Geheimdienste bildeten NSA-Enthüller Snowden zum Hacker aus

PolitikSicherheitSicherheitsmanagement
Edward Snowden (Bild: Wikimedia Commons, Laura Poitras, PraxisFilms)

Der “Whistlebllower” Edward Joseph Snowden wird von Vielen als Hacker bezeichnet. In seinem Lebenslauf steht geschrieben, wie er vom einfachen Computertechniker zum regelrechten “Experten in Cyber-Gegenspionage” wurde. Seine bei NSA-Dienstleister Booz Allen erlernten Fähigkeiten gaben ihm breiten Zugang zu den geheimen NSA-Programmen.

Schon 2010 absovierte PRISM-Enthüller Edward Snowden einen Lehrgang zum Hacking, berichtet die New York Times. Er lernte dort, warum Sicherheitsspezialisten wie Hacker denken müssen und ihre Techniken nutzen können. Er führte diese Ausbildung auch in seinem Lebenslauf auf, mit dem er sich beim NSA-Dienstleister Booz Allen bewarb, um Beweise über die Programme des US-Geheimdienstes zu sammeln.

Edward Snowden
Der Enthüller des PRISM-Abhörskandals: Edward Joseph Snowden. (Bild: Wikimedia Commons, Laura Potras, PraxisFilms)

EC-Council bietet diese Ausbildung zum “zertifizierten ethischen Hacker” an. Es definiert ihn als “sehr ähnlich einem Penetrationstester”, der meist von Unternehmen beschäftigt wird, um mit Einbruchsversuchen die Sicherheit der eigenen Netzwerke und Computersysteme zu prüfen. Er setze dabei die gleichen Methoden und Techniken ein wie ein Hacker. “Um einen Hacker zu schlagen, muss man denken wie ein Hacker!” bewirbt das Unternehmen den Lehrgang, der mit einer Prüfung abschließt.

Offiziell wurde Snowden bislang vage als “Systemadministrator” beschrieben. Mehr Auskunft gibt jedoch sein Lebenslauf, der nicht an die Öffentlichkeit kam, aber der Zeitung zufolge “von Leuten beschrieben wurde, die ihn gesehen haben”. Demnach war der offenbar schon früh an IT-Themen interessierte Snowden ab 2005 bei der CIA beschäftigt und wurde später als Computertechniker – in der offiziellen Rolle als “diplomatischer Attaché” – zur US-Botschaft nach Genf geschickt. Er scheint zunächst routinemäßige IT-Aufgaben erledigt zu haben. Später erhielt er nach seinen Angaben ein sechsmonatiges und als geheim eingestuftes technisches Training. In der Folge diente er als “technischer Berater für Drittländer in der Region”, was sich vermutlich auf Europa bezieht.

2010 wechselte er zur NSA. Er arbeitete in Japan für den PC-Hersteller Dell, der als Dienstleister für die NSA tätig ist. Er war zunächst in leitender Position für die Modernisierung der NSA-Computersysteme in Tokio verantwortlich, arbeitete aber an verschiedenen Orten in den USA als “Cyberstratege” und “Experte in Cyber-Gegenspionage”. Durch seine Arbeit bei Dell erkannte er möglicherweise, dass er beim NSA-Dienstleister Booz Allen noch mehr Einblick bekommen konnte.

Seine Ausbildung zum “ethischen Hacker” erleichterte den erneuten Stellenwechsel und machte ihm schließlich PRISM und die anderen von ihm enthüllten Überwachungs- und Spähprogramme zugänglich. “Wenn er innerhalb der US-Regierungsnetzwerke nach ausländischem Eindringen sucht, dann könnte er sehr breiten Zugang haben”, zitiert die Times einen Sicherheitsexperten. “Der Hacker ist in den Lagerraum gekommen.”

Auch US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Whistleblower, der sich noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhalten soll, inzwischen als Hacker. “Nein, ich werde keine Jets losjagen, um einen 29-jährigen Hacker zu fangen”, spielte er die Affäre bei einer Pressekonferenz im Senegal herunter.

Er soll mittlerweile in 20 Ländern Asyl beantragt haben – über den Fortgang der Affäre und die Behandlung seiner Anträge werden laufend Ergänzungen im Wikipedia-Eintrag über Snowden hinzugefügt. Deutschland hat offenbar wegen “technischer Gründe” nicht reagiert, zwei südamerikanische Staaten boten ihm jedoch bereits Asyl.

Tipp: Wie sicher sind Sie bei der Sicherheit? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de

[mit Material von Desiree Everts DeNunzio, News.com und Bernd Kling, zdnet.de]

Umfrage

Welche Konsequenzen ziehen Sie persönlich aus dem PRISM-Skandal?

  • Keine, fühle mich dadurch nicht betroffen. (6%, 32 Stimme(n))
  • Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, sein Online-Verhalten zu ändern. (16%, 88 Stimme(n))
  • Ich werde mir künftig genauer überlegen, welche Online-Dienste ich nutze. (29%, 160 Stimme(n))
  • Ich habe mein Nutzungsverhalten bei Online-Diensten bereits geändert. (49%, 264 Stimme(n))

Gesamt: 544

Loading ... Loading ...
Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen