Angestellte muss wegen offenem E-Mail-Verteiler Bußgeld bezahlen

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E-Mail (Bild: Shutterstock)

Das Versenden von Mails an einen Mail-Verteiler per CC verstößt unter Umständen gegen den Datenschutz. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat in einem entsprechenden Fall jetzt ein Bußgeld verhängt. Darauf, dass die Praxis datenschutzrechtlich bedenklich ist, hat das Amt schon früher mehrfach hingewiesen.

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat gegen die Angestellte einer Firma ein Bußgeld verhängt, weil sie eine E-Mail mit einem offenen Verteiler per CC versendet hat. Die Aufsichtsbehörde sah hierin eine Datenschutzverletzung. Darauf hat die Kanzlei Dr. Bahr bei Silicon.de hingewiesen.

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Das BayLDA erklärt den Sachverhalt folgendermaßen: “Eine Mitarbeiterin eines Handelsunternehmens hat an Kunden eine E-Mail verschickt, die ausgedruckt zehn Seiten umfasst, wobei neuneinhalb Seiten die E-Mail-Adressen ausmachen und eine halbe Seite die Information beinhaltete, dass man sich zeitnah um die Anliegen der Kunden kümmern werde.”

Weiter führt die Behörde aus, dass es sich bei E-Mail-Adressen, die in erheblichem Umfang aus Vornamen und Nachnamen zusammengesetzt sind, um personenbezogene Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) handle. Diese personenbezogenen Daten dürften an Dritte nur dann übermittelt werden, wenn eine Einwilligung vorliege oder eine gesetzliche Grundlage bestehe.

Da beide Voraussetzungen nicht gegeben seien, liege ein Datenschutzverstoß vor. Über die Höhe des verhängten Bußgeldes ist nichts bekannt. Nach Ablauf der Einspruchsfrist ist es aber inzwischen unanfechtbar geworden.

Die bayerische Behörde weist ausdrücklich darauf hin, dass ihr bekannt ist, dass der Versand mit offenem Verteiler „sehr schnell und fahrlässig geschehen kann“. Den weiteren Ausführungen ist aber ein gewisser Unmut zu entnehmen: Man habe bereits unabhängig von diesem Fall mehrfach darauf hingewiesen, dass die Verwendung eines offenen E-Mail-Verteilers datenschutzrechtlich unzulässig ist, wenn die Inhaber der E-Mail-Adressen dazu nicht ihre Einwilligung erklärt haben. Offenbar hat der Fall der nun betroffenen Angestellten einfach das Fass zum Überlaufen gebracht.

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Jeden Tag werden weltweit 89 Milliarden geschäftliche E-Mails verschickt. Laut dem Marktforschungsunternehmen The Radicati Group steigt die Zahl bis 2016 auf rund 144 Milliarden an. Die Zahl der privat verschickten Mails ist dagegen rückläufig. 2016 sollen es nur noch 48 Milliarden sein. Verantwortlich dafür dürfte unter anderem die zunehmende Nutzung von sozialen Netzwerken und Instant Messengern sein (Grafik: Statista).
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