewisse Komfort-Features, die einen Dokumentenscanner ausmachen. Das Erfassen vieler Vorlagen wird so zum Geduldsspiel. Lediglich zum Scannen von 3D-Objekten, als Webcam oder Overhead-Projektor lässt sich der Testkandidat einsetzen. Ob sich dafür die Investition von 179 Euro lohnt, muss letztendlich jeder für sich entscheiden.

Unser Tipp: Kaufen Sie besser einen Einzugs- oder Flachbettscanner. Letzterer kann auch Buchseiten und andere, nicht allzu große dreidimensionale Objekte digitalisieren. Schon für gut 100 Euro gibt es brauchbare Geräte, die bessere Ergebnisse als der Scan2Docx liefern. Viele Multifunktionsgeräte bieten sogar beide Möglichkeiten, wie etwa der -allerdings nicht mobile – Brother MFC-J4710DW für knapp 200 Euro.

Scan2Docx

Hersteller: The Imaging Source Europe
Internet: www.scan2docx.com/de_DE/
Preis: 179 Euro

itespresso-testurteil-befriedigend

Lieferumfang

Scan2Docx
Auflagematte für Dokumente mit Markierungen für DIN-A4-Vorlagen
USB-Kabel für Stromzufuhr und Datenübertragung
CD mit Software
Kurzanleitung (Englisch)

Note: befriedigend

Leistung (40%): befriedigend
Funktionsumfang (30%): ausreichend
Bedienung (20%): gut
Dokumentation (10%): befriedigend